Wieder ein eher untypischer SHMF-Beitrag. Was hatte das nun mit Klassik oder einem der Schwerpunkte dieses Jahres, Mendelssohn, zu tun? Nicht viel. Egal oder erst recht deswegen, die Ukes, wie sie auch liebevoll genannt werden, brachten eine Menge Musikalität und Humor aus dem Lande der Schirmherrin Queen Elisabeth mit und genau aus diesem Grund hatte das begeisterte Publikum von nah und fern am 13. August 2014 die Lübecker MuK bis fast auf den letzten Platz gefüllt.
Es war Zeuge eines Parforceritts durch die jüngere und ältere Popgeschichte. Von wichtigen Vertreterinnen des gehobenen Ukulelespiels wie Marilyn Monroe oder, man höre und staune, Angela Merkel (so sagt man …) aber auch Dolly Parton oder Kate Bush - Wuthering Heights im Bariton, klingt fast besser als Kieks-Kate - über ältere Klassiker von Bill Haley, Elvis (ein Lied über ein Mutterschaf: Only You) oder Django Reinhardt bis zu, ah, doch „ernste Musik“: Stockhausen. Kurzes Zucken im Publikum, dann erklingt Das Modell von Kraftwerk, gesungen natürlich in Deutsch. Nicht ganz Karl-Heinz, aber ein echter Klassiker und kommt ja auch aus Deutschland.
Foto: (c) Olaf Malzahn
Das UOGB ist nicht nur ein außergewöhnlicher 32-saitiger Klangkörper, die Instrumentalisten singen auch und das gar nicht mal schlecht bis hin zu famos. Diesmal fünf Männer und drei Frauen: George Hinchliffe (Mastermind), Kitty Lux (Gründungsmitglied mit Witwe Bolte-Look), Dave Suich (geplagt vom Trauma, David genannt zu werden), Richie Williams (nach langer Auszeit wieder dabei), Hester Goodman (Patti Smith-Stimmen-Double), Peter Brooke Turner (eindeutig der längste auf der Bühne), Leisa Rea (funky) und Jonty Bankes (Bassist und wie alle – wer hätte das gedacht – : Ukulele) gewannen die Herzen des begeisterten Auditoriums kaum, dass sie auf der Bühne Platz genommen hatten: Durch musikalische Qualität, subtile Scherze (wer Englisch konnte, war im Vorteil) und allein den Anblick: Große Menschen mit kleinen Instrumenten, das kleinste sei ursprünglich ein Kühlschrankmagnet gewesen.
Irgendwie sind sie aus der Zeit gefallen, die acht, vielleicht ähnlich wie das reizende Blumengesteck, das neben ihnen auf die Bühne gestellt wurde. Und einfach sehr britisch, distinguiert bis sophisticated, gute Manieren und immer den Schalk im Nacken. Sie karikieren alles, jedoch nie bösartig: Da gibt es fast Headbanging zu einem Stück von den Kinks, in einem Lied über Liebe und Mord tuen sich „Abgründe“ auf und Morricones The Good, the Bad and the Ugly kommt so skurril herzergreifend an, dass es eine wahre Pracht ist. Und dann wird geschwindelt: Jonty Bankes, der mal eben Bach pfeift, als hätte er im Leben nie etwas anderes getan, erzählt dem Publikum, durch ihre Deutschlandreisen hätten die Ukes schon ganz gut Deutsch gelernt – durchs Fernsehen auf den Hotelzimmern - und führt dann alle möglichen Werbesprüche virtuos zu einem Nonsenspaket zusammen. Er erzählt nicht, dass er in Hamburg lebt und vermutlich noch ein paar andere Einflüsse für sein gutes Deutsch mitbekam.
George Hinchliffe, Foto: (c) Olaf Malzahn
Dave Suich, der mit dem laut Homepage längsten Haar der Truppe, berichtet, dass er von seiner Familie immer wieder beinahe mitleidig gefragt wird, warum es denn ausgerechnet die Ukulele sein müsse? Dann antworte er jedes Mal: Die Ukulele sei kein Instrument sondern ein Lebensstil. A Way of Life, der nach diesem Konzert wieder einige zusätzliche AnhängerInnen gefunden haben dürfte.
Fotos: (c) Olaf Malzahn













