Klangvolles "Nightline"-Konzert in der Laeiszhalle
Jamie Woon - Making Time live

Sabine VierusVon

Das Motto „Nightline“ steht für eine Reihe von Popkonzerten, die in diesem Jahr im Rahmen des zweiten Internationalen Musikfestes Hamburg stattfinden und zu einer späteren Zeit am Abend als gewöhnlich stattfinden. Und somit stand auch der britische Musiker zu später Stunde in der Laeiszhalle auf der Bühne, um sein aktuelles Album zu präsentieren.

Die über 100 Jahre alte Laeiszhalle ist ein beeindruckendes Bauwerk, das in seinen Mauern viele bekannte Musiker und Künstler, vorwiegend aus dem klassischen Bereich, präsentiert hat. Allein schon deswegen war ich gespannt auf die Kombination des Ehrfurcht erzeugenden Konzertsaales und des Trip Hop-, Pop-, Soul-Sounds von Jamie Woon. Die moderne Musik und die Erhabenheit des großen Konzertsaales gingen, wie sich schnell zeigte, eine perfekte Symbiose ein.

Pünktlich um 21:30 Uhr stand der Künstler mit seiner Band entspannt auf der Bühne und nahm sie mit seiner Musik sofort ein. Das Publikum begrüßte ihn lautstark und ging zum ersten Song Movement sofort begeistert mit. Völlig unerwartet für mich gab es als zweites Stück gleich Night Air, erste Single und bekanntester Track des ersten Albums Mirrorwriting. Die ersten Töne wurden angespielt und sofort vom Publikum erkannt. In einem rasanten Tempo waren alle aufgestanden und klatschten, tanzten und sangen mit. Dieser Moment berührte nicht nur mich, sondern auch den Künstler, der sich dafür danach umgehend bedankte. Das Animieren zum Mitklatschen der Backgroundsänger war eigentlich überflüssig, denn bei jedem tanzbaren Song bewegten sich die Zuschauer bestens gelaunt und ohne Mühe mit.

 

Die Songauswahl war eine Mischung des neuen Albums Making Time und des ersten Werkes Mirrorwriting. Der Sound wechselte von kraftvoll elektronisch (Forgiven, Dedication, Night Air) über tanzbar (Sharpness, Message) zu akustisch (Celebration). In Celebration geht es um Menschen, die in Woons Leben wichtig sind und ihn beeindruckt und beeinflusst haben. Im Zuge dessen nannte er Prince, der vor kurzem im Alter von nur 57 Jahren verstorben ist.

Woons Adaption des bekannten Try Again der Sängerin Aaliyah war ein Highlight des Abends, extrem gelungen und fast besser als das Original. Mühelos zog Woon das Publikum mit seiner klangvollen und klaren Stimme in seinen Bann. Er und seine Band benötigen keinen aufwändigen Bühnenaufbau, Lightshows oder Kostüme. Sie überzeugten durch die Qualität der Musik und des Engagements, das sie auf der Bühne zeigten und den Spaß daran, den sie zweifelsohne vermittelten.

Als leider viel zu früh gespielte erste Zugaben präsentierte Woon rein akustisch mit Stimme und Gitarre Thunder und Shoulda und erzeugte damit Gänsehaut und pure Emotionalität. Damit wurde der Konzertabend aber Gott sei Dank nicht beendet, und Woons sechsköpfige Band kam dazu, um das jazzige Thunder noch einmal anzustimmen und in Lady Luck übergehen zu lassen. Diese großartige Konzert war das Beste, was ich seit langer Zeit gehört habe. 

Nach eineinhalb Stunden entließen die feiernden Zuhörer den Sänger lautstark mit Standing Ovations von der Bühne. Jamie Woon verabschiedete sich mit den Worten "see you soon". Ich nehme das als ein Versprechen, ihn bald live wiedersehen zu dürfen. Hoffentlich erfüllt er dann wieder die "heiligen" Laeiszhallen mit seinem Sound.

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Jamie Woon in der Laiszhalle Jamie Woon in der Laiszhalle Jamie Woon in der Laiszhalle

Fotos: Sabine Vierus

Sabine Vierus
Sabine Vierus
Jahrgang 1971, in Lübeck geboren, gelernte Kauffrau, ihre Leidenschaften sind Musik und Fotografie. Seit 2015 schreibt sie für "unser Lübeck".
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