Nils Landgren und die Bremer Stadtmusikanten, Foto: (c) Olaf Malzahn

JazzBaltica 2017
Ein Gipfeltreffen kreativer Jazzmusiker

Hildegard PrzybylaVon

In der Niendorfer Evers-Werft trafen sich Jazz-Elite-Bands: So u. a. Peter Weniger, Jin Jim alias Ben Tai Trawinski, Jan Lundgren, Michael Wollny und das Trio von Martin Tingvall. Jede Band für sich präsentierte ein jeweils eigenwillig mitreißendes Programm.

Der routinierte und bei JazzBaltica bestens bekannte Peter Weniger führte sein Quintett im rasenden Saxophonrausch durch sein neu eingespieltes Album "Point Of Departure". Kraftstrotzend und virtuos trumpfte er in alter Jazz-Manier mit seinem Tenorsaxophon auf. Die übrige Besetzung des Quintetts hatte kaum Luft zum Atmen.

Ebenso temperamentvoll und impulsiv traten die drei um Ben Tai Trawinski gescharten Musiker auf. Der Bassist nennt seine Band Jin Jim, was auf hebräisch so viel wie "roter Schopf" heißt und die Farbe seiner unbändigen, roten Haarpracht beschreibt. Die Band ist unter Beimischung internationaler Folklore- und Hiphop-Klänge im Jazzrock zu Hause. Diese frechen Jungstars frischten die voll besetzte Halle so energisch auf, dass die ihnen folgende Sängerin Viktoria Tolstoy mit ihren Liedern aus der Filmgeschichte etwas unterging.

Wieder etwas sanfter trat dann am späten Samstagabend der schwedische Pianist Jan Lundgren mit seinem Sechstett auf. Diese Band ist bekannt für ihr Album Jazz auf Schwedisch – "Jazz pa Svenska". Das neue, hier vorgestellte Album "Tribute to Jan Johansson" huldigt dem begnadeten schwedischen Jazzmusiker mit dessen zeitlosen Jazzbearbeitungen schwedischer und russischer Volkslieder. Die Grund-Melodien waren den meisten aus Kinderfilmen wie Madita, Pipi Langstrumpf oder auch Dr. Schiwago bekannt und wurden dementsprechend lebhaft begrüßt. Ganz außergewöhnlich trat in diesem Ensemble der Bassist Mattias Svensson auf. Während er mit Viktoria Tolstoy nur artige Filmmusik begleiten durfte, konnte er hier in einem Feuerwerk leidenschaftlich auf seinem Bass improvisieren.

Backstage: Mattias Svensson und Jan LundgrenBackstage: Mattias Svensson und Jan Lundgren

Einen wahren und auch von ihnen so genannten Super-ACT: "Out of Land" landeten die vier erfolgreichen Einzelkünstler Michael Wollny (Klavier), Vincent Peirani (Akkordeon), Emile Parisien (Sopransaxophon) und Andreas Schaerer (Gesang) mit ihrem neuerdings gemeinsamen Auftritt. Diese vier von Nils Landgren als absolute Superstars vorgestellten Ausnahme-Jazzer brachten sich und das Publikum in einen absoluten, noch nie dagewesenen Klangrausch. Der Sänger und Stimmband-Akrobat Andreas Schaerer hampelte zu rhythmischen Fantasielauten – knackend, klirrend und schnalzend, immer sich wieder findend in einer Melodie. Der Saxophonist gibt mit ähnlichen Verrenkungen seine Improvisationen dazu und das Akkordion legt in minimalistischer Intensität seinen Klangteppich dazu aus. Alles überkrönend vollendet Michael Wollny, mal im Solo und mal gemeinsam spielend, das enthusiastische Gesamtkunstwerk. Seine Tasten- und Saitenläufe sind so abstrakt und dennoch harmonisch. Das Publikum war von den Stühlen gerissen, es hatte so etwas noch nicht erlebt.

Einen weiteren Klaviervirtuosen erlebte die Evers-Werft direkt am Sonntag danach. Martin Tingvall (Klavier) zelebrierte mit Bass (Omar Rodriguez Calvo) und Drums (Jürgen Spiegel) schwedische und lateinamerikanische (Cuba-)Rhythmen. Das Trio ist in der Jazzszene fest etabliert und immer wieder ein gern gesehener Gast bei der Jazz Baltica, wohl gemerkt, ab dem kommenden Jahr 2018 im Zentrum von Timmendorfer Strand.

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