Tini Thomsen (Saxophon) und die Jazz Baltica All Star Band

Jazz Baltica brachte auch 2017 wieder starke Musikerinnen heraus

Hildegard PrzybylaVon

Nils Landgren, der künstlerische Leiter der Jazz Baltica, versteht es immer wieder, begnadete weibliche Ausnahmetalente in den Vordergrund zu stellen. Es ist sozusagen sein erklärtes Ziel, die immer noch männlich dominierte Jazz-Bühne mit mindestens ebenso begabten Musikerinnen zu bestücken und ihnen damit eine sehr berechtigte Präsenz zu verschaffen.

Nun schon zum zweiten Mal gelingt ihm das 2017 unmittelbar im Eröffnungskonzert mit der ausschließlich weiblich besetzten Jazz Baltica All Star Band. Kaum hat die große Marching Band die Besucher aus dem Hafenbereich in die große Halle getrommelt, werden 21 handverlesene Musikerinnen lebhaft von Nils Landgren begrüßt. Unter Leitung der Hamburger Baritonsaxophonistin Tini Thomsen spielt die Bigband kraftvoll auf. Es ist kaum zu glauben, so viele grandiose Jazz-Instrumentalistinnen auf einem Haufen zu erleben. In Skandinavien, woher die meisten stammen, mag das bereits ganz sebstverständlich sein, bringen sie das begeisterte Publikum zum Staunen. Jede Musikerin stellt ihre Einzigartigkeit noch durch individuelle Sommerkleidung heraus, die übliche Bühnenfarbe "Schwarz" taucht kaum auf.

Tini Thomsen hat die Kompositionen und Arrangements verfasst, kommt dabei selbst aber kaum zum Spielen. Unverkennbar ist ihre Bluesnote in den ausgedehnten Suiten. Ein besonderes Solo steuert die Echo-Preisträgerin Eva Kruse auf dem Bass bei. Andere stehen ihr nicht nach, so kann die Trompeterin Hildegunn Öiseth leidenschaftlich gespielt besondere Spezialitäten auf dem Horn einer Ziege, dem Bukkehorn, bieten. Nicht zu vergessen bleibt die Sängerin Lena Swanberg, die den Bigband-Sound mit instrumental klingenden Vokalen abrundet. Die Energie sprühende Tini Thomsen, selbst Preisträgerin des IB.SH-JazzAwards, lobt ihre Kolleginnen und flachst in der ihr eigenen Spontaneität: "Sind sie nicht unglaublich! Sie können nicht nur kochen, sie können auch bügeln."

Als nächste großartige Musikerin ist die Saxophonistin Anna-Lena Schnabel zu nennen; sie erhält den diesjährigen JazzAward.

Viktoria Tolstoy & BandViktoria Tolstoy & Band

Wieder einmal dabei ist die schwedische Sängerin Viktoria Tolstoy, Ur-Urenkelin von Leo Tolstoy. Sie stellt ihr neues Programm "Meet Me At The Movies" vor. Sie singt berühmte Lieder aus der Filmgeschichte, begleitet von ihrer Band, kann aber nach dem vorangegangenen Set der virtuosen Gruppe Jin Jim nicht so recht begeistern. Tatsächlich ist sie eine Größe in der Szene. Ihre Karriere hat vor Jahren mit der JazzBaltica und ihrer Entdeckung durch Nils Landgren begonnen. Weitere Frauenpower wird gesanglich von der Schauspielerin Jasmin Tabatabai vertreten.

Den alles krönenden Höhepunkt weiblicher Musikalität stellt Monika Roscher zum Abschluss des Festival-Hauptprogramms in Niendorf dar. Sie ist ein Ausbund überschwenglichen Temperaments und bietet mit ihrer 18-köpfigen Band einen breit angelegten Stilmix aus rockigen Rhythmen, tanzbaren Grooves, Punk-Energien, Psychedelic-Pop und sonstigen Soundscapes. Für ein besonders krachendes Stück schlüpft sie gar bei völliger Abdunklung in einen blinkenden Cyberspace-Anzug. Mit Monika Roscher und ihrer Bigband sind erstmals Musikerinnen und Musiker aus der bayerischen Landeshauptstadt München vertreten.

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