Plädoyer zum Bürgerentscheid am 18. Dezember 2016

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Am kommenden Sonntag sind die Lübeckerinnen und Lübecker aufgerufen, an einem Bürgerentscheid mitzuwirken, indem sie ihre Stimme zur Umgestaltung der Untertrave abgeben.

Der Vorstand des ArchitekturForumLübeck e.V. hat sich hierzu bisher nicht geäußert, tut dies aber nun wie folgt: Zur Bildung einer fachlich begründeten Meinung hat das Forum zuletzt den für den Umbau verantwortlichen Landschaftsarchitekten Tonio Trüper sowie zwei Vertreter der Bürgerinitiative, Detlev Holst und Wolfgang Neskovic, in die Räume des Forums geladen. Anders als bei allen anderen Veranstaltungen bisher kamen somit beide Seiten zu Wort und auch miteinander ins Gespräch. Einigkeit gab es dann auch bei zwei wesentlichen Punkten: erstens, die Untertrave muss umgestaltet werden und zweitens, dies soll mit Bäumen geschehen.

Das Forum steht ebenso FÜR den Umbau der Untertrave und die damit verbundenen städtebaulichen Ziele der Hansestadt Lübeck. Nach dem Bau der Nordtangente, der Eric-Warburg-Brücke und der erfolgreichen Umgestaltung der Obertrave muss jetzt der nächste Schritt erfolgen, den westlichen Altstadtrand endlich zu einem durchgängig qualitätvollen Ort zu vervollständigen.

Generell besteht in Lübeck offenbar Einigkeit darüber, dass an der Untertrave Bäume stehen sollen. Hierüber hätte man auch grundsätzlich diskutieren können, aber der Idee von Bäumen kann sich das ArchitekturForumLübeck anschließen.

Worum geht es am Sonntag?
Bürgerinnen und Bürger entscheiden darüber, ob der Versuch unternommen werden soll, die Umgestaltung der Untertrave mit den bestehenden Linden zu realisieren. Damit wird die baureife und durchfinanzierte Planung noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt, ein Baubeginn erfolgt zunächst nicht.

Was geschieht nach der Wahl?

Ja gewinnt:

Die fertige Planung muss dann geändert werden. Ob diese Änderung finanzierbar ist, ist unklar. Ob die technischen Lösungen, welche die Initiative vorschlägt, realisierbar sind, ist nicht bekannt. Ob die Finanzierung der Maßnahme weiterhin mit Fördergeldern möglich ist, ist offen. Die Annahmen, die Linden seien doch gesund und am Standort trotz Umbau lebensfähig, sind nicht belegt.

Nein gewinnt:

Die fertige Planung wird mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Fördergeber umgehend umgesetzt. Die vom Grünflächenamt empfohlenen und genehmigten Baufällungen erfolgen. Neue Bäume werden gepflanzt – über die Baumart darf man dann gerne noch sprechen. Die Planung ist aus Sicht des Forums fachlich nachvollziehbar und belastbar.

Jeder hat Verständnis für emotionale Gründe zum Erhalt der Linden und auch für die Kritik an der Kommunikation rund um das Projekt. Niemand sollte aber diese Abstimmung nutzen, um die Umgestaltung aus anderen Gründen zu verhindern: eine Baustelle vermeiden, eine lange geplante und wichtige Verkehrsberuhigung verhindern oder „denen da oben“ einfach mal eins auswischen.
Der Umbau MUSS erfolgen.

Das ArchitekturForumLübeck kommt zu dem Schluss, dass die Erhaltung der Linden immer zu einer Lösung von deutlich geringerer Qualität führen würde als die vorliegende Planung. Somit verstehen wir die Umsetzung der vorgelegten Planung als alternativlos und plädieren für ein „NEIN“.

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