Foto: Thomas Alex (c) Blidschön/Angelika Klein

Alex Thomas - "Blutpforte"

Michael SterzikVon

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit sich erträumen lässt.

Religion und Wissenschaft – schließen sich diese gegenseitig aus? Gerade in der Parapsychologie werden solche Themen wie: Geister, Spuk, Astralebenen, Reinkarnation, Leben nach dem Tod, Nahtoderfahrungen, Botschaften aus dem Jenseits und nicht zuletzt selbst „Gott“ und der „Teufel“ infrage gestellt.

Die katholische Kirche hält sich oftmals mit offiziellen Aussagen zu derartigen Themen konsequent zurück. Die Wissenschaftler distanzieren sich oftmals deutlich, manchmal skeptisch von diesen Themen, obwohl diese in den letzten Jahrzehnten zunehmend eher neutrale Standpunkte vertreten. Neue Erkenntnisse über den Einfluss und die Existenz anderer Dimensionen, über das Raum-Zeit-Gefüge, die Quantenphysik usw. verändern die wissenschaftlichen Standpunkte und Perspektiven enorm. Die ehemaligen Ketzer sind fast schon rehabilitiert und auch die Kirche öffnet ihre fest zugesperrten Schranken einen großen Spaltbreit.

Der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion ist so alt wie die Menschheit, nur prägt und verändert sich dieser immer. Und seien wir mal ehrlich: Hätten die holden Burgfräuleins aus ihren Türmen heraus Flugzeuge oder Hubschrauber am Himmel gesehen, so wäre sprichwörtlich der „Teufel“ los gewesen. Also alles nur eine Frage des Fortschritts und des Wissens.

Trotzdem gibt es so manche Geheimnisse, die der kleine Kirchenstaat im Herzen Roms vor uns und nicht zuletzt vor der Wissenschaft verbirgt. So klein und überschaubar der Vatikan auch ist – desto viel größer ist sein Einfluss und noch größer sein Wissen um verborgene Einflüsse zwischen dem Himmel und der Erde. Es gibt manche Geheimnisse, die höchstwahrscheinlich nur der amtierende Papst weiß und ein ausgesuchter Kreis von Kirchenfürsten und Kardinälen.

Im vierten Band „Blutpforte“ des inzwischen in Bremen lebenden Autorenehepaars (Pseudonym Alex Thomas) spielen die junge, medial begabte Catherine Bell und der charismatische Kardinal Marc Giban die Hauptrolle. Ihre Bühne ist diesmal ausschließlich der Vatikan und alle Sphären zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Für beide Charaktere wird diese Geschichte ein psychischer wie auch physischer persönlicher Kampf um die Zukunft des Vatikans und der Menschheit. Eine brutale Mordserie in den Kirchen in Europa und den USA beschäftigen den Geheimdienst des Vatikans. Es häufen sich Geistererscheinungen an vielen Orten, deren Präsenz und Botschaften unheilvoll klingen.

„Blutpforte“ ist ein klerikaler Thriller mit einigen fantastischen Elementen. Für Leser, die sich mit solchen Grenzwissenschaften nicht beschäftigen und sich in ihrer Komfortzone der wissenschaftlichen Fakten bewegen möchten, werden manche Passagen durchaus befremdlich wirken. Hingegen für Menschen, die wie die Autoren selbst daran glauben, dass Wissenschaft und Religion sich nicht immer widersprechen, ist „Blutpforte“ ein eindrucksvoller Roman voller Grenzthemen.

Genau diese Themen faszinieren dermaßen, dass es den Autoren motivierend gelingt, einmal über den Tellerrand unserer physischen Welt zu blicken. Fakten und Fiktionen vermengen sich zu einer höchst spannenden Story mitsamt vielen kleinen Nebengeschichten und Charakteren, die großartig positioniert wurden. Was nun dabei der Fantasie der Autoren entspringen mag und was über Jahre hinweg Schätze der Recherche sind, bleibt offen.

Die Entwicklung des Geschehens und die daraus resultierenden Beziehungsebenen zwischen Catherine Bell, Marc Ciban und anderen werden schlüssig ausgebaut. Die Autoren knüpfen inhaltlich an den ersten drei Büchern der Reihe an, doch um das komplexe Konstrukt der Autoren verstehen zu können, ist es sinnvoll, die vorigen drei Teile gelesen zu haben.

 Für den, der Rom kennt und vielleicht auch den Vatikan einmal besucht hat, wird es wie ein nach-Hause-kommen sein. Die Atmosphäre dieser klerikalen Reihe ist einzigartig – keine Verschwörungstheorien werden hier aufgewärmt erzählt und auch keine Reinkarnationen biblischer Gestalten geben sich hier ihr Stelldichein. Nein, die Autoren gehen andere, eigene Wege und das sehr zielgerichtet und mutig.

„Blutpforte“ ist die Tür zu einem offenen Raum voller Gedanken, Thesen und Theorien. Die Autoren spielen mit Elementen der Wissenschaften und der Religionen und überzeugen durch brillante Spannung. Es gibt nur wenig auszusetzen. Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Nebengeschichten gegeben hätte. Die Story ist voll von Figuren, die dafür prädestiniert sind – allen voran der geheimnisvolle Lazarus. Eine eigene Romanreihe um diese Gestalt wäre phänomenal.

"Blutpforte" – ein himmlischer Thriller, der höllisch überzeugt.

Thomas Alex: Blutpforte, Blanvalet, 17. April 2017, 576 Seiten

Das Buch ist in den inhabergeführten Buchhandlungen Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTUR, Buchstabe und auf Amazon erhältlich.

Michael Sterzik
Michael Sterzik
Geboren 1970 in Osnabrück. Leitender Angestellter, freiberuflich tätig als Journalist. Bei „unser Lübeck als Autor seit 2012 dabei.
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