Douglas Preston und Lincoln Child
Demon – Sumpf der Toten

Michael SterzikVon

Mit dem aktuellen Titel „Demon – Sumpf der Toten veröffentlicht das Autorenduo Preston und Child den inzwischen schon 15. Band der Reihe um den exzentrischen Special Agent Pendergast.

Angefangen mit dem Titel „Das Relikt“ in den 90er Jahren, ist der im eleganten Schwarz gekleidete Pendergast schon längst eine Kultfigur in dem Genre Thriller geworden. Eine personifizierte Symbiose, irgendwo zwischen James Bond und Sherlock Holmes. Es fehlen vielleicht die geschüttelten Martinis und die Pfeife, aber ansonsten steht er den großen Ermittlern in nichts nach. Der 15. Band führt Pendergast und sein Mündel Constance Green in die Sümpfe von Exmouth an der Küste von Massachusetts. Sein Auftraggeber bittet ihn um Hilfe bei der Auflösung eines Diebstahls von erlesenen Weinen. „In vino veritas“ – fast. Zwar steckt die Wahrheit nicht im Wein, aber zum Teil hinter den Mauern des alten Weinkellers in einem urigen Leuchtturm bzw. hinter der Frage, wer Interesse hatte, eine eingemauerte Leiche gleich mit zu entwenden?

Exmouth – so unscheinbar das kleine provinziale Städtchen auch sein mag, birgt es doch viele dunkle Geheimnisse: Piraterie, ein verschollenes Schiff und sogar eine Zweigstelle der Hexen von Salem. Pendergast und Constance Green werden in den historischen Sog alter Familiengeschichten und traditionell ausgeübter Magie gezogen.

„Demon – Sumpf der Toten“ besinnt sich auf die alten, erfolgreichen Ermittlungsmethoden Pendergasts, die langjährige Leser noch von den ersten Romanen kennen dürften. Zwar tauchen die weiteren bekannten Charaktere Vincent D’Agosta, Margo Green und Nora Kelly überhaupt nicht auf, doch die beiden Autoren lassen Pendergast und Green in ihrer komplizierten Beziehungsebene wachsen. Pendergast ist wie immer in Hochform, jedem Ermittler weit voraus, aber Constance Green spürt, dass sich in der Vergangenheit dieser kleinen Küstenstadt Dunkles, Böses verbirgt. Diese Situation, die beide unterschätzen, lassen sie in höchste Lebensgefahr geraten.

Die Autoren Douglas Preston und Lincoln Child verstehen es raffiniert, eine Geschichte durch die eigentliche zu tarnen. So simpel eine Auflösung dann ist, so explosiv geht’s doch weiter und endet mit einem grausamen Cliffhanger und einigen unbeantworteten Fragen, die wohl erst in der garantierten Fortsetzung beantwortet werden. Das wirklich Herausragende an dieser Reihe ist die Entwicklung der Figur Pendergasts. In den ersten Romanen ist er ein eigenwilliger Einzelgänger, der nicht viel Persönliches preisgeben mag, in den nachfolgenden Bänden allerdings wird seine Vergangenheit immer präsenter und privater. Mit Constance Green als Mündel übernimmt er eine große Verantwortung. Zwar herrscht noch immer zwischen ihm und der Welt ein tiefer Graben der Distanz, doch mehr und mehr begreift er, dass er auch auf andere angewiesen ist.

Wissenschaft, Legenden, Mythen und Sagen bilden die Grundsteine dieser Romanreihe. Einfache Mittel, die allerdings überzeugend eingesetzt werden. Hinzu kommen noch ein extrem eigenwilliger Ermittler mit einer geheimnisvollen Vergangenheit und ein dramatisches hohes Gefahrenpotenzial und fertig ist der Bestseller. Die Reihe um Pendergast ist eine der wenigen, die auch noch nach dem 15. Band nichts von ihrer Faszination verloren haben.

Fazit:
„Demon – Sumpf der Toten“ überzeugt durch einen langsamen, aber geradlinigen Spannungsaufbau. Ein spannender Sumpf, der den Leser in etwas Dunkles, Grausames reinzieht. Atmosphärisch großartig gewählte Schauplätze, die dann doch vom Eigentlichen formidabel ablenken und dabei nicht enttäuschen. Die Dramatik im letzten Drittel ist atemberaubend, und es würde der Reihe insgesamt gut tun, wenn diesmal eine tragende Figur ein literarisches und endgültiges Ende finden könnte. Ich freue mich sehr auf den 16. Fall des Special Agent Pendergast.

Douglas Preston und Lincoln Child: Demon – Sumpf der Toten, Knaur HC, Januar 2017, 416 Seiten

Das Buch ist in den inhabergeführten Buchhandlungen Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTUR und Buchstabe erhältlich.

Michael Sterzik
Michael Sterzik
Geboren 1970 in Osnabrück. Leitender Angestellter, freiberuflich tätig als Journalist. Bei „unser Lübeck als Autor seit 2012 dabei.
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