Flucht in die Zukunft, Foto: Bob Film Sweden AB

59. Nordische Filmtage
"Flucht in die Zukunft" – Zu gut für einen Preis

Von

Mit "Flucht in die Zukunft" haben die 59. NFL eine intelligente, amüsante und durchdachte Zeitreisekomödie ins Jugendfilmprogramm geholt, die sich hinter Spielbergs "Zurück in die Zukunft"-Reihe nicht verstecken muss.

Der 1973 an einem angeborenen Herzfehler leidende 22-jährige Svante wird sterben, belastbar ist er eh nicht mehr. Hoffnungslos steigt er in die U-Bahn ... und landet 2016. Dort ist die Heilung durch einen kleinen Routineeingriff möglich – nur Svante "existiert" gar nicht mehr und Geld hat er auch nicht. In "seiner" Wohnung lebt Elsa, Rezeptionistin in einem Tattoo-Studio, das sich in "seinem" Plattenladen befindet. Was Anspruchvolleres wird sie mit ihrem Studium in Genderismus wohl auch kaum machen können. Nur mit Mühe kann er sie und seinen sich in 1973 befindlichen Freund Bengan von den Zeitsprüngen überzeugen, durch Spekulation die OP ermöglichen und die teils gravierenden Folgen der Geschichtsmanipulation rückgängig machen.

Der Film ist wundervoll gemacht: Kostüme, Beleuchtung, Kulissen sind detailverliebt und schön ausgestaltet. Die für Zeitreisefilme unvermeidlichen Paradoxien wurden einfach pfiffig in den Plot eingearbeitet. Jede Menge kleiner versteckter Gags, nur erkennbar für Leute, die die frühen 70er miterlebt haben, sorgen für ein Extravergnügen, wie zum Beispiel beim Querflöte-spielenden Plattenhändler Bengan, der plötzlich einen "Lick" aus dem Solo von "Locomotive Breath" seiner Zeit vorwegnimmt – da hätte man fast im Hintergrund jemanden telefonieren lassen können: "Ian? Hier ist Dein Cousin Peter Anderson. Du suchst doch nach dem besonderen Sound ..."

Der Film war bereits letztes Jahr zu den 58. NFL eingeladen, aber die Produzenten wollten lieber ein großes Festival für die Deutschlandpremiere haben. Offenbar konnten neben anderen Institutionen auch die Komitees der anderen Festivals nicht das Potential erkennen. Nur konsequent, dass der Film bei den Preisen leer ausgegangen ist. Einen Publikumspreis hätte er bekommen. Der Dank gebührt den NFL, dass sie die Einladung für diesen großartigen Film für die Deutschlandpremiere wiederholten.

Flucht in die Zukunft, Kinder- und Jugendfilme, Schweden 2016, 99 Min., schwed. OF, engl. UT, empfohlen ab 14 Jahren

Marvin
Schreibt seit 2009 für "unser Lübeck". Schwerpunkt: Film (Nordische Filmtage) und Konzerte.
Weitere Artikel

Kommentar schreiben

Wir freuen uns über konstruktive Kommentare, die die Nettiquette beachten. Unsere Autoren schreiben ehrenamtlich für "unser Lübeck". Bitte schreiben Sie nur, was Sie dem Gegenüber auch ins Gesicht sagen würden. Für ein kultiviertes Internet!

Unsere Kommentare werden moderiert! Wir bitten um Verständnis, dass wir Kommentare löschen oder nicht freischalten, die werblichen, strafbaren, beleidigenden oder anderweitig inakzeptablen Inhalts sind.


Sicherheitscode
Aktualisieren