Die „Reichskristallnacht“ in Schleswig Holstein

Montag, 15. Februar 2016, 10:00 - 18:00
Rathaus Lübeck Große BörseMarkt, 23552 Lübeck
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Ab Donnerstag, 28. Januar bis zum 19. Februar 2016 haben Interessierte die Möglichkeit, die Wanderausstellung „Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“ zu besuchen. Die Ausstellung kann von Montag bis Sonnabends,10 bis 18 Uhr sowie Sonntags, 10 bis 16 Uhr, im Lübecker Rathaus, Breite Straße 62, besichtigt werden.

Anlässlich des 75. Gedenktages der Reichspogromnacht gibt die Ausstellung einen Einblick in jüdisches Leben von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Landesarchiv Schleswig-Holstein erarbeitete dafür in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gerhard Paul von der Universität Flensburg und der Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein einen detailreichen Überblick zu den Ereignissen in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Gezeigt werden auch die Vorgeschichte der Jüdinnen und Juden in Schleswig-Holstein und die auf die „Reichskristallnacht“ folgenden Jahre ihrer Stigmatisierung und Ermordung durch die Nationalsozialisten.

Die Ausstellung bietet einen detailreichen Überblick zu den Ereignissen in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 sowie der Vorgeschichte der Jüdinnen und Juden in Schleswig-Holstein und den auf die "Reichskristallnacht" folgenden Jahren ihrer Stigmatisierung und Ermordung durch die Nationalsozialisten.

Im Vordergrund stehen die Einzelschicksale. So erfährt der Besucher von Dora Kufelnitzky, deren Hutgeschäft in der Kieler Muhliusstraße geschlossen wurde, oder von der Rendsburger Familie Fertig, die im Oktober 1938 aus Deutschland ausgewiesen wurde. Zahlreiche Bilddokumente aus der Fotosammlung der Universität Flensburg und Akten aus dem Landesarchiv dokumentieren das Schicksal schleswig-holsteinischer Familien jüdischen Glaubens.

Darüber hinaus zeigen sie zerstörte Synagogen und verwüstete Geschäfte mit zerschlagenen Fensterscheiben, die der "Reichskristallnacht" ihren Namen gaben. Die Kieler Synagoge am Schrevenpark war im Jahr 1939 für den Abriss bestimmt, das Rendsburger Gotteshaus wurde als Fischräucherei entweiht. Einigen jüdischen Familien gelang nach der Pogromnacht die Emigration ins Ausland, sie gingen nach Südamerika, Schanghai oder in die USA. Kinder wurden mit Kindertransporten nach Großbritannien gebracht und überlebten dort den Holocaust. Viele Jüdinnen und Juden wurden jedoch deportiert und interniert, etwa im Vernichtungslager Auschwitz, in Theresienstadt oder im Rigaer Ghetto.

Diesen drastischen Maßnahmen war bereits eine jahrelange Stigmatisierung vorausgegangen. Die Ausstellung zeigt Fotografien vom Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933 und antisemitische Beschilderungen wie den Hinweis "Juden sind hier nicht erwünscht" im Hafen von Wyk auf Föhr. Archivalien mit Abwicklungen von Geschäftsinventar und Versteigerungsprotokolle ganzer Wohnungseinrichtungen dokumentieren die schrittweise Verdrängung der jüdischen Minderheit aus Schleswig-Holstein.

Wer den Holocaust überlebt hatte, ging nach Palästina oder verblieb in dem Land, in das die Emigration ihn geführt hatte. Nur Wenige kehrten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland zurück. Zu ihnen gehört beispielsweise Heinz Salomon, der aus Theresienstadt in seine Heimatstadt Kiel kam und sich dort als Leiter der jüdischen Wohlfahrtspflege um andere Holocaust-Überlebende kümmerte. Oder Dr. Rudolf Katz, der sich nach einer Emigration über New Yorknach Schanghai als Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes am Aufbau einer neuen Demokratie beteiligte.

Die Ausstellung präsentiert facettenreich das jüdische Leben in Schleswig-Holstein und stellt anhand persönlicher Schicksale die Schrecknisse der "Reichskristallnacht" dar.

Eintritt frei

Begleitend zur Ausstellung finden am 3., 10. und 18. Februar 2016, jeweils um 19 Uhr, thematische Vorträge in der Großen Börse statt.

Kostenlose Führungen durch die Wanderausstellung gibt es für Gruppen mit jeweils zehn Personen. Hierfür wird eine Anmeldung per Telefon (0451) 122 - 4101 oder per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erbeten.


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