
Svenja Leiber stellt ihren nicht nur als NDR Buch des Monats vielbeachteten neuen Roman vor. Wir laden ein zu Lesung und Ausklang im Baudenkmal und Museum Haus Hansestadt Danzig:
NELKA „ist ein meisterhaftes Buch, präzis, anschaulich und völlig unsentimental. Gerade deshalb wühlt es auf. Die Autorin schreibt mit verblüffendem Sinn fürs sprechende Detail.“ NZZ am Sonntag
Schleswig-Holstein, ein gutes Apfeljahr. Schöne Blüten treibt die Zwangsarbeit. Man muss nicht tief schürfen, um auf das Nachleben von Gewaltherrschaft zu stoßen, es entfaltet sich Saison um Saison über unseren Köpfen und wirft immer noch allerhand ab. Eine ansehnliche Ausbeute. Andere Früchte haben keine Saison und sind über Jahre im Stillen herangewachsen, weiter östlich, bis dato in sicherer Entfernung.
Ein vermögender Obstbauer erwartet Besuch aus der postsowjetischen Westukraine, angekündigt per Brief vor drei Tagen. Nicht mehr abzuwenden. Er weiß von solchen Briefen aus der Nachbarschaft. Vereinzelt, aus Polen, Russland. Schnee von gestern.
Ostarbeiter, eine zusammengewürfelte Schar war das auf dem Gut, darunter diese, Nelka aus Lemberg, konnte einiges Deutsch, geschickt im Obstanbau. Im Verwalterhaus hat er sie - beschäftigt. Das Gedächtnis schwächelt. War einmal hilfreich: die Stütze der schwachen Erinnerung. Was will die Person. Ihm schwant, dass es nicht das Geld ist, das er im Kuvert bereitlegt.
In „ihrer kompromisslos genauen Sprache“ (Matthias Nawrat), manchmal trocken-sarkastisch, unbedingt poetisch, serviert Svenja Leiber eine Geschichte von Würde und Finsternis, Verschleppung, Verfügungsgewalt und Verbrechen, von Willkür und Widerstand, von Freundschaft unter den Frauen, deren Reiseroute, dürftig geflickt und gepflastert, Osteuropa und uns hier trennt und verbindet.
NELKA ist ihr fünfter Roman, der vierte, mit dem sie bei uns zu Gast ist. Sie lebt und schreibt in Berlin und Schleswig-Holstein, recherchiert immer wieder in Osteuropa.