
Der Vortrag von Robin Leipold, Wissenschaftlicher Direktor im Karl-May-Museum Radebeul, beleuchtet die Ursprünge der deutschen „Indianerbegeisterung“ und betrachtet die Entwicklungen dieses besonderen Phänomens, das sich über zweihundert Jahre zurückverfolgen lässt.
Die Deutschen und „ihre Indianer“ – Spuren und Aspekte eines kulturellen Phänomens
Vor genau 150 Jahren entdeckte der wohl bekannteste Indianer der Literaturgeschichte das Licht der Welt – Winnetou. Karl Mays populäre Romanfigur ist zum Sinnbild für das Indianerbild der Deutschen geworden und hält seinen Schöpfer auch über 100 Jahre nach seinem Tod noch in Erinnerung.Die besondere Faszination für die indigenen Menschen Nordamerikas geht jedoch weit über Winnetou hinaus. Indianergeschichten begeisterten in Deutschland schon vor Karl May. Mit den Wild West Shows bekamen die Bilder und Fantasien ab den 1880er Jahren reale Gesichter. Inspiriert davon entstanden in West wie Ost zahlreiche Cowboy- und Indianervereine, die zum Teil bis heute bestehen. Zudem wurden „die Indianer“ in Filmen, auf der Bühne, in der Musik oder in der Werbung zur Projektionsfläche unserer Fantasien und Sehnsüchte.