„an·ecken“ in der xpon-art gallery

Sonntag, 13. November 2016, 18:00 - 21:00
xpon-art galleryRepsoldstraße 45, 20097 Hamburg
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Kann Kunst heute noch anecken? Oder ist das Schock-Potenzial seit Dada, Nackt-Performances und Jonathan Meeses Hitlergruß aufgebraucht und der Betrachter zu einem achselzuckenden Konsumenten all dessen geworden, was der Künstler ihm vorsetzt? Und wer thematisiert eigentlich all das Aneckende, was uns im Alltag begegnet? Ist nicht gerade auch die Politik ein äußerst kantiges Gebilde? Apropos Kanten: nicht nur Spitzen des Anstößigen, auch als geometrische Eckpunkte von Grenzlinien begegnen sie uns – wobei es selbst da nicht immer bei zwei Ecken bleiben muss... Die vielfältigen geometrischen und gesellschaftlichen Aspekte des „an·ecken“ zeigt die xpon-art gallery mit 16 künstlerischen Positionen. 

Mit Tabuthemen und heiklen gesellschaftlichen Grenzbereichen spart die Ausstellung dabei nicht. Andreas Hopfgarten und Arne Lösekann setzen sich in Video-Arbeiten auf teils sehr provokante Art und Weise mit der Problematik des wieder erstarkenden Nazitums auseinander. Von einer komplett konträren Seite aus agieren die Arbeiten von Gerald Chors – seine Polaroids, die gerade nicht anecken wollen, erregen damit umso mehr Aufmerksamkeit und stellen die Frage, wieweit „Political Correctness“ gehen kann und muss. Politisch geht es auch bei Petra Kilian zu. Anecken oder in der schweigenden Masse schwimmen? In ihrer Installation werden Fragen nach Freiheit und Demokratie gestellt. Wie schnell man gerade in der derzeitigen Terrorismusangst anecken kann und wie die ungreifbare Angst aus jedem Mitmenschen einen potenziellen Terroristen macht, zeigt die großformatige Malerei von Marcus Korell. Um die moralisch durchaus kantige Medienrealität geht es in der Arbeit von Florian Huber.

Weniger politisch aber nicht unbedingt für jedermann weniger anstößig sind die Fotos von Amit2.0, in welchen er die allgegenwärtigen „Penis-Grafitti“ ablichtet. Provokation oder inzwischen gewohnter Anblick? Ähnlich nackt aber ungewohnter für den Betrachter sind die Aktfotografien von Bert Koeck.

Dass Ecken jedoch auch durchaus harmonisch sein können, beweisen die aus unzähligen Ecken aufgebauten Werke von Frank Van Hoorn. Überraschend sind auch die Objekte von Gabriele Walter. Hier aus der einen Ecke ein skulpturales Formgespinst. Zum Objekt gerät die Ecke auch bei Erdmute Prautzsch – ausgehend von vielfachen Eckpunkten des Raumes verändert sie diesen und reizt die Ecken unserer Raumwahrnehmung aus.

Mit dem Raum spielt auch Lucie Kazda in ihrer Malerei – hier eckt nichts an, die Ecke generiert vielmehr einen Raum, der gerade durch seine Undefiniertheit besticht. Vom Raum zur Architektur zur kritischen Architektur – in seiner 1997 entstandenen Fotoserie porträtiert Helge Mundt den viel diskutierten Bau des Jüdischen Museums von Daniel Libeskind in Berlin, dessen dekonstruktivistischer Entwurf höchst zwiespältig aufgenommen wurde.

Mensch versus Natur oder „das Runde muss ins Eckige“ – die Objekte von Annette Bülow spielen formal und inhaltlich mit dem Aufeinanderprallen zweier Partien. Mit unzähligen Partien, aus denen sie – in bester Fortführung der surrealistischen Collage in der dritten Dimension – neue Wesenheiten entstehen lässt, arbeitet Monika Hahn.

Den Bogen zurück zur Provokation spannt die am Eröffnungsabend stattfindende Performance von Rolf Pifnitzka und Leonid Kharlamov. Wenn die Kunst denn heute noch zu provozieren vermag...

Teilnehmende Künstler:

Amit 2.0, Andreas Hopfgarten, Annette Bülow, Arne Lösekann, Bert Koeck, Erdmute Prautzsch, Florian Huber, Frank Van Hoorn, Gabriele Walter, Gerald Chors, Helge Mundt, Lucie Kazda, Marcus Korell, Monika Hahn, Petra Kilian, Rolf Pifnitzka und Leonid Kharlamov

Bild: Helge Mundt, VOID-05_2, 1997-2016, Fotografie auf Aludibond

 

Thematische Gruppenausstellung vom 27.10. – 27.11.2016
Öffnungszeiten: Samstag bis Dienstag, 18 - 21 Uhr (und nach Vereinbarung)

Sondertermin: kunsthistorisch inspiriertes Tresengespräch am 7.11. um 19 Uhr

Finissage: 27. November 2016, 11 – 16 Uhr


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