Theater der infamen Menschen

Mittwoch, 15. Juni 2016, 19:30
Theater CombinaleHüxstr. 115, 23552 Lübeck
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Eine Hilfsinszenierung für Normfixierte und Kontrollbesessene

Das „Theater der Infamen Menschen“ ist eine Kooperation zwischen der Agentur für Überschüsse /AfÜ, dem Verein N.E.MO, der Uni Lübeck und dem Theater Combinale.

Die AfÜ ist ein neurologisch-performatives Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Grenzbereich zwischen Bewegungsstörungen und performativen Präsentationsformen, also auch dem Theater, auszuloten. Sie besteht unter anderem aus dem Neurologen und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Alexander Münchau und dem Dramaturgen Hans-Jörg Kapp. Grundlage der geplanten Performance sind die „lettres de cachet“, von Arlette Fargue gesammelte und von Michel Foucault kommentierte Sammlung von Einweisungsbitten von Pariseer Bürgern des 18. Jahrhunderts. Das Projekt thematisiert in diesem Zusammenhang den Umgang mit Regeln und Normen im medizinischen Kontext und wirft die FRage auf: Sind wir heute tatsächlich soviel toleranter und aufgeklärter als die Bürger des vorrevolutionären Paris? Die Inszenierung versucht, Normverletzungen durch abweichendes Verhalten als Spiel, als Entwicklungsüberschuss, als „motorisches Rauschen“ aufzufassen und in Theater zu verwandeln. 

Die Versuchsanordnung:

Ein Theaterraum. Auf der Bühne befinden sich drei Personen: heutige Entscheidungsträger – Ärzte, Eltern. Ihre Rolle ist es, Machtinstanzen zu repräsentieren. Die Drei sprechen in einem professionell-verständnisvollen Ton über die jeweiligen Patienten. Im Hintergrund befindet sich der Tourette-Betroffene Daniel Weber, der mit ruhiger Souveränität aus Michel Foucaults Text über die „lettres de cachet“, die französischen Einweisungsbitten rezitiert. Auf Grund des Tourette wird seine Rezitation immer wieder von Tics unterbrochen – oftmals lauten und mitunter sozial unangemessenen Tics. Diese Tics greifen in den szenischen Ablauf ein, verändern ihn, verschieben die Perspektiven. Tics, die im Alltag eher irritieren, werden so zum bewußt gesetzten Spannungspol einer "Menschlichen Komödie" der etwas anderen Art.

Unterstützt und konterkariert wird die Szenerie von der Komponistin und Pianistin Ninon Gloger und der Sängerin Frauke Aulbert.

Dieses Projekt ist bereits das dritte, das die Agentur verwirklicht. Der spielerische Umgang mit der neurowissenschaftlichen Thematik und die Einbindung Betroffener hat zu einem großen Medien-Echo und positiven Zuschauerreaktionen geführt.

 



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