Lady Macbeth von Mzensk

Freitag, 1. April 2016, 19:30
Theater Lübeck – Großes HausBeckergrube 16, 23552 Lübeck
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Oper in vier Akten von Dmitri Schostakowitsch

Ein Shakespeare-Mythos wird umgedeutet: Lady Macbeth, die machtversessene, treibende Kraft hinter dem politischen Aufstieg des Königsmörders Macbeth, wird zur emanzipierten Kämpferin gegen eine Welt männlicher Unterdrückung. Schauplatz der Handlung ist nicht das mittelalterliche Schottland, sondern die russische Kleinstadt Mzensk zur Endzeit der zaristischen Herrschaft: Hier lebt Katerina als Frau des Kaufmannes Sinowi Ismailow ein zwar finanziell abgesichertes, aber unfreies und entfremdetes Leben. Sie, bislang kinderlos, wird vom patriarchalischen Schwiegervater Boris vor der Arbeiterschaft bloßgestellt, indem sie öffentlich ihrem schwächlichen und vaterhörigen Mann die Treue schwören muss, als dieser wieder einmal eine Geschäftsreise antritt. Ihr sozialer Platz in dieser rauen Kleinstadtwelt, in der Gewalt an der Tagesordnung ist, scheint unverrückbar. Die von ihr geforderte Aufgabe, endlich nach fünf Ehejahren einen Erben zu gebären, erfüllt sie nicht und muss sich vor der Perversion ihres dominanten Schwiegervaters schützen, der sich der jungen Schwiegertochter in der Absicht nähert, selber der Erzeuger des Nachwuchses zu werden. 

Dass es nicht zum Äußersten kommt, verhindert Sergei, neben dem schwachen Sinowi und dem rohen Boris der dritte bestimmende Mann in der Lebenswelt der Katerina: Sergei ist ein neueingestellter Arbeiter auf dem Hof der Ismailows, ein anziehender, ehrgeiziger Mann, der das Interesse Katerinas weckt und ihre Sehnsucht nach wahrer Liebe erspürt. Mit ihm wird sie versuchen, aus dem väterdominierten Machtsystem auszubrechen – allerdings mit gleichen Mitteln, mit Gewalt. Den Weg ihrer Emanzipation geht sie zusammen mit Sergei über Leichen, doch als sie ihn schließlich zum Herrn über den Hof machen möchte, gerät sie in Gefangenschaft. Als Zwangsarbeiterin, die nach Sibirien deportiert wird, verliert sie ihren letzten Lebenshalt: Sergei entlarvt sich als das, was er wirklich ist. 

Als eine tragische Satire hat Dimitri Schostakowitsch seine 1932 in Leningrad uraufgeführte »Lady Macbeth« nach der realistischen, jede idyllische Darstellung negierenden Novelle Nikolai Leswkos komponiert. Die derbe, unzensierte Sprache der Dichtung findet in der polystilistischen, mit Collagetechniken und scharfen Kontrasten durchsetzten symphonischen Musik Schostakowitschs ihre Entsprechung. Der herbe Realismus ist faszinierendes ästhetisches Programm, denn er schafft eine Möglichkeit zu distanzierter Reflexion: Wie lässt sich Schuld, Tragik und Mitleid neu denken anhand dieser letztlich gescheiterten Befreiungsgeschichte einer Frau an der Schwelle zur Moderne?
 
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
 
Einführung 19.00 Uhr im Mittelrangfoyer
 
Foto © Jochen Quast


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