Albumcover: Thad Fiscella - Love Without Words

Playlist für den Herbst
Zwischen Sehnsucht und Geborgenheit

Jennifer BalthasarVon

Der Herbst ist die Jahreszeit der ambivalenten Gefühle: Sehnsucht, Melancholie, Geborgenheit und Vorfreude auf die Weihnachtszeit. Für viele Menschen ist Musik zum Ausgleich jetzt besonders wichtig. Die folgende Playlist bietet den passenden Soundtrack.

Sehnsucht

 „Summer Moved On“, der Sommer ist vorüber und mit ihm die Sommerliebe. Morten Harket, Sänger der norwegischen Pop-Band a-ha, hat mit diesem Song zur Jahrtausendwende nicht nur den Rekord für die am längsten gehaltene Note in den UK-Top-40-Charts aufgestellt (20,2 Sekunden). Durch den Einsatz von Streichern bekommt die Ballade auch einen klassischen Touch. Sehnsuchtsgefühle pur.

a-ha: Summer Moved On aus dem Album Minor Earth, Major Sky, WEA Records/Warner Music, 17./18. April 2000, Amazon, iTunes

Besinnung

 Jeder Mensch hat wohl einen Sehnsuchtsort, zu dem er sich hingezogen fühlt. Der bloße Gedanke an diesen Ort hilft, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Einer dieser Orte ist „Cape Clear“, die südlichste bewohnte Insel Irlands. Sheila Larkin hat die gleichnamige Volksweise in eine moderne Klavierballade verwandelt.

Sheila Larkin: Cape Clear aus dem Album First Light, Narada, 1996/2006, Amazon, iTunes

Selbstfindung

 Exzentrisch, unerschöpflich, etwas verrückt. Es gibt vieles, was man über Tori Amos sagen kann, und durchaus Widersprüchliches. Auf ihrem aktuellen Album „Native Invader“ geht es um unser Verhältnis zur Natur, den Weg zu uns selbst und den weisen Rat des „Reindeer King“. Die mystischen Herbstklänge hypnotisieren.

Tori Amos: Reindeer King aus dem Album Native Invader, Decca (Universal), 08. September 2017, Amazon, iTunes

Freude und Melancholie

 Herbstzeit ist Erntedankzeit. In den USA ist „Thanksgiving“ das wichtigste Familienfest. Erstaunlich, dass zwei in Amerika lebende Komponisten die Stimmung so unterschiedlich wahrnehmen. Allerdings liegen auch mehr als 20 Jahre zwischen ihren Versionen. Peter Katers Klavierballade ist fröhlich, die von George Winston sehr melancholisch. Beide sind auf ihre Weise treffend.

Peter Kater: Thanksgiving aus dem Album Piano, Point Of Light, 2003/2006, AmazoniTunes 

George Winston: Thanksgiving aus dem Album December, Dancing Cat, 1981/2010, AmazoniTunes

Einsamkeit

 Nicht nur Beziehungsgründe machen einsam. Wenn man vergeblich am nassen, zugigen Bahnsteig wartet und der Express einfach nicht kommen will, kann man sich auch ziemlich verlassen fühlen. Man muss eine Entscheidung treffen, so wie Synje Norland in „The Lonesome Side“.

Synje Norland: The Lonesome Side aus dem Album Skipping Stones, Norland Music, 20. Juli 2007, AmazoniTunes

Selbstbehauptung

 Die Natur sammelt ihre Kräfte, Bäume werfen ihre Blätter ab. Für uns ist es Zeit, die ein oder andere Beziehung auf den Prüfstand zu stellen und sich von unrealistischen Hoffnungen und Träumen zu verabschieden, so wie Fiona Apple in „Paper Bag“. Das Bild von der Papiertüte im Wind könnte nicht besser zum herbstlichen Wetter passen.

Fiona Apple: Paper Bag aus dem Album When the Pawn Hits the Conflicts He Thinks Like a King ..., Epic (Sony)/Clean Slate, 1999/2007, AmazoniTunes 

Hingabe

 Die Tage werden wieder kürzer und die Zeit, die wir in Haus und Wohnung verbringen, länger. Eine gute Gelegenheit, sich seinen persönlichen Leidenschaften zu widmen, sei es Malen, Tanzen, Backen oder die Modelleisenbahn im Keller. Thad Fiscella wählte für „Devotion“ das Klavier.

Thad Fiscella: Devotion aus dem Album Love Without Words, Thad Fiscella, 31. August 2010, AmazoniTunes 

Geborgenheit

 Die besten Mittel gegen Herbstdepression sind Zuneigung und Geborgenheit. Freunde einfach mal in den Arm nehmen, auch wenn sie sich vielleicht wundern und wie die britische Band Skinny Living fragen: „Why?“ Die Akustik-Version ihres Titels bringt noch mehr Nähe mit als die offizielle Single-Fassung.

Skinny Living: Why (Acoustic) – Single, Sony, 23. Juni/07. Juli 2017, Amazon, iTunes

Faszination

 Naturschauspiele gibt es jetzt viele zu beobachten. Angefangen beim Indian Summer mit seinen leuchtenden Farben über mysteriös wirkende Nebelschwaden bis zu heftigen Stürmen. In „Oltremare“ zeichnet Pianist Ludovico Einaudi die verschiedenen Erscheinungsformen des Ozeans nach, von ruhig bis aufbrausend, mit meterhohen Wellen oder als sanfte Brandung, die zarte Schaumkronen bildet.

Ludovico Einaudi: Oltremare aus dem Album Divenire, Decca (Universal), 01. Januar 2006 sowie dem Doppel-Album Islands – Essential Einaudi, Decca (Universal), 01. Januar 2011, Amazon, iTunes  

Jennifer Balthasar
Jennifer Balthasar
Publizistin M.A., Magisterstudium der Publizistik, Psychologie und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Freiberuflich tätig in den Bereichen Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation. Ihre Schwerpunkte bei „unser Lübeck“ sind moderne Klaviermusik, Alte Musik, Weltmusik und Crossovers sowie klassischer und moderner Tanz.
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