Foto: Holger Kistenmacher

Helge Schneider in der MuK
Amazonas-Durchquerung mit Zitteraal und Piranhas - aber ohne Kamm

Die singende Herrentorte und selbsternannter Klimper-Clown Helge Schneider aus dem Ruhrpott gab sich letzte Woche die Ehre, in der Lübecker Musik- und Kongresshalle seine aktuelle Show „Ellebogen vom Tich!“ zu präsentieren. Der Komiker, Filmemacher, Schauspieler, Autor und hervorragende Multi-Instrumentalist war mal wieder bestens aufgelegt, obwohl ihm vom vielen Marzipan-Essen total schlecht war, wie er am Anfang seiner Show ausplauderte.

Dafür hatte er sich aber schick gemacht mit blauem Anzug, überdimensionierter rosa Krawatte, seinen typischen Plateau-Stiefeletten und Einstecktuch. Begleitet wurde er wie üblich von seiner Tour-Band aus Sandro Giampietro an der Gitarre, Leo Richartz (unser Jüngster) am Kontrabass, Thomas Alkier (unser Ältester) und dem ewigen Side-Kick und Teekoch Bodo Österling in schicker roter Zirkus-Uniform, der diesmal sogar „Katzenklo“ singen durfte.

Sandro Giampietro (Gitarre), Leo Richartz (Kontrabass) und Thomas Alkier (Schlagzeug)Sandro Giampietro (Gitarre), Leo Richartz (Kontrabass) und Thomas Alkier (Schlagzeug)

Aber jetzt von Anfang an. Helge legte los mit dem Stück „Der Tanz auf dem Vulkan“, das er eigentlich für Roland Kaiser geschrieben hat, der aber nicht kommen konnte. Ein Liebeslied mit Gitarren-Solo und Gänsehaut-Effekt, wie Helge befand, allerdings am Sack. Die zweite Nummer hat er angeblich schon mit 15 Jahren geschrieben, als er noch Lehrling war mit 35 Mark Lehrlingsgehalt, witzelte der Komiker aus Mühlheim. Geschrieben für Roy Kabel: „Es hat gefunkt heut Nacht“, eine rockige Nummer, zu der Helge eine wilde Tanzeinlage beisteuerte.

Überhaupt war er viel unterwegs auf der Bühne, Grimassen schneidend tänzelte er über das Parkett. Nur wenn er zu tief in die Knie ging, musste ihm Bodo zur Hand gehen und ihn wieder aufrichten. Nun ja, mit 71 Jahren an Alter darf man auch mal Schwächen zeigen im Gelenk. Und darauf einen Pfefferminz-Tee.

Ein weiteres Liebeslied handelte von Abschied, Einsamkeit und verpatzter Liebe. „Du bist gegangen, du alte Sau. Dabei ist der Kasten Bier auf dem Balkon doch schon fast leer, den du sonst immer von Lidl nach Hause trägst, während ich die Burda Heim bringe. Neid ist kein guter Faktor für eine Beziehung“. Dann folgte im Text der Vergleich mit der 300 Jahre alten Schildkröte, vor allem am Hals und andere Beschimpfungen, die nicht gerade für eine schöne Liebes-Beziehung sprechen. Die absurde Auflösung folgte natürlich ganz am Ende des Stückes: „Komm zurück Mutter!“

Helge plauderte, wechselte die Instrumente von Klavier über Trompete namens Elke, Saxophon, Xylophon hin zur Pan-Flöte und großer Bongo-Trommel. Wie immer bewies er, dass er eigentlich ein sehr guter Jazz-Musiker ist, der nebenbei jede Menge absurden Blödsinn von sich gibt. Wie beim Lied mit Hut über Texas oder dem nächsten Song direkt aus dem Leben „Love on the Couch“. Eine Anleihe an frühe Jugendzeiten mit ersten Kussversuchen auf der elterlichen Cordcouch bei sturmfreier Bude und Erdnuss-Flips, dem Geschmack der Liebe. Hat natürlich nicht geklappt, obwohl Klein-Helge extra im Keller an dem laubgesägten Holzmund Zungenküsse geübt hatte. „Erste Liebe ist eben, wie Ficken ohne Frau, Backen ohne Mehl, Stricken ohne Nadeln und ähnliche Fiesematenten“, resümiert der Spaßbold.

Dann spielte er lieber ein Trompeten-Solo mit Äffchen-Handpuppe aus dem Osten. Dazu sang er über die Trompeten von Mexico, die zu Kaffee und Kuchen einladen und glasiertem Meerschwein. Noch vor der Pause spielte er dann seinen Hit „Fitze, Fitze Fatze“ am Xylophon, während das Publikum lauthals mitsang und schunkelte.

Der zweite Teil der Show begann instrumental und klang nach Jazz-Nachtclub mit Trompete und Saxophon, weil ja früher seine Oma mit Louis Armstrong zusammen war, wie er frech behauptete, bevor sie auf Peter Alexander umgeschwenkt sei. Dann kam er vollends ins Plaudern und berichtete aus Brasilien, wo er einst ja angeblich im Urwald abgestürzt sei und nur überlebt habe, weil er die halbe Familie aufgegessen hätte. Und der Amazonas, den er nur in Dreiecks-Badehose in Schlamm-Farbe schwimmend durchquert habe, nicht seine übliche quietsch-bunte, wie Olivia Jones, sondern so, dass der Zitteraal und die Piranhas ihn nicht sofort erkennen könnten. Allerdings kurz vor dem anderen Ufer musste er leider umkehren, weil er seinen Kamm vergessen hatte. „Wer will schon ungekämmt da drüben ankommen?“

Dann gab es weiteren Blödsinn über Schabracken-Tapire und eine riesige Anaconda, die ihn fast erwürgt hätte, die er aber durch reine Muskelkraft in 1000 Stücke zerriss, wobei ein Typ mit Handy am Ohr zum Vorschein kam. „Der stand halt in der Schlange“. Als weitere Songs gab es dann noch den „Wurstfachverkäuferin“ und „Hunderttausend Rosen schick ich dir“. Was natürlich nicht fehlen durfte war das Katzenklo-Lied, diesmal mit neuer Strophe und singendem Side-Kick Bodo und grölendem Publikum. Zum Schluss improvisiert Helge dann noch an der Gitarre ein Weihnachtslied und verlor sich grinsend mal wieder im Solo.

Als Zugabe nuschelte er dann noch allein am Klavier im Lindenberg-Stil von der „Pommessbude“, wo die Schale Pommes 1000 Mark kosten, was aber nur ein böser Traum war. Dann war aber tatsächlich Schluss, und das Volk strömte bester Laune und mal wieder gut unterhalten raus in den kalten Abend.

Fotos: (c) Holger Kistenmacher

Holger Kistenmacher
Holger Kistenmacher
Freischaffender Journalist seit gut 30 Jahren, studierter Realschullehrer, psychosozialer Betreuer, ambitionierter Fotograf und Kulturschreiber mit den Fachgebieten: Moderne Gegenwartskunst, Literatur, Musik zwischen Jazz und Rock, Nordische Filme, Moderner Tanz. Weltenbummler und Reisejournalist.

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