2. Sinfoniekonzert: Ernsthafte Scherze der neuen und alten Welt

Sonntag, 28. Oktober 2018, 11:00
Musik- und Kongresshalle – MuKWilly-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck
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Charles Ives (1874-1954)
Variations on »America« (arrangiert von William Schuman)

Samuel Barber (1910-1981)
Violinkonzert op. 14

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93


Ist das ernst gemeint? Bei den drei Werken dieses Programms haben sich deren jeweilige Schöpfer eindeutig amüsiert, wie zum Beispiel Charles Ives, der 1891 mit siebzehn Jahren seine »Variations on ›America‹« komponierte. Ist man zu Beginn etwas erstaunt, im Thema die Klänge von »God Save the Queen« zu erkennen, so steigert sich das Vergnügen mit jeder der fünf Variationen, bis hin zur grandiosen Coda. Tatsächlich wurden auf die bekannte Melodie nicht nur diverse Kaiser- und Nationalhymnen gesungen (von »Heil dir im Siegerkranz« über das Schweizer »Heil dir, Helvetia« bis zum »Molitwa russkitsch« des russischen Zarenreichs), sondern auch das Lied »My Country, ’Tis of Thee«, das in Ives’ Jugend eine Art inoffizielle Nationalhymne Amerikas war. Ursprünglich für Orgel komponiert, machen die Variationen nach Ives’ eigener Aussage »fast so viel Spaß wie Baseball spielen«. Erst recht in der großen Orchesterfassung von Ives’ Landsmann William Schuman!

Wie ein Scherz mutet auch die Entstehungsgeschichte von Samuel Barbers Violinkonzert an: In Auftrag gegeben wurde es 1939 von Samuel Fels, der sein Vermögen aus dem Waschmittelhandel gern in philanthropische Zwecke investierte und daher 1939 bei Barber ein Konzert für den brillanten russischen Geiger Iso Briselli bestellte. Angeblich – hier gehen die Berichte auseinander – fanden Briselli oder aber sein Lehrer die ersten beiden Sätze für einen modernen Geiger nicht virtuos genug, woraufhin Barber im dritten Satz umso atemberaubendere Wendungen einbaute. Über diesen dritten Satz wiederum äußerte sich Briselli höchst enttäuscht, nicht etwa, wie es oft heißt, weil dieser ihm nun zu schwierig oder gar unspielbar vorkam, sondern weil er nach seiner Auffassung nicht zu den ersten beiden Sätzen zu passen schien. Trotz mehrfacher Gegenvorschläge hielt Barber jedoch an seinem Werk fest, und Briselli zog sich aus dem Unternehmen zurück. Uraufgeführt wurde das Konzert 1941 von Albert Spalding; mittlerweile zählt es mit seinem spätromantischen Charakter vor allem in Amerika zu den beliebtesten Stücken des Repertoires.

Beethoven seinerseits gönnte sich in seiner Sinfonie Nr. 8 den Spaß, anstelle eines langsamen Satzes ein heiteres Allegretto zu schreiben, das zudem einen Kanon zu Ehren des Erfinders des Metronoms, Johann Nepomuk Mälzel, zitiert. Das gesamte Werk spielt mit dem Metrum, mit Versetzungen der Akzente und scheinbarem Stolpern des Orchesters, weshalb man lange Zeit Beethovens Tempoangaben für falsch hielt. Ein musikalischer Scherz eben.

Dirigent: Marco Comin
Violine: Sophia Jaffé


Foto © Olaf Malzahn

Einführung für Konzertbesucher eine Stunde vor Konzertbeginn in der MuK.


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Do. | 19:30 | Theater Lübeck – Großes Haus

Fr. | 19:00 | Europäisches Hansemuseum

Sa. | 19:00 | Europäisches Hansemuseum

Mi. | 19:00 | Musik- und Kongresshalle – MuK