Musiktheater - Die Gespenster sonate

Sonntag, 23. Mai 2021, 18:00
Theater Lübeck – Großes HausBeckergrube 16, 23552 Lübeck
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Wie würde wohl der Blockbuster »Und täglich grüßt das Murmeltier« als expressionistischer, als absurder Film aussehen? Und wie würde sich die Filmmusik dazu anhören? Aribert Reimann weiß es. Zugleich fragt man sich, wie wohl Filme wie »Shining«, »Psycho« oder »Das Schweigen der Lämmer« ausgesehen hätten, wenn die Protagonisten ohne Sprache hätten auskommen müssen. Wenn nur die Filmmusik zum Verständnis des Unverständlichen hätte beitragen können. Aribert Reimann weiß es.

In der »Gespenstersonate« nach August Strindbergs gleichnamigen Schauspiel steht die Sprachlosigkeit im Vordergrund: Eine morbide Gesellschaft kommt seit vielen Jahren zum Essen zusammen. Der Ablauf ist immer derselbe. Schweigend vollführt man die immer selben Rituale. Eines Tages wird alles anders, als einer versucht, die Verwirrung aller zu entwirren – und doch ist alles zu verworren, um es zu entwirren. Auch das Okkulte und Mystische steht in der »Gespenstersonate« im Vordergrund. Die Welt wird nicht mehr nach den Prinzipien von Kausalität und Logik abgebildet, sondern folgt einer höheren, metaphysischen Logik. In ihr walten Mächte, die wirklicher erscheinen, als die Mächte dieser Welt. Die Sprachlosigkeit der Teilnehmer des Gespenstersoupers sind dafür eindrückliche Symbole. Dort, wo das Schweigen, die Sprachlosigkeit einsetzt, kommt die Ausdrucksmöglichkeit der Musik voll zur Geltung.

Nach Kafka ist Kunst und sind Bücher nicht dazu da, uns glücklich zu machen. Im Gegenteil glaubte er, dass »ein Buch die Axt sein muss für das gefrorene Meer in uns.« Strindbergs und Reimanns »Gespenstersonate « ist ohne Zweifel eine Axt dieser Art.

»Mich überkommt zuweilen ein rasendes Verlangen, alles zu sagen, was ich denke, aber ich weiß, dass die Welt einstürzen würde, wenn man wirklich aufrichtig wäre.« (Der Student) Ich glaube in der Kunst kann und muss man diesem Verlangen nachgeben und alles sagen und dabei aufrichtig und schonungslos sein. Sonst stürzt die Welt in ein gefrorenes Meer. (Julian Pölsler)

 

Foto: Olaf Malzahn


Fr 21/05/21 | 19.30 Uhr Premiere
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So 23/05/21 | 18.00 Uhr Premiere +
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Abo: MT.1+

Fr 04/06/21 | 19.30 Uhr
Großes Haus


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