Wessam Alotba – Syrische Portraits

Freitag, 21. August 2020, 15:00 - 18:00
Kunsttankstelle Defacto ArtWallstraße 3-5, 23560 Lübeck
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„Ich möchte den Krieg nicht malen, sondern lieber was Schönes“, sagt Wessam Alotba. Der 17-Jährige floh vor zwei Jahren mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland. Seither malt er. Auch, um zu vergessen. „Als ich nach Deutschland kam, konnte ich mit niemanden reden, weil ich die Sprache nicht konnte. Mir war oft langweilig“, erzählt Wessam Alotba. Die Sprache hat er inzwischen gelernt, spricht fast fehlerfrei Deutsch. Seine Schwester gab ihm den Tipp zu malen. „Ich fing an und merkte: Das ist es.“Am liebsten malt der Teenager Porträts. Wessam zeigt das Bild einer Frau.Ihre dunklen Augen sind voller Trauer. Sie hat einen Strick um den Hals. „Das ist eine Frau, die im Syrien-Krieg ihre vier Kinder verloren hat“, erklärt Wessam Alotba. Das Bild habe er in einer Zeitung gesehen und abgemalt. Das Motiv aus dem Krieg ist allerdings die Ausnahme. Wessams Bilder sind bunt, voller Leben, wie eine Absage an den Krieg: Ein Tango tanzendendes Paar, die Frau mit den Zöpfen, der Braunbär, der den Eisbärküsst, ein Stillleben mit Weinglas. Es sind Bilder, die sich durch außergewöhnliche Präzision auszeichnen. „Wessam hat ein außerordentliches Talent“, sagt Peter Fischer, Vereinsvorsitzender von Defacto Art. „Deshalb haben wir uns entschieden, seine Bilder zu zeigen.“ Er dürfte der wohl jüngste Maler sein, der jemals in der Kunsttankstelle ausgestellt hat.

Wessam Alotba wurde am Persischen Golf in Kuwait geboren. „Mein Vater ist Syrer, wollte zu seinen Eltern. Deshalb zogen wir im Oktober 2010 nach Syrien.“ Kaum hatte sich die siebenköpfige Familie – Wessam Alotba hat zwei Schwestern und zwei Brüder – in Aleppo niedergelassen, begann 2011 der Bürgerkrieg in Syrien. Sein Vater verlor seinen Job als Wachmannin einem Möbelhaus, die Mutter ihre Stelle als Lehrerin. „Plötzlich war der Krieg da. Und alles war anders. Ich habe Menschen gesehen, die vor mir gestorben sind“, erzählt Wessam Alotba und schweigt einen Moment. Erst, wenn man vorsichtig nachfragt, erzählt er weiter. „Alle schrien, die Menschen liefen weg, einige versteckten sich.“ Dann schweigt er wieder. Es ist ihm anzumerken, dass er nicht gerne darüber redet, was er erlebt hat. Zuerst sei sein Vater mit seinen beiden Schwestern nach Deutschland geflohen. „Es wäre zu teuer geworden, wenn wir alle zusammen geflohen wären.“ Zu Fuß seien der Vater und die Schwestern gegangen. Über zwei Monate seien sie unterwegs gewesen. Ein paar Monate später kamen Wessam, seine Mutter und die beiden Schwestern nach Deutschland.

„Wir gingen zehn Stunden zu Fuß in die Türkei, wo wir bei Verwandten unterkamen. Nach ein paar Wochen flogen wir von Istanbul nach Hamburg.“ Inzwischen wohnt Wessam Alotba mit seinen Eltern und Geschwistern in Sereetz. Er geht in die 11. Klasse der Gesamtschule. „Meistens male ich nachts, weil ich viel für die Schule lernen muss.“ Abitur will er machen, um Arzt oder Apotheker zu werden. Malen will er weiter. 

 

20. bis 23. August 2020
Do bis Fr 15-18 Uhr Sa und So 11-16 Uhr
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