Vögel von Wajdi Mouawad

Mittwoch, 6. Mai 2020, 20:00
Theater Lübeck – KammerspieleBeckergrube 16, 23552 Lübeck
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»Nicht die Wahrheit blendet Ödipus,
sondern die Geschwindigkeit,
mit der er sie erfährt.«
 
Was prägt die eigene Identität? Ist es möglich Zugehörigkeitsgrenzen zu überschreiten? Kann Liebe eine Brücke sein? Was ist für das eigene Ich, das eigene Wesen, wichtiger: die Gene oder die Umgebung? Was macht gesellschaftliche Gewalt mit der individuellen Psyche?

In seiner großen Welt- und Theatererzählung »Vögel« stellt der libanesisch-kanadische Autor Wajdi Mouawad existenzielle Fragen anhand einer komplexen Familiengeschichte. Wahida, arabischstämmige Amerikanerin, und der in Berlin geborene Eitan mit jüdischen Wurzeln begegnen sich in einer New Yorker Bibliothek und verlieben sich ineinander. Zufall oder Schicksal? Als Eitan Wahida seinen Eltern und seinem Großvater vorstellen will, geraten die familiären Strukturen und Gewissheiten ins Wanken. Vater David, gebürtiger Israeli und überzeugter Zionist, empfindet die Beziehung seines Sohnes zu einer »Araberin« als Verrat, ja, als Auslöschung des Judentums. Eitan habe, so David, eine genealogische Schuld seinem Großvater gegenüber, der dem Holocaust nur knapp entkommen ist. Mutter Norah bittet Eitan darum, mit seiner grenzüberschreitenden Liebe nicht die Familie zu sprengen. Einzig der Großvater Etgar stellt sich auf Eitans Seite. Enttäuscht von der Reaktion seiner Eltern begibt sich Eitan auf die Suche nach seiner Identität und stößt auf verborgene Familiengeheimnisse, die ihn nach Jerusalem führen. Dort gerät er zusammen mit Wahida in einen Strudel politischer und persönlicher Ereignisse, die sein Leben in Gefahr bringen und das Bild, das er sich von sich selbst und seiner Familie gemacht hatte, erschüttern.

Mit raffinierten Rückblenden und Zeitsprüngen nimmt Mouawad auch Bezug auf historische und aktuelle Ereignisse des Nahost-Konflikts und verfolgt die Blutspur, die sich durch die Geschichte zieht. Klug konstruiert, metaphernreich erzählt und mit feinsinnigen Anspielungen auf Shakespeares »Romeo und Julia« hat er ein vielschichtiges Familienepos geschrieben, ein vertracktes Theaterstück, in dem es nicht die eine Wahrheit gibt.
 

Achtung Vorstellungsänderung!

Vorverlegter Termin vom 09/05/20.

Mi
06/05/20
20.00 Uhr
Kammerspiele

Do
28/05/20
20.00 Uhr
Kammerspiele


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