Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck 7.Sinfoniekonzert – Oper konzertant

Sonntag, 19. April 2020, 18:00
Musik- und Kongresshalle – MuKWilly-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck
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Andreas Wolf, Dirigent; Solistinnen und Solisten des Theater Lübeck

Alexander Zemlinsky (1871-1942) – „Der Kreidekreis“ op. 21, Oper in drei Akten; Libretto von Klabund

 

Salomonisch heißt ein Urteil, wenn es besondere Weisheit verrät. Jedenfalls heißt es dort so, wo das Buch der Könige als Bestandteil des Tanach oder des Alten Testaments von Bedeutung ist: Salomon ist der Richter, der ein Kind derjenigen zweier streitender Frauen zuspricht, die es lieber der anderen überantwortete, als es in zwei Teile zerteilen zu lassen. Einen verwandten Stoff kennt die chinesische Literatur im „Hui-lan chi“ (Der Kreidekreis) des Dichters Li Xingdao aus dem 13. Jahrhundert. In Übersetzung wurde das Stück Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa bekannt; der Dichter Klabund verwendete es 1924 als Vorlage für sein Schauspiel „Der Kreidekreis“. Bertolt Brechts Pointierung der Frage, ob Blutsverwandtschaft oder soziale Bindung zur größeren Mutterliebe führt, gab 1944 der Stoffgeschichte in seinem „Kaukasischen Kreidekreis“ eine neue Wendung.

Zemlinskys Oper „Der Kreidekreis“ entstand in den Jahren 1930 bis 1932 und stützt sich ganz auf Klabunds Dichtung. In einer sinnreichen und wirkungsvollen Stilmischung vom spätromantisch schwelgenden Klang über alle Formen des melodramatischen, rezitativischen und klaren Sprechens bis hin zu Einsprengseln von Jazz zieht Zemlinsky den Hörer in eine Geschichte, die anhand zweier unterschiedlich verlaufender Gerichtsverhandlungen zunächst die Grausamkeit einer ungerechten Machtausübung vor Augen führt, um dann im utopischen Schluss die Vision einer rationalen, humanen Welt aufscheinen zu lassen. Die für April 1933 geplante Mehrfachuraufführung in Berlin, Köln, Frankfurt, Nürnberg und Stettin wurde im März 1933 allerdings zerschlagen; Wien sprang ein – für das Werk wie für Zemlinsky, der seine Position an der Krolloper Berlin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ. Im neu enthemmten Jargon einer antimodernistischvölkischen Musikkritik konnte er wenige Monate später in der Zeitschrift „Die Musik“ die Diagnose nachlesen: „Zemlinsky ist hier der Wolf im Schafspelz, der unter dem Deckmantel eines seriösen Komponisten jene Musik wieder einzuschmuggeln sucht, deren Führer (Schönberg, Schreker) endlich Deutschland verlassen haben.“ Wir freuen uns darauf, das Schafsfell erneut zu lüften.

Einführungen für das Konzertpublikum finden eine Stunde vor Konzertbeginn statt.

 

Veranstalter: Theater Lübeck

Karten gibt es im Vorverkauf für 32,90 € bis 63,70 € inkl. Vvk-Gebühren bei tips&TICKETS und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Informationen zu den Abonnementreihen finden Sie hier.

Copyright: Olaf Malzahn


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