Christophe Colomb Oper von Darius Milhaud (1892–1974) Libretto von Paul Claudel (1868–1955)

Freitag, 10. Januar 2020, 19:30
Theater Lübeck – Großes HausBeckergrube 16, 23552 Lübeck
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(Uraufführung 1930)
Lübecker Erstaufführung
In deutscher Sprache

»Da es in einer Welt, die nicht mehr viel weiter globalisiert werden kann, kein … noch so weit entferntes Ziel (gibt), zu dem man reisen könnte, bleibt nur noch das Zwischen, um neue Ressourcen zu entdecken ...«
François Jullien. Es gibt keine kulturelle Identität.
Paris 2016/Berlin 2017. (vgl. S. 52/»Magazinseiten«)


Kolumbus (1451 Genua – 1506 Valladolid) – Stoff für eine Heiligenlegende oder einen Horrorfilm? Hinter Darius Milhaud lag in den 1920er-Jahren bereits ein längerer Brasilien-Aufenthalt und mit »Le boeuf sur le toît« war ein Werk entstanden, das aus brasilianischen Rhythmen, Volksmusik der Provence und Jazz einen unerhörten Klang raum schuf.

Viele Szenen seiner Oper »Christophe Colomb« bringen den Abstand zwischen Europa und Amerika – den Ozean – zur Sprache. Wir erleben Gottheiten der seit dem 16. Jahrhundert unterdrückten Kulturen Südamerikas – sie fürchten die Ankunft dieses Mannes. Dieser Kolumbus kann sich auch als Herrscher über Gottheiten fühlen, von denen der historische Kolumbus auf See- und Landwegen noch nichts gehört haben dürfte, weil sie erst im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts zu unverstandenen Feindbildern in den Augen europäischer Eroberer und ihrer gewaltsamen missionarischen Bestrebungen wurden. Von 1501 bis 1866 sollten mehr als 15 Millionen Menschen aus diversen Regionen des afrikanischen Kontinents versklavt und nach Amerika deportiert werden, um dort für Europa und »die Welt« Exportware zu produzieren – und selbst »Exportware« zu sein.

Heiligenlegende und Horrorfilm? Vor allem in der Kombination von Musiktheater und filmischen Bildern stellte das Werk bei seiner Uraufführung an der Staatsoper Berlin 1930 einen Meilenstein dar. Elemente des epischen Theaters Bertolt Brechts, polytonaler Musik ebenso wie musikalische Überwältigungsstrategien machen erlebbar, wie »die Moderne« allem Anschein nach neue Horizonte eröffnen und gleichzeitig alten kolonialistischen Denkmustern verhaftet sein kann. Wie kein anderes Werk der 1920er-Jahre macht es Widersprüche und Möglichkeitsräume eines 20. Jahrhunderts erfahrbar, die auch 2019/20 noch bestehen.
 
 
Nach der Vorstellung am 10. Januar findet ein öffentliches Gespräch mit dem Regisseur Milo Pablo Momm und Carsten Jenß statt. Die Gespräche widmen sich Fragen, die sich im Zeitalter des Post-Kolonialismus stellen.
Die Veranstaltung ist kostenlos. Auch Besucher*innen, die nicht der Vorstellung beigewohnt haben, sind herzlich zum Gespräch eingeladen, das jeweils gegen 22.00 Uhr stattfindet.

Vorab findet jeweils um 19.00 Uhr eine Einführung zu der Oper im Mittelrangfoyer mit den jeweils an den Tagen anwesenden Gesprächspartnern statt.


Foto © Jochen Quast
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