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Die Geburtsstunde der Chemie als Wissenschaft

Dienstag, 12. November 2019, 19:00
Museum für Natur und UmweltMusterbahn 8, 23552 Lübeck
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Vom Diamanten für die Wissenschaft, Professorenklecksen und einem neuen Feuerzeug mit Prof. Dr. Peter Swidersky

Am Anfang war das Feuer und die Menschen setzten das erste Mal eine Reihe von komplexen chemischen Reaktionen in Gang, die bis heute überall auf der Welt ständig durchgeführt werden. Es wird gekocht, gebacken und gebraten. Der Grund hierfür ist einfach, denn gebraten schmeckt Fleisch einfach besser und Pommes Frites stehen höher im Kurs als rohe Kartoffeln.
Es dauerte aber sehr lange, bis diesen Vorgängen chemische Abläufe zugeordnet werden konnten. Erst über eine Million Jahre später wurden Reaktionen, die beim Braten und Backen stattfinden, nach dem französischen Chemiker Maillard benannt, der ab 1912 eine Studie zur Reaktion von Aminosäuren und Zuckern durchführte.
Chemische Reaktionen wurden bereits in der Antike und im Mittelalter durchgeführt. Im 13. Jahrhundert wurde zum Beispiel Schwarzpulver von Chinesen bereits militärisch genutzt. Die Chemie als Wissenschaft vom Aufbau, den Eigenschaften und den Umwandlungen von Stoffen entwickelte sich aber erst sehr viel später. Man kann der “Geburtsstunde der Chemie als Wissenschaft“ etwa den Zeitraum zwischen 1650 und 1850 zuordnen.
Nach einem kurzen Rückblick auf die Chemie in Altertum, Antike und Mittelalter springt der Vortrag in den spannenden Zeitraum der “Geburtsstunde“, und es werden einige der großen Pioniere in der Chemiegeschichte aus dieser Zeit vorgestellt.
Die erste chemische Produktionsstätte wurde 1655 von Johann Rudolph Glauber in Amsterdam gegründet, auch wenn die Zusammenhänge von chemischen Reaktionen im heutigen Sinne noch nicht bekannt waren. Mit der Entdeckung des Wasserstoffs 1766 durch Henry Cavendish und den Arbeiten von Antoine Laurent de Lavoisier, der 1772 das Gesetz zur Erhaltung der Masse bei chemischen Reaktionen formulierte, setzte eine rasante Entwicklung der Chemie zur Wissenschaft ein, die vor allem in England, Frankreich, Deutschland und Schweden vorangetrieben wurde. 1799 wurde die Royal Institution gegründet, an der Sir Humphry Davy und sein Assistent Michael Faraday arbeiteten. Es war die Zeit des großen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt, in der viele Naturphänomene entdeckt und erforscht wurden. Die beiden englischen Naturforscher Davy und Faraday lieferten sich mit dem französischen Wissenschaftler Joseph Louis Gay-Lussac einen erbitterten Wettstreit in Sachen “Neuentdeckungen“. Doch auch in Deutschland gab es große Pioniere der Chemiegeschichte. Dem Apotheker Carl Wilhelm Scheele gelang es bereits 1772 Sauerstoff herzustellen. Er entdeckte zudem viele organische Säuren in Naturstoffen und die nach ihm benannte grüne Farbe.
In den Fußstapfen der großen Chemiepioniere in Deutschland gelangt der Vortrag auch in die Hansestadt Lübeck. Hier weilte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge, dessen Doktorvater 1823 das berühmte Döbereiner Feuerzeug erfand. Dem deutschen Chemiker Friedrich Wöhler gelang 1828 mit der Harnstoffsynthese die vis vitalis Theorie zu widerlegen. Begeistert teilte Wöhler diese Entdeckung dem bekannten Professor Jöns Jakob Berzelius in Schweden mit, bei dem er einst studierte. Wöhler pflegte auch einen regen Austausch mit seinem Kollegen Justus von Liebig, der als Professor in Gießen arbeitete. Liebig entdeckte das Chloroform, verbesserte die Elementaranalyse, leistete einen immensen Beitrag für die Entwicklung der Landwirtschaft und entwickelte 1853 einen Fleischextrakt. Liebigs Experimentalvorlesungen nach dem Gießener Modell wurden später an vielen deutschen Universitäten eingeführt. Mit Liebig endet der erste spannende Zeitraum der Entwicklung der Chemie als Wissenschaft.
Am Ende des Vortrags wird noch ein kurzer Überblick einiger Stützen der modernen Chemie gegeben, die im 20 Jahrhundert entwickelt wurden.
In einem abschließenden Experiment wird man einige Aspekte aus dem Vortrag wiederfinden.

Gemeinsame Veranstaltung vom Naturwissenschaftlichen Verein zu Lübeck e.V. und dem Museum für Natur und Umwelt Lübeck

 

kostenfrei


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