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Derzeit sind von der Landesregierung alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen untersagt worden. Es gibt aber ein stetig anwachsendes, digitales Kulturangebot im Internet. Die Museen sind für Besucher geöffnet.

Christophe Colomb

Sonntag, 10. November 2019, 18:00
Theater Lübeck – Großes HausBeckergrube 16, 23552 Lübeck
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Oper von Darius Milhaud (1892–1974)
Libretto von Paul Claudel (1868–1955)

»Da es in einer Welt, die nicht mehr viel weiter globalisiert werden kann, kein … noch so weit entferntes Ziel (gibt), zu dem man reisen könnte, bleibt nur noch das Zwischen, um neue Ressourcen zu entdecken ...«
François Jullien. Es gibt keine kulturelle Identität.
Paris 2016/Berlin 2017. (vgl. S. 52/»Magazinseiten«)

Kolumbus (1451 Genua – 1506 Valladolid) – Stoff für eine Heiligenlegende oder einen Horrorfilm? Hinter Darius Milhaud lag in den 1920er-Jahren bereits ein längerer Brasilien-Aufenthalt und mit »Le boeuf sur le toît« war ein Werk entstanden, das aus brasilianischen Rhythmen, Volksmusik der Provence und Jazz einen unerhörten Klang raum schuf.

Viele Szenen seiner Oper »Christophe Colomb« bringen den Abstand zwischen Europa und Amerika – den Ozean – zur Sprache. Wir erleben Gottheiten der seit dem 16. Jahrhundert unterdrückten Kulturen Südamerikas – sie fürchten die Ankunft dieses Mannes. Dieser Kolumbus kann sich auch als Herrscher über Gottheiten fühlen, von denen der historische Kolumbus auf See- und Landwegen noch nichts gehört haben dürfte, weil sie erst im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts zu unverstandenen Feindbildern in den Augen europäischer Eroberer und ihrer gewaltsamen missionarischen Bestrebungen wurden. Von 1501 bis 1866 sollten mehr als 15 Millionen Menschen aus diversen Regionen des afrikanischen Kontinents versklavt und nach Amerika deportiert werden, um dort für Europa und »die Welt« Exportware zu produzieren – und selbst »Exportware« zu sein.

Heiligenlegende und Horrorfilm? Vor allem in der Kombination von Musiktheater und filmischen Bildern stellte das Werk bei seiner Uraufführung an der Staatsoper Berlin 1930 einen Meilenstein dar. Elemente des epischen Theaters Bertolt Brechts, polytonaler Musik ebenso wie musikalische Überwältigungsstrategien machen erlebbar, wie »die Moderne« allem Anschein nach neue Horizonte eröffnen und gleichzeitig alten kolonialistischen Denkmustern verhaftet sein kann. Wie kein anderes Werk der 1920er-Jahre macht es Widersprüche und Möglichkeitsräume eines 20. Jahrhunderts erfahrbar, die auch 2019/20 noch bestehen.

Foto © Martin Lechner

 



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