Heimspiel für Meute beim Werft-Open-Air in Lübeck zum 10jährigen Band-Jubiläum
Mit Techno-Rumms und sattem Gebläse in den Spätsommer-Abend

Wer mal wieder richtig das Tanzbein schwingen oder Springen wollte, war am letzten Donnerstag im Open-Air-Gelände der Gollan-Kulturwerft goldrichtig. Und gut 4.500 Tanzwütige waren der Einladung der selbsternannten Techno-Marching-Band „Meute“ gefolgt und durften sich auf ein erstklassiges wie einmaliges Konzert-Ereignis freuen.

Eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Tanz-Party hatte bereits die DJane Punching Polly als Support die Menge gut aufgewärmt. Mit ihrem entspannten Set aus House und Techno hatte sie aber auch leichtes Spiel, denn die erwartungsvolle Menge wollte Tanzen und Springen, was bereits frühzeitig möglich war.

 

Dann kam Punkt acht Uhr die wie üblich kostümierte Truppe mit ihren roten Fantasie-Uniformjacken auf die Bühne und formierte sich auf den aufgebauten Podesten. Aus ihrer politisch eindeutigen Positionierung machten die Herren Musikanten keinen Hehl. Viele hatten diverse Aufnäher, Buttons und Abzeichen auf ihren mit goldenen Troddeln behängten Jacken. „Omas gegen Rechts“, Regenbogenfarben und solidarische Sticker gegen die AFD und ähnliches waren zu sehen.

Im Hintergrund hing das Tourwappen zum 10jährigen Jubiläum der Band mit den zwei Einhörnern und dem Jubiläums-Symbol. Wobei einige der Musiker ein echtes Heimspiel hatten, denn nicht nur der Gründer und Bandleader, der Trompeter Thomas Burhorn stammt aus Lübeck. Gegründet wurde die Truppe 2015 in Hamburg, sie haben seitdem die ganze Welt mit ihren Auftritten begeistert. Ihren Durchbruch hatte Meute 2017 mit ihrer Interpretation von „Rej“ vom Berliner DJ-Duo Ame. Gleichzeitig erschien damals ihr Debütalbum „Tumult“.

Danach ging es mit der lustigen Truppe aus 4 Schlagwerkern (Andre Wittmann - Marimba, Timon Fenner - Kleine Trommel-Snaredrum, Markus Lingner - Kleine Trommel - Hi-Hat und Marco Möller - Große Bass-Trommel) und 7 Bläsern (Thomas Burhorn - Trompeter und Bandleader, Hans-Christian Stephan - Trompete, Jonny Johnson - Posaune, Sebastian Bukowski - Tenorsaxophon, Adrian Hanach - Baritonsaxophon, Philip Andernach - Basssaxophon und Gesang, Philipp Westermann - Sousaphon) steil bergauf.

Sie spielten Touren durch die USA und Kanada, sowie Südamerika, nachdem sie Europa rauf und runter gespielt haben. Gut 150 weltweite Konzerte später wurden sie auf Einladung des Goethe-Instituts selbst im südlichen Afrika und Australien und Ozeanien aktiv und überall außerordentlich gefeiert. Denn mit ihrem selbst erfundenen Techno-Marching-Musikstil waren sie überall die Sensation, egal ob auf der Straße in New York oder in den Konzertsälen von Wien oder Paris.

Durch die Verbindung von Techno und den akustischen Instrumenten macht Meute elektronische Musik förmlich sichtbar. Da bleibt einerseits die hypnotische Monotonie des Elektro erhalten, andererseits werden aber die sterilen Sounds aus der Maschine durch die wärmer klingenden Bläser ersetzt. Das klingt sowohl symphonisch, hymnisch wie orchestral. Durch die fließenden Übergänge ermöglicht jede Show dem Publikum, fast eineinhalb Stunden durchzutanzen.

So geschehen auch in Lübeck. Mal geben alle elf Musiker richtig Gas, dann kommen einzelne Teile der Truppe zum Solo an die Bühnenkante. Oder Sänger und Bass-Saxophonist Philip Andernach singt den Hit von Meute: „Hey, Hey“. Dann kommen die drei Drummer nach vorne und hauen den Leuten ordentlich eine Ladung Rhythmus um die Ohren. Insgesamt überzeugt die elfköpfige Band mit ihren neuen Arrangements klassischer Techno-, House- und Deephouse-Werken von bekannten DJs und Musikern wie „You & me“ von Disclosure und Eliza Doolittle.



Und am Ende des Konzerts gibt es nicht nur eine schwer geforderte Zugabe, sondern die gesamte Band marschiert mit ihren Instrumente quer durch das Publikum und spielt weiter ihre geniale Tanzmusik. Alles dokumentiert auf einer großen Video-Leinwand. Hatte es am Anfang noch einen herrlichen Sonnenuntergang gegeben an diesem wunderbaren Spätsommer-Abend, war es mittlerweile richtig dunkel geworden, als das völlig begeisterte Publikum in die Lübecker Nacht geschickt wurde. Wollen wir mal hoffen, dass die Band nicht wieder zehn Jahre braucht, um wieder in Lübeck aufzulaufen.


Fotos: (c) Holger Kistenmacher


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