Die Synagoge ist zu einer Bauruine geworden
Ein trauriger Anblick und ein nicht hinnehmbarer Zustand!

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Wer dieser Tage durch die St. Annen-Straße geht, wird mit Erschrecken feststellen, dass sämtliche Gerüste vom Synagogengebäude entfernt sind, die Sanierung aber längst nicht abgeschlossen ist.

Die Verantwortung dafür wird laut Berichten in den Lübecker Nachrichten und auf Nachfrage in Gesprächen mit Beteiligten zur Zeit wie eine heiße Kartoffel hin und her, vor allem in Richtung Jüdische Gemeinde geschoben. Als Eigentümerin ist sie der Bauträger, so wie es auch auf dem großen Bauschild ausgewiesen wird, doch sollten die Hansestadt Lübeck und das Land Schleswig-Holstein ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland ein ureigenes Interesse haben, schnellstmöglich einen Weg zu finden, die Baumaßnahmen an diesem Gebäude mit seiner besonderen Geschichte fortzuführen und abzuschließen.

Niemals hätte die Gemeinde mit ihren geringen Finanzmitteln eine Sanierung in dieser Größenordnung begonnen, wenn sie nicht von Seiten der Stadt beraten worden wäre und es nicht finanzielle Zusagen anderer gegeben hätte. Unabhängig von Sympathien und Antipathien zwischen den jeweils beteiligten Personen und Fehlern, die ganz sicher gemacht worden sind, muss schnell eine Lösung gefunden werden, die allerdings doch nicht darin bestehen darf, die Gemeinde aufzufordern, sich fehlende Eigenmittel bei wohlhabenden internationalen jüdischen Stiftungen zu besorgen.

Für die jetzige Situation tragen alle Beteiligten Verantwortung, und wir appellieren insbesondere an die Stadt, ihrer besonderen Verantwortung gegenüber diesem Gebäude mit seiner Geschichte gerecht zu werden. Die Synagoge als brachliegende Bauruine – das ist eine Katastrophe für die Arbeit der jüdischen Gemeinde, aber auch eine unglaubliche Peinlichkeit für die Hansestadt Lübeck, die sich als Kulturhauptstadt bewerben will. Am 9. November 2015 waren auf der Baustelle optimistische Worte des Bürgermeisters und des Rabbiners während des alljährlichen Gedenkens des Novemberpogroms zu hören. Was soll in diesem Jahr gesagt werden?

Foto: MrsMyerDE/Wikimedia

 

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