Foto: Cornelius

Lässige und smoothe Musik-Mixtur aus Asien
Cornelius „Mellow Waves“

Sabine VierusVon

Die elektronischen Kompositionen des japanischen Künstlers Oyamada Keigo alias Cornelius vereinen eine Kombination unterschiedlicher Musikstile mit Einflüssen von Krautrock, Bossa Nova und Jazz. Wer jetzt vermutet, dass dies laut und schräg klingen könnte, irrt. Herausgekommen ist ein entspanntes und ruhiges kleines Meisterwerk.

Keigo war Mitbegründer der japanischen Band „Flipper´s guitar“, die das in den 90er Jahren neu entstandene Genre „Shibuya-kei“ maßgeblich prägte. Bekannteste Vertreter waren damals „Pizzicato Five“. Sie rundeten den Musikstil, der in Anlehnung an die orchestralen Klänge der 60er Jahre (beispielsweise wie Burt Bacharach oder Phil Spector) manchmal fast kitschig daherkam, durch Lounge- und Soulelemente ab.

Cornelius wurde bereits nach seinem ersten Soloalbum im Jahr 1997 von Musikkritikern als „moderner Brian Wilson“ oder „japanischer Beck“ gefeiert. Das neue Werk „Mellow Waves“ ist nun erschienen und der Name wird hier zum Programm. Nehmen wir uns die deutsche Übersetzung von „Mellow“ einmal vor, gibt es verschiedene Adjektive, die wir hierfür verwenden können. Wenden wir diese nun als Beispiele an einigen der zehn Songs an, kommen wir zu folgender Erkenntnis:



„Lieblich“ – In der Tat ist dieses Adjektiv sehr passend für „If you`re here“. Die wunderschöne Fender Rhodes Orgel leitet diesen Track ein, um dann von einem dezenten Schlagzeugsound und einer jazzigen Elektrogitarre ergänzt zu werden. Dies steigert sich minimal in der Klangintensivität, um dann der Fender wieder den alleinigen Part zurückzugeben.
„Voll“ – Das Instrumentalstück „Surfing on my mind“ versetzt den Hörer für 5 Minuten an einen sonnigen Sandstrand. Der volle Elektrosound geht in Mark und Bein über, um dann eine Gänsehaut zu erzeugen. Möwengeschrei und Meeresrauschen runden das maritime Bild ab.
„Sanft“ – „The rain song“ benötigt lediglich eine Akustikgitarre, etwas Harmonikauntermalung sowie die doppelt gelegte Stimme von Cornelius, um die innerlich erzeugte Strandatmosphäre zu erhalten.
„Angeheitert“ – „Dear future person“, der nahezu einzige tanzbare und schnelle Song des Albums trifft mit seinen Jazzelementen den Nerv des souligen Sounds der 60er Jahre, weckt den Hörer aus einer möglicherweise leicht entstandenen wohligen Melancholie und macht einfach Spaß zu hören.

 Mit welchem Adjektiv Sie stellvertretend für dieses Album das Wort "mellow" nun übersetzen möchten, bleibt Ihnen überlassen. Cornelius hat mit „Mellow Waves“ ein elegantes und entspanntes Elektrosound-Paket geschnürt, das lohnt, ausgepackt zu werden.

Cornelius: Mellow Waves, Mis, 28. Juni 2017, Amazon

Sabine Vierus
Sabine Vierus
Jahrgang 1971, in Lübeck geboren, gelernte Kauffrau, ihre Leidenschaften sind Musik und Fotografie. Seit 2015 schreibt sie für "unser Lübeck".
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