Foto: (c) Alison Goldfrapp

Goldfrapp “Silver Eye”
Elektronisches Meisterwerk

Sabine VierusVon

Wer in der heutigen Musikszene auf verzweifelter Suche nach den Perlen ist, darf sich freuen. Es gibt sie! Das Fundstück ist in diesem Falle das neue Werk von Goldfrapp.

Namensgeberin des 1999 gegründeten britischen Duos ist die Sängerin Alison Goldfrapp. Ergänzt wird diese Symbiose von dem Keyboarder und Filmkomponisten Will Gregory. Ihm schwebte in seiner Imagination die perfekte Stimme für seine Kombination aus orchestralem und Elektrosound vor, die er mit Alison Goldfrapp fand. Diese lieh ihre Stimme wiederum bereits den bekannten Trip-Hop-Größen "Tricky" und "The Orb".

Das Thema Film begleitet die musikalische Reise seit der Gründung des Duos. Gregory setzt seine filmischen Einflüsse immer wieder spannend und facettenreich um. Zu hören ist dies besonders im ersten Werk "Felt Mountain" und in dem 2008 erschienenen Album "Seventh Tree", wo sich Goldfrapp wieder mehr auf den Klang des Film Noir der 60er Jahre zurückbesannen.

Stehen geblieben sind sie auf dieser Reise bisher nie. Es gab permanent Weiterentwicklungen und Veränderungen. Verloren haben sie dabei ihren Wiedererkennungswert nicht. Und das ist auch gut so. Maßgeblich dazu beigetragen hat hier natürlich Alison Goldfrapp, deren Bandbreite von glasklarer, manchmal kraftvoller, dann wieder zerbrechlicher Stimme das Gesamtkunstwerk Goldfrapp so einzigartig macht.

Kleine visuelle Meisterwerke in Form ihrer Musikvideos ergänzen das Portfolio von Goldfrapp. Die Balladen werden oft in Schwarz-weiß-Videos dargestellt, wie zum Beispiel „Annabel“. Die wunderschöne Ballade „Jo“ könnte hier ebenfalls einem „Arthaus Film“ entliehen sein – die düstere Stimmung ergreift und trägt einen fort. Aber es gibt auch bunte Szenen zu sehen. Im Video „Happiness“ tanzt ein Mann fortwährend hüpfend durch Londons Straßen und feiert mit den ihm begegnenden Kindern und Erwachsenen seine offensichtliche Freude am Leben. Man befindet sich in einer anderen Welt, der mystischen Welt von Alison Goldfrapp, die einfach fasziniert und Lust macht, sich mit ihrer Musikgeschichte zu befassen.

Diese Faszination scheint sich offensichtlich auch auf andere Künstler zu übertragen. Madonna lieh sich Goldfrapps Titel "Lovely Head" für ihren Film "Love, Sex, Drugs & Money" aus.

Das Gerücht, dass Goldfrapp zum Film "James Bond 007: Casino Royale" den Titeltrack beisteuern sollten, bewahrheitete sich nicht. Und so blieb den beiden bisher, vielleicht auch ein bisschen gewollt, der große Schritt in die Bekanntheit versagt. Ihre Fans sind ihnen jedenfalls treu und pflegen ihre Treue in einem sich inzwischen entwickelten Kult.

Für die beiden gab es bei "Silver Eye" die klare Ansage, dieses Album digitaler und "fetter" klingen zu lassen. Das Album klingt unglaublich bombastisch und zwischenzeitlich sphärisch. Zu hören ist dies besonders bei "Faux Suede Drifter", "Zodiac Black" und "Beast that never was". Die Themen Mystik und Fantasie durchziehen die Texte des gesamten Werkes. Die musikalische Untermalung hierzu passt perfekt. Die an die 80er Jahre angelehnten Synthersizersounds wurden durch das Abmischen des Albums von Daniel Miller abgerundet, der bereits für keine Geringeren als Depeche Mode tätig war.

 Und so begibt man sich in eine wunderschöne, klangvolle Welt, der man sich schwer entziehen kann und die einen potenziellen Suchtfaktor in sich birgt. Dieser Sucht dürfen Sie sich aber gefahrlos hingeben, denn sie birgt keine Nebenwirkungen. Schade ist, dass es "nur" 10 Tracks sind, diese bereichern aber das musikalische Jahr 2017 um ein Vielfaches.

Goldfrapp: Silver Eye, Mute (rough trade), 31. März 2017, Amazon

Sabine Vierus
Sabine Vierus
Jahrgang 1971, in Lübeck geboren, gelernte Kauffrau, ihre Leidenschaften sind Musik und Fotografie. Seit 2015 schreibt sie für "unser Lübeck".
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