Foto: Andrea Knust

Madrugada und andere Zwischenwelten
Erinnerung an einen lyrischen Abend in Klütz

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Am stürmisch verregneten Samstagabend machen wir uns auf den Weg nach Klütz. Im Café Miluh soll um 20.00 Uhr „Madrugada – und andere Zwischenwelten“, inszeniert von Jacques C. Dulon mit dem Farben-Ensemble, beginnen.

Jacques C. Dulon, Foto: Andrea KnustJacques C. Dulon, Foto: Andrea KnustIch sinniere: „Madrugada“, die Morgendämmerung, eine Zwischenwelt? Ja, der Begriff erscheint passend, denn sie bietet uns einen stimmungsvollen Übergang von der Nacht zum Tag. Meine Gedanken wandern weiter zu den zahlreichen interessanten, oft auch inspirierenden Gesprächen zwischen Jacques und mir. In einem Austausch vertraute er mir an, dass viele seiner lyrischen Gedanken auch als Melodien in seinem Kopf erscheinen würden. Leider könne er nicht singen, kenne keine Noten und spiele kein Instrument, aber er versuche Sängerinnen zu gewinnen, die seine Kompositionen stimmlich umsetzen würden. Ich fragte mich, wie es einem Sänger gelingen könne, die von Dulon konzipierte Melodie zu erahnen.

Heute Abend würde ich endlich die Vertonung seiner Gedichte hören:
Während der drei Sets, im schlichten und warmen Ambiente des Cafés Miluh, hören wir leichtfüßige und humorvolle, aber auch hintergründige Verse, und einige wundervolle Melodien erfüllen den Raum. Der Wechsel gesprochener Worte und vertonter Lyrik wird von J. D. und KünstlerInnen aus Schottland, der Ukraine, Spanien und Lübeck vorgetragen. Jacques führt durch das Programm und vergisst nicht, die fruchtbare Kooperation mit seinen KollegInnen des Farbenensembles zu betonen, denen er die Auswahl und Art der Darbietung seiner Lyrik überlasse. Auch manche Verse seien im Austausch zwischen ihm und einzelnen Interpreten des Ensembles entstanden, wie mit Frauke Krieger. Einige begleitende Videoinstallationen erleichtern es außerdem, einer Reise in die Ferne und wieder zurück zum Ostseestrand nachzuspüren. Besonders berühren mich die Bilder während des Gesanges der Cecilia Puebla, die auch von Stephan Peters, dem Gastgeber, mit der Gitarre begleitet wird.

Iryna Sorokovska, Foto: Andrea KnustIryna Sorokovska, Foto: Andrea KnustWollte ich ursprünglich den Abend einfach nur erleben, zwingt mich die „bewegte Bühne“, schon im ersten Set wenigstens ein paar Impressionen im Foto festzuhalten. Auslöser war das ausdrucksstarke Minen- und Gestikspiel der Iryna Sorokovska. „Gedichte befassen sich nicht nur mit der romantischen Seite des Lebens, wie Liebe und Schmerz – Triebe und Herz; nein, sie beleuchten mitunter auch die dunklen Winkel unserer Seele“, sagt Dulon. Diese Themen, aber auch „die Suche“ auf langen Reisen, offenbaren sich mir.

Besonders beeindruckt mich das gelungene Zusammenwirken des Ensembles, geprägt von der Lust an der Darstellung der lyrischen Beiträge als Einzelner oder als Gruppe. Die Freude am gemeinsamen Auftritt wird beim letzten Chanson, das von allen Ensemblemitgliedern gesungen wird, am deutlichsten.

Foto: Andrea KnustFoto: Andrea Knust

Jacques Dulon, Du bist nicht nur ein Weltenbummler, Lyriker und Fotograf. Du bist auch ein Musiker, der nicht singen kann, es aber schafft, begabte Künstler zu finden, die Deine Melodien entschlüsseln und in Deinem Sinne vortragen und auch weiterentwickeln. So wie es dem Pianisten und Sänger Nicholas McDonald aus Schottland hervorragend gelungen ist.

Monsieur Dulon, überwog auf der Fahrt nach Klütz meine Neugierde, wie die SängerInnen Deine „Melodien im Kopf“ umsetzen würden, bin ich sehr gespannt auf eine kommende Inszenierung des Farben-Ensembles. Wird es eine geben?

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Fotos: Andrea Knust

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