Sabine Weiss, Foto: (c) André Poling

Sabine Weiss "Schwarze Brandung"
Sylt-Krimi

Michael SterzikVon

Der vorliegende Krimi ist das Debütwerk der bekannten in Hamburg lebenden Schriftstellerin Sabine Weiss. Durch die historischen Titel „Die Hansetochter“ und „Die Feinde der Hansetochter“ konnte sie schon ihre Leser überzeugen. Doch nun erweitert sie ihren Leserkreis, indem sie sich einem für sie neuen Genre-Krimi widmet.

Die Handlung ihres Romans „Schwarze Brandung“ spielt auf der viertgrößten Nordseeinsel Sylt. Die friesische Insel gehört zu den wohl bekanntesten Nordsee-Inseln, nicht zuletzt durch die vielen Prominenten und die High Society aus Politik und Entertainment, die Immobilien besitzen oder regelmäßig in den angesagten Clubs feiern. Sylt ist in jedem Fall eine Reise wert, sei es um sich in den attraktiven Wellness-Oasen zu erholen und lange Spaziergänge an den Stränden zu genießen, sei es um die vielfältigen Angebote von Kunst und Kultur wahrzunehmen.

Der Schauplatz auf einer Insel ist natürlich regional sehr beschränkt. Allerdings ist die Handlung auch damit hochkonzentriert und das potenzielle Umfeld von mutmaßlichen Tätern, Verdächtigen und Zeugen durchaus überschaubar. Ein Krimi kommt nicht ohne Opfer aus, und, so schön die Insel auch sein mag, so abgründig grausam wurde der Mord an einer jungen Frau ausgeführt. Mit den Ermittlungen werden die Ermittler aus dem Kommissariat Flensburg beauftragt. Eine von ihnen ist die junge Liv Lammers. Liv ist die Insel mehr als vertraut: Aufgewachsen als Tochter eines Immobilienhais, verbindet sie nach ihrer aufmüpfigen Rebellion und dem daraus resultierenden Bruch mit ihrer Familie einige sehr unschöne Erinnerungen mit dem Ort. Als dann noch ihr Neffe Kontakt zu ihr aufnimmt, da seine Freundin verschwunden ist, wird der Mordfall persönlich. Dadurch setzt sich die junge Beamtin enorm unter Druck und ist emotional befangen. Das bringt für die intensiven Ermittlungen auf der Insel und viele bekannte Persönlichkeiten starke Probleme mit sich.

Sabine Weiss' Stil ist absolut authentisch. Die Spannung steigert sich recht langsam, aber mit großen Schritten, die Autorin hangelt sich akribisch durch die Ermittlungen, der Täterkreis verdichtet sich. Einige Personen könnten eventuell ein Motiv haben und nicht wenige davon kriminell vorbelastet sein. Der Mord an der jungen Frau steht innerhalb der Handlung im Mittelpunkt. Zwar gibt es in Nebenhandlungen noch ein paar andere offensichtliche Verbrechen aus alter und neuer Zeit, doch der rote Faden zieht sich logisch und konsequent durch die gesamte Geschichte.

 Die Story ist sehr komplex, aber gerade diese aktuellen Nebengeschichten hat die Autorin passgenau eingearbeitet. Dass sich dabei die romantisierte Vorstellung dieser nordfriesischen Insel ins Dunkle treiben lässt, ist absolut sinnvoll, wenn auch beklemmend und verstörend. Dass dabei die aktuelle Touristikbranche und der Umgang mit billigen Arbeitskräften aus dem Osten Europas thematisiert und kritisiert werden, gehört zu den wesentlich ausgeprägten Stärken des vorliegenden Romans. Eine der Nebengeschichten ist die Vergangenheit der Ermittlerin Liv Lammers. Die Dämonen der Vergangenheit begleiten sie bei den Ermittlungen auf Schritt und Tritt. Dadurch passieren der Figur satte Fehler, aber es öffnen sich auch ein paar Hintertüren, die Nebenfiguren präsentieren und der Story den letzten und abschließenden Schliff und Tiefe geben.

„Schwarze Brandung“ ist hoffentlich der Auftakt einer neuen Reihe um die selbstbewusste und zugleich manchmal ins Fettnäpfchen tretende Ermittlerin. Ihre Methodik ist bisweilen etwas unkonventionell, aber menschlich sympathisch und vor allem authentisch.

Fazit:
„Schwarze Brandung“ von Sabine Weiss ist ein Regionalkrimi, der gerne im kommenden Urlaub im Strandkorb auf Sylt gelesen werden darf. Als Auftakt einer geplanten Reihe sehr gelungen. Die Autorin beschreibt Sylt anhand vieler Details: Dörfer, Straßen, Ortschaften und Sehenswürdigkeiten, mehr oder minder bekannt, werden wie in ihren früheren Werken sehr gut dargestellt. Das fördert die ohnehin schon authentische Atmosphäre und für alle, die die Insel schon kennen, wirkt das Erzählte schnell vertraut. „Schwarze Brandung“ ist ein Krimi, der spannend überzeugt und nachhaltig auf eine Fortsetzung drängt. Die Figur der Liv Lammers, die sich emotional auf der Insel Sylt selbst wie eine einsame Insel vorkommen mag, ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Die Vergangenheit wird sich hoffentlich an die Oberfläche treiben lassen, denn niemand ist wirklich eine Insel.

Sabine Weiss: Schwarze Brandung - Sylt-Krimi, Bastei Lübbe, 16. März 2017, 352 Seiten

Das Buch ist in den inhabergeführten Buchhandlungen Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTUR, Buchstabe und auf Amazon erhältlich.

Michael Sterzik
Michael Sterzik
Geboren 1970 in Osnabrück. Leitender Angestellter, freiberuflich tätig als Journalist. Bei „unser Lübeck als Autor seit 2012 dabei.
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