Sabine Ebert
"Schwert und Krone – Meister der Täuschung"

Michael SterzikVon

Die erfolgreiche Autorin Sabine Ebert lässt in ihrem neuesten Werk „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ ein Machtspiel um die Throne Deutschlands im 12. Jahrhundert entstehen. Es ist der Auftakt einer ganzen Romanreihe. Wie viele Bände es letztlich sein werden, ist noch nicht absehbar.

In ihren letzten beiden Romanen – „1813 Kriegsfeuer“ und „1815 Blutfrieden“ – hat die in Leipzig lebende Autorin die Zeit zwischen der Völkerschlacht bei Leipzig und Waterloo als Thema behandelt. Diese napoleonische Epoche hat Sabine Ebert faszinierend, spannend und sehr unterhaltsam erzählt. Anders als in den herkömmlichen historischen Romanen, in denen starke Frauen ihrem Schicksal trotzen und über sich und andere hinauswachsen, befasst sich die Autorin hier mit historischen Quellen wie Tagebüchern, Chroniken, Aufzeichnungen, Urkunden. Sicherlich spielen auch Frauen in ihren Romanen diverse Hauptrollen, aber die Handlung konzentriert sich auf die historischen Elemente und wird nicht wie so oft durch klischeereiche Ereignisse getrübt.

Im vorliegenden Roman „Schwert und Krone“ bildet das 12. Jahrhundert die historische Kulisse. Ort der Handlung ist wieder das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Es gab in dieser Epoche vier mächtige Familien – Dynastien, die mit aller brutalen Gewalt, Intrigen, Bestechungen und Erpressungen das Spiel um die Throne kompromisslos beherrschen. Allen voran die Fürstenhäuser der Staufer, Welfen, Askanier und Wettiner. Alle diese Fürstenhäuser paktieren mal miteinander, mal gegeneinander, gehen Bündnisse mit der Kirche ein, brechen diese, verraten einander, und nicht wenige Menschen sterben in den daraus resultierenden Kriegen. Ganze Herzogtümer wechseln die Besitzer, ganze Landstriche werden verwüstet. Hungersnöte bedrohen die ländliche Bevölkerung. Wer die Fernsehserie „Game of Thrones“ kennt oder die zugrundeliegende Geschichte, wird unweigerlich beim Lesen des Romans von Sabine Ebert einige Ähnlichkeiten feststellen – nur das diese auf Fakten beruhen und nicht ein Konstrukt der Fantasy sind.

Die deutsche Geschichte weist Lücken auf, die den Autoren eine gewisse schriftstellerische Freiheit geben, diese zu interpretieren. Sabine Ebert ist bekannt dafür, dass sie eine detektivische Recherche für ihre Romane durchführt. Genau diese Lücken werden von ihr argumentativ logisch gefüllt. Dass ihre Schilderungen nun der Wahrheit entsprechen, ist natürlich nicht belegbar, doch selbst Historiker streiten sich noch mehrere hundert Jahre später darüber, was ggf. wie und wo abgelaufen sein könnte. Sabine Ebert schlägt eine großartige Epoche auf, eine Zeit, die Deutschland bis heute geprägt hat und deren Spuren und Wirkung wir noch immer spüren. Die Autorin lässt überwiegend historische Figuren auf ihrer historischen Bühne spielen, nur wenige Protagonisten entspringen der Fantasie.

Es gibt nach dem Tod des Kaisers Lothar (1137) einen erbitterten Kampf um die Thronfolge zwischen den Geschlechtern der Welfen und Staufer. Andere Fürstentümer nutzen ihre Chancen, ihre Töchter und Söhne sinnvoll und vorteilhaft mit anderen Häusern zu verheiraten, um noch mehr an Einfluss und Macht zu gewinnen. Das Schicksal ihrer eigenen Kinder wird dabei gerne vernachlässigt. Die Rolle der Frau, ob nun adelig oder nicht, war in einer von Männern dominierten Welt nicht als gleichwertig anzusehen. Doch gab es auch Frauen, die durchaus ihren Mann standen und geschickt manipulativ ihre Kräfte einsetzten. Sie agierten manchmal im Schatten ihrer Männer oder Kinder, hatten aber durchaus die Hosen an. Eine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen, aber diese ist zum Glück nicht der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Handlung. Interessanter sind die daraus entstehenden Szenen, in denen mächtige Männer der Kirche ihre Intrigen spinnen und so mancher König im Intrigen-Netz hängen bleibt oder ein einfacher Spielmann als Spion zwischen den Fürstentümern nachrichtendienstliche Aufgaben erledigen muss.

Sabine Ebert konzentriert sich in diesem Roman nicht auf das Leiden der Bevölkerung, die unter diesem tödlichen Spiel um die Throne blutet, sondern widmet sich der Motivation und den Argumenten der Herrscher. Das mag sich ggf. noch in den nächsten Bänden ändern, insbesondere dann, wenn schon die Rede von einem Kreuzzug gegen die slawische Bevölkerung ist. Der Feind meines Feindes kann sehr schnell zum Freund werden – auch das findet man in dieser Handlung wieder.

Qualitativ ist der Roman „Schwert und Krone“ ein Meisterwerk. Sabine Ebert ist eine Meisterin, wenn es darum geht, historische Puzzlestücke in ein großartiges und sehr komplexes Gebilde einzubauen. Die Spannung entwickelt sich nicht, sie ist immer da. Zu jedem Zeitpunkt der Handlung verfolgt der Leser die Perspektiven aus der Sicht der verschiedenen Könige, Herzöge und Grafen, ohne das die Story langweilt.

 „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ ist schon jetzt eins der wichtigsten Werke, wenn man sich unterhaltsam der deutschen Geschichte widmen möchte. Sabine Ebert beweist wieder einmal, dass sie eine großartige Erzählerin ist, die die deutsche Geschichte nachhaltig spannend und unterhaltsam wiedergibt. Wenn Rebecca Gable die Königin der englischen Geschichte im Genre „Historischer Roman“ ist, dann ist Sabine Ebert die Majestät der deutschen Geschichte. Ich freue mich auf die nächsten Romane dieser Reihe – das Spiel um die Throne geht weiter. Band 2 wird voraussichtlich auch in diesem Jahr erscheinen.

Sabine Ebert: Schwert und Krone – Meister der Täuschung, Knaur Verlag, 1. März 2017, 592 Seiten

Das Buch ist in den inhabergeführten Buchhandlungen Buchfink, Arno Adler, Langenkamp, maKULaTURBuchstabe und auf Amazon erhältlich.

Michael Sterzik
Michael Sterzik
Geboren 1970 in Osnabrück. Leitender Angestellter, freiberuflich tätig als Journalist. Bei „unser Lübeck als Autor seit 2012 dabei.
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Kommentare  

# Gelungene RezensionMarco Schröder (04.04.2017, 19:17)
Eine gut geschriebene und nachvollziehbare Rezension des klasse Romans von Sabine Ebert. Allerdings wurde der Zusatz "deutscher Nation" dem Reichstitel erstmals 1474 beigefügt. Im 12. Jahrhundert war er noch nicht gebräuchlich.
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