Cecilia Puebla und Margret Ingwersen-Polte

„Farben“-Szenen aus der Chanson-Oper „Farben“ von Jacques C. Dulon im Café Miluh

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Einen Lyrik- und Liederabend versprach die Veranstaltungsankündigung des Café Miluh im Rahmen der 2. Klützer KulTOURnacht, in der auch viele weitere Attraktionen angeboten wurden. Szenen aus der Chanson-Oper Farben von Jacques C. Dulon – so der Untertitel – machte mich aber so neugierig, dass ich mich auf diese Veranstaltung konzentrierte.

Jacques C. Dulon, ein in Lübeck lebender Lyriker und Fotograf, der lange Jahre in vielen Ländern auf diversen Kontinenten lebte und arbeitete, ist seit seiner Kindheit mit Stephan Peters, der mit seiner Familie das Café Miluh in Klütz betreibt, befreundet. Stephan Peters war es denn auch, der seinen Freund bat – nein, schon fast nötigte –, Teile seiner Texte und Lieder endlich auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Aus dem umfangreichen Werk, das häufig seine Reiseeindrücke widerspiegelt – es sollen übrigens mehr als 400 Texte vorliegen –, schöpfte Dulon seine Chanson-Oper Farben.

Um das Vorhaben umsetzen zu können, bat Dulon seine FreundInnen um Mitwirkung. Viele sagten spontan zu, bei einigen Programmpunkten war die Umsetzung aber bis zum letzten Moment unsicher. So sagte eine Tänzerin, die bei der ersten Probe noch anwesend war, kurzfristig ab. Der Plan B2-3 musste umgesetzt werden – eine weitere musikalische Begleitung wurde gesucht. Der Anspruch an das Können dieser „Ersatzperson“ war ungeheuer hoch, denn Proben im eigentlichen Sinne fanden nicht mehr statt, und die kleinen Änderungen im Programm mussten mit viel Improvisationstalent eingebaut werden, was den Musikern spielend gelang.

Das Ensemble um Dulon musste aus vielen verschiedenen Orten anreisen, was es schwierig machte, innerhalb so kurzer Zeit umfangreiche Proben stattfinden zu lassen. Während des 2. Teils der Generalprobe erschien zum Glück aller – bis dahin wusste niemand, ob sich Plan B2-3 auch umsetzen lässt – Mme. Zaza, eine international bekannte Klarinettistin aus Lübeck, im Café. Plan B2-3 war gerettet! Dulon und Zaza besprachen in einer kurzen Pause ihren Einsatz – und schon konnte die Generalprobe weitergehen. Einige der Akteure begegneten sich an diesem Tag zum ersten Mal, und so ist es Margret Ingwersen-Polte zu verdanken, dass alle schnell in ihre Rollen fanden.

StandbildStandbild

Margret Ingwersen-Polte war es denn auch, die zu Beginn des Abends die Darsteller mittels eines „Standbildes“ vorstellte. Sie tanzte durch die Akteure, die regungslos auf der Bühne verharrten, und erklärte den ZuschauerInnen die einzelnen Charaktere. Die dunkle Bühne – die DarstellerInnen wurden nur sehr sparsam in Licht getaucht – erzeugte eine unmittelbare Spannung, welche die Konzentration auf die Texte und Lieder verstärkte.

Während der öffentlichen Generalprobe waren ca. 20 Gäste im Café anwesend, und so sah auch die Prognose für die Hauptvorstellung aus. Doch was dann geschah ... Das Café war plötzlich bis auf den letzten Platz besetzt und schien aus allen Nähten platzen zu wollen. Es hatte sich wohl im Laufe des Nachmittages herumgesprochen, dass im Café Miluh etwas Außergewöhnliches passiert. Trotz des Andrangs war das Publikum äußerst diszipliniert und ließ nicht einmal ein Räuspern hören. Lediglich das häufige Blitzen durch eine Fotografin störte die aufgebaute Spannung und überlagerte feine Sequenzen der Videoprojektion, die das Land zwischen den Meeren symbolisierte.

Insgesamt war es eine sehr gelungene Vorstellung und kleine Schwächen wurden gekonnt überspielt. Für ein Ensemble, das sich zum größten Teil aus Amateuren zusammensetzt, ist es eine beachtliche Leistung, ein derart eindringliches Programm in so kurzer Zeit umzusetzen und zur Aufführung zu bringen. Da ein solch eindrucksvoller Abend nur schwer zu beschreiben ist, möchte ich das Gedicht von Frauke Krieger zitieren – entnommen aus dem Programmflyer:

(ein Gedicht über die Chanson-Oper Farben von Jacques C. Dulon)

Margret Ingwersen-PolteMargret Ingwersen-Polte

Bleib doch noch hier …
der flehende Ruf des einsamen Liebenden,

wenn der Morgen anbricht
und die verführerischen, bunten Traumbilder
der Nacht verscheucht,
wenn der Tag mit seinen hellen Farben
in Wirklichkeit die dunklen Schatten bringt,
die auch die letzte Illusion
im Schwarz versinken lassen.

Das gefährliche Land der Liebe,
von allen gesucht,
von allen in seiner Wildheit unterschätzt,
das uns in der Wüste nährt,
uns in der Wüste verdursten lässt
und uns auch im Leid so stark macht,
dass wir der Dürre widerstehen können.

Eine Reise an die Strände der Leidenschaft,
von den blauen Wellen,
an denen die Liebe Vergessen sucht,
zu den grauen Stränden
unserer nördlichen Heimat,
die den brennenden Schmerz
der vergangenen Jugend
mit weißem Schnee lindert und den Blick
im zerfließenden Silber des Wassers
zur Ruhe kommen lässt.

It doesn’t matter anyhow
That’s what I’ve learnt to say
Und Sie, wissen Sie noch?
Diese Liebe, die ewig zu leben versprach ...

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Ist sie noch hier?

(Frauke Krieger)

Ensemble:
Margret Ingwersen-Polte: Gitarre & Gesang
Cecilia Puebla: Gesang
Lisa Strathmann: Klavier & Gesang
Nicholas McDonald: Klavier
Stephan Peters: Gitarre & Gesang
Uli Reichardt: Gitarre & Gesang
Mme. Zaza: Klarinette

Regie: Jacques C. Dulon
Regieassistenz & Lichtregie: Frauke Krieger

Klütz Kulturnacht: "Farben" von Jacques C. Dulon - Margret Ingwersen-Polte stellt die Akteure mittels eines "Standbildes" vor. Klütz Kulturnacht: "Farben" von Jacques C. Dulon - Margret Ingwersen-Polte Klütz Kulturnacht: "Farben" von Jacques C. Dulon - Jacques C. Dulon Klütz Kulturnacht: "Farben" von Jacques C. Dulon - Cecilia Puebla und Margret Ingwersen-Polte

Fotos: Peng!

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