Eine durchkomponierte Oper nach einem Text von Leslie Bricusse (78) in der deutschen Fassung von Susanne Dengler und Eberhard Storz, deren Inszenierung durch die in Lübeck wohl bekannte freischaffende Französin Pascale Chevroton stürmisch gefeiert wurde. Dieses Werk ist atmosphärisch ungeheuer dicht, die Musik aufregend und voller Spannung. Die personenreiche Handlung von dem Selbstversuch des Arztes Dr. Henry Jekyll, der mittels selbst entwickelter Substanzen sich in sein anderes Ich verwandelt, fordert alle Mitwirkenden zu Höchstleistungen heraus.
Pascale Chevroton bietet über 150 Minuten hinweg ein buntes Kaleidoskop des Absurden. Dafür hat Jürgen Körner ein um Projektionen erweitertes Bühnenbild entwickelt, das die technischen Möglichkeiten des Hauses mit Dreh- und Hebebühne bis an das Äußerste zu nutzen weiß. Sogar ein Stück Artistik (Einstudierung Yutah Lorens und Patricia Krupa) wird geboten, wenn sich der Gast Vasiliki Roussi als Freudenmädchen Lucy Harris an Tüchern vom Schnürboden herablässt und dazu herrlich singt.
Wie überhaupt alle Mitwirkenden dieses Abends bis an das Äußerste ihrer Leistungsfähigkeit gehen. Das gilt ganz besonders für den großartigen Thomas Christ in der Titelrolle. Er weiß die Zerrissenheit des auf Abwege geratenen Forschers überzeugend darzustellen und verfügt überdies über ein voluminöses Timbre. Steffen Kubach gestaltet die Rolle seines Freundes und Gegenspielers John Uttersen überzeugend mit der bei ihm gewohnten Sicherheit. Neben diesen beiden Hauptrollen wissen Sonja Freitag als Verlobte Emma Carew, Masha Karell als Barmädchen Nellie und Andreas Haller als Vater Sir Danvers Carew zu gefallen. Darüber hinaus geben die zahlreichen Rollen vielen Chormitgliedern und Gästen Gelegenheit zu reizvollen Auftritten in den bezaubernden Kostümen von Tanja Liebermann (Choreinstudierung Joseph Feigl). Sonderbeifall für die wirbelnden Zeitungskinder Amelie Gast und Simeon Nachtsheim.
Ludwig Pflanz täte gut daran, das Philharmonische Orchester mehr zu dämpfen. Was da durchaus gekonnt aus dem Orchestergraben kommt, ist doch über weite Abschnitte arg laut. Den großen Apparat aber hat der Dirigent mühelos im Griff. So entwickelt sich ein großartiger Abend, der - nach vielem Szenenapplaus – zum Schluss stürmisch gefeiert wird.
Weitere Aufführungen: 27. September, 18 Uhr, 9. Oktober, 19.30 Uhr, 18. Oktober, 16 Uhr, 31. Oktober, 19.30 Uhr.






Fotos: © Thorsten Wulff