FINANZKRISE - "Let`s make Money " im Kino Koki und Diskussion mit Sven Giegold Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Freitag, 13. März 2009
"Was passiert mit unserem Geld?" Am Freitag, 20. März 2008, 20 Uhr präsentiert Bündnis90/ Die Grünen im Kino Koki den Film Let`s make Money. Am Anschluß wird Sven Giegold (Bündnis90/ Die Grünen/ attac) in einer Diskussion für Fragen zur Verfügung stehen.

Was genau mit unserem Geld passiert, wer weiß das schon!? Die meisten interessiert es nicht einmal und folgen dem Lockruf der Banken: „Lassen Sie ihr Geld arbeiten!“ Was wir erleben ist keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise – die wir mit unserem Geld beeinflussen.

Nach „We Feed the World“, der spektakulären Dokumentation über unsere Nahrungsmittel hat der Filmemacher Erwin Wagenhofer einen neuen, aufrüttelnden Dokumentarfilm für das Kino gedreht: In Let’s make MONEY folgt er den Spuren unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem. Dabei blickt er hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherern und folgt dem Geld, dorthin wo spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder indische Arbeiter unser Geld vermehren und dabei selbst arm bleiben. Er zeigt uns gefeierte Fondsmanager, die das Geld ihrer Kunden jeden Tag aufs neue anlegen und Unternehmer, die zum Wohle ihrer Aktionäre ein fremdes Land abgrasen - zumindest solange Löhne und Steuern niedrig sind und die Umwelt egal ist.

Der Film zeigt uns mehrere Ebenen des Finanzsystems und auch einige Zwischenstationen, wie z.Bsp. Jersey. Steueroasen, wie diese, werden von Konzernen und Reichen genutzt, um Steuern zu sparen - die Politik hat dies bislang nicht verhindert. Im Gegenteil, seit den 70er Jahren erleichterten sie den Geldfluss und schufen so die Grundlage für den Boom der weltweiten Finanzindustrie mit ihren Zentren in London, New York oder Frankfurt. Es geht dabei immer um Interessen von wenigen Mächtigen. So konnten der Internationale Währungsfonds sowie die Weltbank vielen Entwicklungsländern eine Privatisierung von Altersvorsorge, Stromerzeugern oder Baumwollfabriken aufzwingen, nachdem deren Regierungen durch eine hohe Verschuldung erpressbar geworden sind. Dies eröffnete neue Anlagemöglichkeiten für unser Geld. Doch dieser „Ausverkauf“ von sozialen Errungenschaften wie Gesundheitssystem, Pensionswesen, Energieversorgung und öffentlicher Verkehr passiert nicht nur in der fernen „dritten“ Welt. Wir alle sind davon betroffen. Sobald wir ein Konto eröffnen, klinken wir uns in die weltweiten Finanzmärkte ein – ob wir wollen oder nicht. Was genau mit unserem Geld passiert, wer weiß das schon!? Die meisten interessiert es nicht einmal und folgen dem Lockruf der Banken: „Lassen Sie ihr Geld arbeiten!“ Was wir erleben ist keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise – die wir mit unserem Geld beeinflussen.


Erwin Wagenhofer über "Let’s make MONEY":

"Vor Jahren fiel mir der Werbespruch einer Bank auf, der lautete „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“. Wenn man über diesen Spruch nachdenkt, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass das ein unfassbarer Schwachsinn ist. Geld kann nicht arbeiten. Arbeiten können Menschen, Maschinen und vielleicht noch Tiere. Wir wollten uns anschauen, wie das konkret aussieht: Was passiert, wenn unser Geld, das Kapital, arbeiten soll. Meistens funktioniert das über Ausbeutung, das war der Ausgangspunkt.

Man mag sich fragen, was das mit uns persönlich zu tun hat. Es hat sehr viel mit uns zu tun, denn wir alle sind Aktionäre, ob wir Aktien besitzen oder nicht. Spätestens über unsere Pensionsfonds fließt das Geld in so genannte Fonds, in Aktienfonds etc. und wird dort vermehrt oder auch nicht – momentan sehen wir, wie es nicht vermehrt, sondern vernichtet wird. Und es ist letztlich immer das Geld der kleinen Leute, der ganz einfachen Menschen. Momentan gibt es bei uns den großen Aufschrei, dass die Lebensmittel zu teuer sind – dabei sind nicht die Lebensmittel zu teuer, sondern unser Geld wird weniger wert. Wir schlittern auf eine ganz große Geldentwertung zu. Nicht das erste Mal - im vorigen Jahrhundert gab es mehrere. Also wer Geld hat, sollte sich noch schnell etwas Schönes anschaffen.

Das ganze Filmteam besteht, wie schon bei „We Feed the World – Essen Global“ aus zwei Personen, aus Lisa Ganser und mir. Ich halte mich durchaus für einen politischen Menschen, aber ich bin kein Fachmann für die Themen, über die ich Filme mache. Natürlich beschäftige ich mich sehr lange mit dem Thema, aber das Interessante ist eben, dass da kein Fachmann oder keine Fachfrau am Werke ist, denn das passiert ja ununterbrochen in den Medien. Gerade in den elektronischen Medien treten dieselben Menschen auf, die auch bei uns zu Wort kommen, nur sprechen sie da eine Sprache, die kein Mensch mehr verstehen kann. Da wird von Deregulieren gesprochen, von Liberalisieren, doch in Wirklichkeit wird unter diesem Deckmantel ausgebeutet, dass es nur so kracht. Das ist es, was mich interessiert: Erst haben wir dem Lebensmittelmarkt ein wenig unter den Rock geschaut, jetzt schauen wir dem Geldmarkt ein wenig unter den Rock. Niemand hat es gern, wenn man ihm unter den Rock schaut, aber das ist genau unsere Vorgehensweise. Unser Mittel ist der kindliche Blick. Wir stellen ganz einfache Fragen: Es hat noch nie so viel Geld gegeben wie jetzt, aber wo ist es? Es ist nicht da, aber wo ist es denn hin?

Mich interessieren keine kriminellen Sachen, sondern alles, was sich im legalen Rahmen abspielt. Das ist oft kriminell genug, aber in Wirklichkeit legal. Jersey z.B., eines von etwa 70 Steuerparadiesen auf der Welt, ist legal, das ist gemacht mit dem Wissen von Tony Blair und Frau Thatcher. Wir geben 70 Milliarden als Entwicklungshilfe nach Afrika und 110 Milliarden kommen als Zinsen zurück. Nur an Zinsen, nicht an Kapital, das kommt auch noch und die Waren, das Gold, die Baumwolle, die Hölzer, das Öl. Es gibt keinen Markt, es gibt nur Leute, die den Markt beherrschen wollen. Mich interessiert das System und das ist out of balance. Wir regen uns hier über Arbeitsplatzunsicherheiten auf und schimpfen auf die Konzerne, die Produktionsstätten verlagern. In Wirklichkeit sind es unsere Fonds, die nach Asien wandern und dort investieren."



Bündnis90/ Die Grünen
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