| Batavia hat auch seine Reize - Künnekes "Vetter aus Dingsda" macht Station in Lübeck |
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Sonntag, 12. August 2012
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Michael P. Schulz, Intendant der Lübecker Sommeroperette, betont immer wieder, dass er ohne Subventionen auskommen muss. Somit weiß das geneigte Publikum, dass ihm nicht die Netrebko oder Jonas Kaufmann zur Verfügung stehen. Schulz versucht, das Beste daraus zu machen. In diesem Fall verzehrt sich Julia de Weert nach ihrem Vetter Roderich, dem sie vor sieben Jahren die Treue geschworen hat, bevor er nach Indien ausgewandert ist. Dass er weit weg vom Schuss ist, passt ihrer Tante Wilhelmine und ihrem Onkel Josef Kuhbrot sehr. Sie haben die Vormundschaft von Julia übernommen und möchten sie mit ihrem Neffen August verkuppeln, damit das Geld in der Familie bleibt. Und hier setzt das Verwirrspiel ein. Julia ist gerade volljährig geworden und darf in der Partnerwahl ihrem Herzen folgen. Désirée Brodka wurde in dieser Saison in den Operettenhimmel katapultiert. Zu Recht, ihre Stimme ist der Glanzpunkt des Abends. Bedauerlich daher, dass die Aufmerksamkeit bei ihrer Arie Strahlender Mond geteilt wurde, indem man Janessa Jenkins (sehr hübsch anzusehen) dazu tanzen ließ. Die Jenkins und ihr Partner Kelly Adamah agierten mehrmals vor Duetten der Hauptpersonen. Das gab die kleine Bühne im Geisler-Theater nicht her. Im Freilichttheater bestehen natürlich ganz andere Möglichkeiten der Raumaufteilung, was die Sommeroperette 1995 unter Beweis stellte. Die Freundin der Julia, Hannchen, war bei der beweglichen Sonja Pitsker bestens aufgehoben. Der vermeintliche Vetter Roderich alias August Kuhbrot, war Felix Müller anvertraut. Ostentativ schnäuzte er in sein Taschentuch: Er war indisponiert und das hörte man auch. Ausgezeichnetes Operettenfeeling brachte Stefan Gregor Schmitz in der Bufforolle des Egon von Wildenhagen auf die Bretter. Der vielseitige Kay Bretschneider machte sein Kommen durch Autohupen bemerkbar. Ein wenig versinkt man in Nostalgie in der Erinnerung an die Aufführung 1968 am Theater Lübeck, wo tatsächlich ein Automobil auf der Bühne landete. Der Onkel und die Tante der Julia, die man in der Operette „gern´ von hinten sieht“, kosteten Mona Hermes und Tommy Geisler in ihren Rollen weidlich aus. Tomas Geiler mit seiner Einstellung „lasst mich auch den Löwen spielen“ versuchte sich am Schlagzeug und ließ erkennen, dass Künneke dem Jazz zugeneigt war. Mona Hermes als Tante Wimpel hatte ihren großen Auftritt mit dem Lied „Künstlerball bei Kroll“. Ein Lied, das namhafte Diseusen in ihrem Repertoire haben. Auch Evelyn Künneke sang es hier 1995. Für die musikalische Leitung zeichnete Carsten Bowien verantwortlich, der mitunter zu stark in die Tasten griff. Hilla Krüger unterstützte ihn geigerisch. Sehr hübsch das Bühnenbild und die Kostüme, bei denen Michael P. Schulz stets ein gutes Händchen hat. Die Choreographie war Lars Fischer übertragen worden - zeitweise ein wenig monoton, speziell im Batavialied. Mit dem Vetter aus Dingsda endete die Saison 2012 für die Lübecker Sommeroperette. Das Lübecker Publikum liebt die Veranstaltungen. Mit diesem Wissen wird Michael P. Schulz neuen Schwung für 2013 tanken. Wir wünschen ihm weiterhin Durchhaltevermögen und viel Erfolg! Nächste Vorstellungen: am 12., 15., 16., 17.,18. und 19. August 2012 Weitere Infos: www.luebecker-sommeroperette.de Fotos: (c) Lübecker Sommeroperette
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