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Schleswig-Holstein Musik Festival in der MuK - Konzert des Israel Philharmonic Orchestra Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Hans G. Leonhardt
Donnerstag, 2. August 2012
Gustav Mahlers 1. Sinfonie erklang nicht. Gerade das Israel Philharmonic Orchestra und ihr Chefdirigent Zubin Mehta sind weltweit bekannt für großartige Aufführungen der Mahlerschen Sinfonien. Da war es recht enttäuschend, dass dem Publikum eine Programmänderung  zugemutet wurde. Beethovens 8. Sinfonie und Dvoraks Aus der Neuen Welt, mittlerweile ein Gassenhauer, sind für das SHMF eigentlich „nichts Besonderes.“ Aber der Zuhörer wurde mit einem Konzert der Extraklasse entschädigt.

Ludwig v. Beethovens (1770 - 1827) 8.Sinfonie in F-Dur, op. 93 wird zu Unrecht als weniger bedeutend angesehen. Dabei erfordert die Aufführung dieses scheinbar leichten Werkes einen sehr erfahrenen Dirigenten und ein hochkonzentriertes Orchester, um alle Feinheiten und die unerwarteten, teils humorvollen typisch Beethovenschen Wendungen souverän und wie aus einem Guß zusammenzufügen. Aus diesem Grunde müssen sich gelegentlich aufstrebende Kapellmeister dieser Aufgabe in Probedirigaten stellen. Zubin Mehta servierte ein durchsichtiges Klangbild, doch auch mit Ecken und Kanten. Hervorheben muss man die kaum je so wunderschön gebotene Passage der Hörner im Trio des 3. Satzes. Aber auch das edle Fagottsolo. – Eine überzeugende Interpretation, die sich natürlich deutlich abhebt von Aufführungen mit historischen Instrumenten, wie sie immer häufiger zu hören sind.

Nikolai Rimsky-Korsakov (1844-1908) hatte sein Capriccio über spanische Volksmelodien (Capriccio Espagnol) ursprünglich als ein Werk für Solo-Violine und Orchester komponiert, hatte aber kurz vor den letzten Takten seine Meinung geändert und aus dem Torso ein äußerst farbenreich instrumentiertes Stück für großes Orchester geschaffen. Die unmittelbar als spanisch erkennbaren Melodien, das spanische Kolorit mit rasselndem Tamburin, Kastagnetten und weiterem charakteristischen Schlagwerk lassen keinen Zweifel aufkommen, wo sich all das abspielt: in Asturien, in Spanien. Natürlich hat er die Solo-Violine nicht vergessen und lässt das geigerische Hochgefühl zu seinem Recht kommen. Sehr elegant vom ersten Konzertmeister vorgetragen. Das Capriccio Espagnol ist ein immer wieder begeistert aufgenommenes Paradestück der Orchesterliteratur. Zubin Mehta und seine Israel Philharmonics brachten das Publikum in Jubelstimmung.

Antonin Dvořáks (1841-1904) 9. Sinfonie e-moll, op. 95 "Aus der Neuen Welt" ist heute ein sehr populäres Werk. Wohl jeder Musikliebhaber, und davon sollte es unter den Besuchern des SHMF einige geben, kann die Melodien mitsingen, zumal die Motive in der Sinfonie hinreichend oft wiederholt werden. Vom ersten bis zum letzten Takt konnten Mehta und sein großartiges Orchester das Auditorium fesseln und zu Standing Ovations hinreißen - um schließlich eine Zugabe herauszuklatschen. Knapp angesagt: La forza del destino, wohl nicht von jedermann verstanden. Aber nach den sofort einsetzenden „vier Schicksalsrufen“ - nach unheimlicher Pause sogleich nochmals die beunruhigenden vier Orchestertöne wiederholt - musste jedem klar sein: das ist Giuseppe Verdi, Die Macht des Schicksals.

Mehta wählte die Langfassung der Ouvertüre, die Verdi wohl für den Konzertgebrauch geschrieben hat. Diese Fassung hat auch den Beinamen Sinfonia le vie dell‘ amicizia. Mehta, der gar zu gern Opern dirigiert, war sofort in seinem Element und schaffte es, eine leidenschaftliche, düstere Grundstimmung aufkommen zu lassen. Aber dann kippt die Stimmung um in eine fast verspielte Folge freundlicher Klänge und Melodien, die sich dann bis zur knalligen Stretta steigert, weswegen einige Kritiker diese Langfassung ins Reich der Potpourri-Overtüren rücken möchten. Zu Unrecht. Erst durch diesen Kunstgriff bekommt diese Fassung den populären Schmiss.
Das Publikum war aus dem Häuschen.




Foto: (c) Olaf Malzahn


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