| Gipfeltreffen der Gitarrengötter im Hamburger Stadtpark: Joe Satriani, Steve Vai und Steve Morse |
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Montag, 30. Juli 2012
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Joe Satriani 2012 ist Satriani mit den beiden Ausnahmekönnern Steve Vai und Steve Morse am Start und hat ein beeindruckendes Konzert im lauschigen Stadtparkrund bei herrlichsten Sommertemperaturen abgeliefert. Bei diesen herausragenden Namen war natürlich die Erwartungshaltung der gut 2.000 Zuschauer - augenscheinlich viele selbst Musiker oder zumindest alte Rockhasen mit dementsprechenden Matten und Outfit, - in Hamburg groß. Und sie wurden nicht enttäuscht: Gitarrengegniedel ohne Ende, Solos mit Zunge, Fingerspitzen, Handkante, Faust und Gitarre auf dem Rücken waren nur einige der Spezialitäten, die jeweils mit Szenenapplaus quittiert wurden. Den Anfang machte Steve Morse mit seiner gleichnamigen dreiköpfigen Band. In Bluesrocker-Manier ließ er die langen Haare fliegen und legte ein gepflegtes Set aus nach vorne gehenden Rock´n´Roll-Nummern ab. Morse ist Gründungsmitglied der amerikanischen Fusionband Dixie Dregs und war maßgeblich an der Progressive-Rock-Band Kansas beteiligt. Seine Ausbildung erhielt er in Florida an der klassischen Gitarre und in Jazz. Es folgten 5x die Auszeichnung als bester Guitar Player of the Year vom Guitar Player Magazin. Seit 1994 ist er außerdem festes Mitglied bei Deep Purple als Nachfolger von Joe Satriani, der wiederum das Gründungsmitglied Ritchie Blackmore ersetzt hatte. Natürlich gab es auch eine besondere Nummer für den kürzlich verstorbenen Keyborder John Lord, den er noch einmal in Erinnerung brachte. Nach kurzer Umbaupause war der Gitarren-Exzentriker Steve Vai mit seinem Solopart dran. Die drei Teilnehmer vom G3-Gipfel spielen jeweils ein eigenes Set von ca. 45 Minuten, bevor es zum Duell der Giganten gemeinsam auf der Bühne kommt. Zwar hatte Vai ein äußerst großartiges Bandprojekt mit vier Mitstreitern - und alles ziemliche Könner ihrer Instrumente - am Start, aber der Egomane am Gitarrenhals ließ seine Gitarren derart laut drehen, dass seine Mitstreiter ziemlich gegen die Wand gespielt wurden. Natürlich ist Steve Vai ein absoluter Gigant der momentan lebenden Gitarrengötter, aber ein wenig mehr Kollegialität und weniger Egotrip hätten seinem Set sicherlich gut getan. So ließ der Meister seine Gitarren heulen und zwitschern, dass die Vögel im Stadtpark vor Neid die Klappe hielten. Stevie Vai Da wurde eine glitzernde silberne Gitarre mit Leuchtdioden im Griffbrett maltretiert oder auch mal die lange Zunge a la Jimi Hendrix ins Spiel gebracht. Apropos Hendrix. Der Altmeister war und ist immer noch unerreicht und selbst sein Musterschüler, Joe Satriani, der wegen der Künste von Old Jimi überhaupt erst das Gitarrespielen lernte, muss trotz seiner unglaublichen Fähigkeiten die Goldmedaille für den Besten der Gitarrenkunst weiterhin dem leider viel zu früh Dahingeschiedenen überlassen. Steve Vai ist wahrlich auch kein schlechter, so spielte er bereits in den 80ern in der Band von Frank Zappa und ab 1986 in der Combo von David Lee Roth, aber ein bischen weniger Show und Mätzchen, wie Gitarre auf´n Rücken, etc. täte seiner Klasse sicherlich gut. Dann betrat endlich der Meister himself, Joe Satriani mit seiner berühmten Glatze und dicker schwarzer Sonnenbrille die Bühne. Schnell merkte man, warum selbst Vai und Morse bei ihm in die Gitarrenschule gegangen sind: immer noch einen Tick schneller und immer noch ein Tapping perfekter, kam sein Gitarrenspiel auf seinen eigens von ihm entwickelten Ibanez-Gitarren rüber – ganz großes Gitarrenkino – Respekt!!! Wunderbar leicht flitzen seine Finger über das Griffbrett oder schlagen die Kuppen auch mal ohne Plektron die grellen Töne an, dass es nur so eine Freude ist. Staunen über diese Könnerschaft im versammelten Publikum, wo sich dementsprechend keiner traut, die eigene Luftgitarre auszupacken – gut so, würde eh nur lächerlich aussehen bei diesem Vorbild. Joe Satriani ist schließlich seit den 80ern eine feste Größe in der Musikszene von San Francisco, wo er Leute wie Kirk Hammett (Metallica), Tom Morello (Rage against the machine) und wie bereits erwähnt auch Steve Vai unterrichtet hatte. Dann kam sein Job bei Deep Purple, später folgte die Supergroup Chickenfoot zusammen mit Samy Hager und Michael Anthony (Van Halen) und Chad Smith (Red Hot Chilli Peppers). Nach diesem Super-Solo-Set ruft der Meister dann seine Schüler auf die Bühne zum gemeinsamen Musizieren – diesmal mit Gesang und ab geht die Post bei so alten Klassikern wie You really got me von den Kinks oder einer wunderbaren Version von White Room von Cream. Eng aneinander gestellt, versucht jeder Einzelne den anderen mit seinen flinken Fingern in den Schatten zu stellen, was gar nicht nötig wäre, denn natürlich weiss längst jeder im weiten Rund, wie einmalig es ist, was er da gerade erleben darf an genialer, außergewöhnlicher Griffbrett-Kunst. Zu guter Letzt kommt auch noch Neal Youngs Rocking the free world zu Ehren und ein Gitarren-berauschtes Publikum darf am ersten wirklich wunderbaren Sommerabend ohne Klagen in die Nacht entlassen werden. Fotos: Holger Kistenmacher
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