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Dieser Artikel gehört zur Themenseite "SHMF 2012 - Im Jahr des Drachen" |
| Greller, Schneller, Lauter - Balkan Brass Battle beim SHMF |
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Mittwoch, 25. Juli 2012
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Angetreten zur musikalischen Schlacht waren die „Rothemden“ von Fanfare Ciocarlia aus Rumänien gegen die „Weißhemden“ des Boban und Marko Markovic Orchester aus Serbien. Beide Bands entstammen der musikalischen Roma Musik Tradition. Diese wird seit Generationen von Musikern zu Musikern weitergereicht – ganz ohne Noten. Viele Blechbläser können gar keine Noten lesen, weil sie diese für ihre furiose Musik sowieso nicht brauchen. Per Münzwurf wurde der Beginner des Wettstreits ausgewählt und die 12 Herren aus Rumänien gingen erstmals als Zwischensieger an den Start. Zunächst noch in langen, schwarzen Mänteln gehüllt und mit Hüten auf dem Kopf legten die Musiker aus dem kleinen Dorf Zece Prajini aus dem wilden Osten Rumäniens richtig los. Mit bis zu 200 Beats per Minutes haben die Blechbläser von Fanfare Ciocarlia sofort das 2000-köpfige Publikum auf ihrer Seite. Sie begeistern mit einem schier unglaublichen Tempo, wobei kaum ein Zuhörer still stehen mag. Das bunt gemischte Publikum zwischen langhaarigem Freak, diversen Kindern und vielen Menschen mit Balkan-Einschlag bis zum Klassik-gewöhntem Rentner-Paar geht gleich mächtig mit. Arme werden in die Höhe geworfen und so manch wilde Tänzerin legt ne flotte Sohle auf den Asphalt. „Wild und ungeschönt, dabei voller Lebenslust und irgendwie auch grausam, kommt da etwas herübergeweht, was der saubere Durchschnittseuropäer nicht kennt“, so beschreibt das Programmheft die Musik von Fanfare Ciocarlia, wobei deren zentrale Themen der Suff und die Liebe sind. Auch wenn man des Rumänischen nicht kundig ist, kommen diese Inhalte trotzdem ziemlich deutlich rüber. Dann sind die Weißhemden rund um ihren charismatischen Solotrompeter Marko Markovic an der Reihe - im Wettstreit darüber, wer mehr Power hat. Wer hat die meiste Luft? Wer spielt schneller und besser? Wer bringt das Publikum richtig zum Tanzen und Ausrasten? Das Boban und Marko Markovic Orchester hat eigentlich die besten Voraussetzungen, um als Sieger vom Platz zu gehen, denn schon im Jahre 2000 haben sie vor 600.000 Zuschauern den Preis als bestes Orchester des Festivals beim alljährlichen Guca Trumpet Festival in Serbien gewonnen, wobei jeweils die besten Brass Bands der Welt am Start sind. Vater Boban und Sohn Marko Markovic entspringen einer langen Tradition von Trompetern aus ihrer Familie. Wobei Boban schon fünfmal als Gewinner der besten Trompeter die goldene Trompete in Guca abgeräumt hat. Sohn Marko hat seine virtuose Kunst schon als kleiner Junge vom Großvater Dragutin beigebracht bekommen. Schon sein Urgroßvater war in den 1930er Jahren in Serbien ein gefeierter Star und durfte zu Ehren von König Alexander aufspielen. Aber auch die nachfolgenden Generationen der Roma-Familie blieben erfolgreich. So haben sie mit ihrer speziell-rasanten Musik so einige Emir Kusturica – Filme wie Arizona Dream oder Underground musikalisch untermalt. Mittlerweile kommt das berühmte Orchester weltweit auf über 700 Konzerte. Sohn Marko, der mit 14 Jahren von seinem Vater in die Band geholt wurde, übernahm den Chefposten als Leiter und Arrangeur mit 18 Jahren, wobei er schon zwei Jahre Erfahrung als Lead-Solist an der Trompete in die Waagschale werfen konnte. Bis heute hat das Orchester 13 Alben auf den Markt geworfen, die sich weltweit reichlich verkaufen. Inhaltlich haben sie Gypsy-Funk-Nummern wie Africa-Paprika, Caravana oder Lume Lume zu bieten. Aber auch eine Melodie aus einem James-Bond-Film kommt als 007 Devla zu Gehör. Das Publikum hat es folglich schwer, sich für einen Sieger des musikalischen Wettstreits zu entscheiden. Aber ganz ernst gemeint ist die Konkurrenz unter den beiden Orchestern ohnehin nicht. Zwar scheinen die Serben ein wenig mehr Virtuosität und Vielfältigkeit in ihrer Musik zu bieten, dafür liegen die Rumänien in Sachen Power und Geschwindigkeit eindeutig vorne. Am Ende einigen sich die beiden Kapellenchefs auf ein gerechtes Unentschieden. Es folgen Verbrüderungs-Szenen unter den Band-Mitgliedern mit Umarmungen und viel Gelächter, denn eines haben sie als Mission alle gemeinsam: Sie wollen die rasante Roma-Musik vom Balkan in die weite Welt tragen. Und das haben sie zumindest in Hamburg unter größter Zustimmung des begeisterten Publikums geschafft. Dann treten zum Schluss beide Bands gemeinsam auf. Die fulminante Zugabe ist ein Disco Dzumbas und ein würdiges Ende für den „Balkan Brass Battle“. Sie entlässt fröhlich grinsende und nimmermüde swingende, begeisterte Zuschauer in die erste lauschige Sommernacht der Saison. Man wünscht sich mehr davon. Fotos: Oliver Ballendat
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