Große Oper im kleinen Eutin – Die Premiere von Nabucco war ein Riesenerfolg Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Bettina Sonnenberg
Dienstag, 10. Juli 2012
Abigail und Baalspriester
Das war eine gelungene Premiere der neu inszenierten Verdi-Oper Nabucco in der 62. Spielzeit der Eutiner Festspiele am Freitag, 6. Juli. Erstklassige Protagonisten, die alle ihr Debüt in Eutin gaben, bewiesen ihr Können vor fast ausverkauftem Haus und Prominenz. Es gab Standing Ovations, Blumen für die Solisten und Küsschen für die Intendantin Dominique Caron vom Schleswig-Holsteiner Ministerpräsidenten Torsten Albig.

Ruhig und friedlich lag die Freilichtbühne zwischen dem üppigen Grün der umstehenden Bäume und dem Großen Eutiner See im Rücken der Tribüne. Ganz gemächlich machten sich die Zuschauer auf den Weg zu ihren Plätzen. Sie lauschten dem Einstimmen des Festspiel-Orchesters, das unter einer großen grünen Plane - geschützt vor dem vorausgesagtem Regen - im Orchestergraben saß. Um 20 Uhr begannen die Festspiele.

Die ruhig daliegende Bühne, mit ihrer roten Treppe und dem tempelartigem, grauen Aufbau im Hintergrund, verwandelte sich mit wenigen Handgriffen je nach Handlung in einen Schauplatz, in der Liebe, Macht und Religion und die Freude am „Belcanto“ gezeigt wurden. Der gemischte Chor, der sich immer mit auf der Bühne zum Geschehen aufbaute, war der fantastische musikalische Gesamtrahmen, aus dem die Duette und Terzette hervorgingen. Das Gesamtbild rundeten die pompösen Kostümen ab. So war Nabucco ein hochkarätiges Erlebnis.

Mit viel Feingefühl und Ausdruckskraft führte Dirigent Urs-Michael Theus (Generalmusikdirektor) das Eutiner Festspiel-Orchester, Festspiel Chor, Extra Chor und die Solisten so, dass die schönen Melodien erklangen und die herausragenden Singstimmen ihre volle Größe entfalten konnten.

Grandios sang Zacharias (Taras Konoshchenko). Sein Bass beseelte die Bühne und brachte die nötige Schwere ins Singspiel. Gleich im ersten Akt, nachdem die Hebräer, Leviten und hebräischen Jungfrauen auf die Bühne liefen, trat Zacharias mit Blitz und Donner auf die obere Bühne, gefolgt von Fenena (Svitlana Sylvia – Mezzosopran) und Anna (Hanna Zumsande – Sopran). Zacharias schritt die rote Treppe hinab und sang eindrucksvoll seine Cavatine (ist in der Oper eine zweiteilige Arie mit einer langsamen Einleitung und einem schnellen Schlussteil). Langsam formierten sich die Darsteller zu einem Dreieck vor der Treppe, an deren Spitze Zacharias mit Schwert in der Hand stand und großartig im Wechsel mit dem Chor sang. Diese Inszenierung verfehlte nicht seine Wirkung. Toll waren die Kostüme: Fenena trug ein leuchtend blaues Kleid und Umhang mit aufgesetzter Kapuze. Zacharias war in schwarz gekleidet und trug eine Art Krone. Die hebräischen Jungfrauen waren in schwarze Gewänder gehüllt und trugen ein hellblaues Kopftuch.

Besonders entwaffnend sang Nabucco (Devid Cecconi – Bariton) im dritten Akt. Kniend und allein saß er im schlichten Gewand auf der Bühne. Zum Publikum gewandt sang er leidenschaftlich seine Arie. Oder im Duett mit Abigail erfüllte sein warmer Bariton die Bühne und brachte Freude, Wut und Verzweiflung perfekt zum Ausdruck. Als Ismael (Hugo Vera – Tenor) die Bühne betrat, verlies Zacharias mit den Hebräern und Leviten das Geschehen. Seine klare Tenorstimme versprühte Leichtigkeit. Im Duett mit Fenena, die ihren Mezzosopran voll aussang und so ihre Fülle an Tönen gekonnt einbrachte, entstand eine liebevolle Szene zwischen den beiden.

Ismael und Fenena

Als Abigail das Geschehen mit zwei Soldaten eroberte, erklang ein melodienreiches, perfekt aufeinander abgestimmtes Terzett mit Ismael und Fenena. Abigails Gesang war temperamentvoll und in der Arie nachdenklich. Ihr Kostüm in dieser Szene, ein rotglänzender langer Mantel, mit langem schwarzem Umhang, passte hervorragend zu dieser Szene. Sie überstrahlte ab und an alle Mitwirkenden, sogar das Orchester. Ausdruckstark war auch das Duett mit Nabucco im dritten Akt. Ihr Kostüm: ein lila Kleid, dazu einen rosafarbenen Umhang, der mit goldenen Mustern prunkvoll wirkte. Sie trug die Königskrone.

In der Pause krabbelten verschwitzte Musiker aus dem abgedeckten Orchestergraben heraus. Dass der Regenschutz nicht gebraucht wurde, war nicht vorauszusehen – bei der Wettervorhersage für diesen Abend. Und so waren sie froh, endlich in die Pause gehen zu können. Die Künstler gingen mit den Zuschauern zusammen den gleichen Weg zu den Zelten vor der Scheune, um die angebotenen Leckereien genießen zu können.

Das Highlight dieses Abends kam nach der Pause: Der Gefangenen-Chor Va‘, pensiero, sull’ale dorate. Diese Inszenierung war außergewöhnlich, denn der Chor baute sich langsam auf der Tribüne zwischen den Zuschauern auf. Mittlerweile war die Sonne untergegangen. Die Kerzen in den Händen der Sänger leuchteten stimmungsvoll. Es war eine ergreifende Szene, von der sich ein Zuschauer so hinreißen ließ, dass er sofort und lautstark eine Zugabe einforderte. Urs-Michael Theus fackelte nicht lang und stimmte zum zweiten Mal den Gefangenen Chor ein.

Ein perfekter Opernabend ging zu Ende. Der besondere Charme der Spielstätte, die hohe künstlerische Qualität aller Darsteller und zuletzt das trockene Wetter machten diesen Opernabend zu einem Erlebnis.

Nabucco  - Eutiner Neuinszenierung
Weitere Termine: Donnerstag, 12. Juli, Samstag, 14. Juli, Samstag,  21. Juli, Freitag,  27. Juli, Samstag, 11. August jeweils 20 Uhr
Weitere Informationen: www.eutiner-festspiele.de






Fotos: (c) Eutiner Festspiele / K. Ahrens

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