Drei Ausstellungen im Zeichen der Freundschaft: „Lübeck meets Hyogo“ Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Christel Busch
Freitag, 27. Mai 2011
(c) Kimika Masai
Die deutsch-japanische Freundschaft feiert dieses Jahr ihr 150jähriges Jubiläum mit vielen Veranstaltungen in beiden Ländern. Auch die Hansestadt Lübeck feiert mit: drei Ausstellungen würdigen die kulturellen Kontakte zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der Präfektur Hyogo.

Kyoko Takasago und Kimika Masai, zwei Künstlerinnen aus Kobe, bringen japanisches Flair nach Lübeck. In Kooperation mit der Landesregierung und der GEDOK Schleswig-Holstein werden ihre Arbeiten in der Galerie Essig, der Galerie kunstraum_mühlenstrasse sowie der Overbeck-Gesellschaft zu sehen sein. Kyoko Takasago widmet sich der Kalligrafie, der japanischen „Schönschreibkunst“, die auf Jahrhunderte alte Traditionen zurückblickt. Shadowboxes nennt Kimika Masai die hölzernen Kästen, die mit typisch japanischen Interieurs  und Emblemen dekoriert sind. Beide Künstlerinnen verbringen einen dreiwöchigen Gast- und Studienaufenthalt in der Hansestadt Lübeck. Während dieser Zeit geben Kyoko Takasago und Kimika Masai Workshops an der Kunstschule der Gemeinnützigen.

Die langjährige Freundschaft zwischen Japan und Deutschland begann, als im Herbst 1860 Schiffe der Preußischen Ostasien-Expedition unter der Führung von Graf zu Eulenburg in der Bucht von Edo – heute Tokio – vor Anker gingen. Dank der diplomatischen Intervention Eulenburgs unterzeichneten Preußen und Japan am 24. Januar 1861 einen Freundschafts- und Handelsvertrag: „Es soll ewiger Friede und beständige Freundschaft bestehen zwischen Seiner Majestät dem König von Preußen und Seiner Majestät dem Taikuhn von Japan, ihren Erben und Nachfolgern.“ Dieser Vertrag symbolisiert noch heute die langjährige Verbundenheit beider Länder, sowohl in der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft als auch in der Kultur.

(c) Kyoko Takasago: Kalligrafie

Seit dem Jahr 1995 besteht ein enger kultureller Austausch zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der Präfektur Hyogo, welcher von der ehemaligen Ministerpräsidentin des Landes, Heide Simonis, anlässlich eines Besuches in Kobe ins Leben gerufen wurde. Für die Hansestadt Lübeck ein doppelter Grund zum Feiern - international und regional. Aus diesem Anlass sind zwei  renommierte japanische Künstlerinnen aus Kobe, Kyoko Takasago und Kimika Masai, eingeladen worden. Sie sollen das Lübecker Publikum mit der zeitgenössischen, japanischen Kunstszene vertraut machen.

Tagasagos kalligrafische Arbeiten zeigen eine freiere Interpretation der traditionellen Kalligrafie. Mit Pinsel oder Federkiel zu Papier gebracht, sind ihre Schriftzeichen voller Schwung und Dynamik. Sie werden häufig ergänzt durch malerische Aspekte. Der Künstlerin geht es dabei weniger um die lesbare Bedeutung der Zeichen, sondern um eine harmonische und ästhetische Bildkomposition. Ihre kalligrafischen Arbeiten sind der experimentellen Kalligrafie zuzuordnen. Sie zeigen eine stark veränderte Struktur der traditionellen Schönschreibkunst. Die subtile Variation und der Rhythmus der unterschiedlich starken Linienführung öffnet dem Betrachter eine differenzierte Bedeutungsebene, welche zu eigenen Interpretationen anregt.

Eine völlig andere Kunstrichtung vertritt Masai. Ihre Holzkästen mit Glasfront sind dekoriert mit aus Papier gefertigten und bemalten Motiven aus dem japanischen Alltagsleben. Flächig oder gestaffelt angeordnet,
(c) Kimika Masai: Shadowbox
zeigen sie Blumenarrangements sowie Interieurs und Embleme, die der europäische Betrachter mit der japanischen Kultur assoziieren kann. Die Ursprünge der Shadow - Box Kunst sind im Mittelalter zu finden. Am Anfang sollte diese Technik eine gewisse räumliche Tiefe suggerieren. Heutzutage ist diese Form der Darstellung zu einer eigenständigen Kunst geworden, wobei es der Künstlerin um die Erschaffung eines dreidimensionalen Reliefs geht. Die Darstellung des Perspektivischen ist das Element des 'lebendig - ursprünglichen' in Anlehnung an perfekte Formen, wie man sie nur in der Natur vorfindet. Masais filigrane Glaskunst zeigt dagegen florale Dekore. Bei den Darstellungen handelt es sich um Kompositionen, die man im natürlichen Umfeld unserer Natur findet. Hierbei ist das Anliegen der Künstlerin eine Harmonie im Ausdruck hervorzubringen, welche das rein Darstellerische mit ihrer eigenen kreativen Ambition vereint.

Ausstellungen in Lübeck:

3. Juni 2011 19.00 Uhr
Vernissage Galerie Essig, Kanalstraße 26-28
Kalligrafische Werke von Kyoko Takasago
Begrüßung Gunda Diercks-Elsner, GEDOK Schleswig-Holstein
Grußwort Caroline Schwarz, Landesregierung
Einführung Angela Köhler, Kuratorin
Ayaka Kaneko, Posaune und Ami Isogai, Flügel

11. Juni 2011 19.00 Uhr
Vernissage kunstraum_mühlenstraße, Mühlenstraße 66
Shadowboxes und Glass Handcraft von Kimika Masai
Begrüßung Oswald Becker: die Japanisch-Deutsche
Freundschaft
Grußwort Kazuma Saito
Einführung Birgit Böhnke
Zeitgenössische japanische Musik mit Taira Kaneko und Teruko Habu

22. Juni 2011 19.00 Uhr
Vernissage Overbeck-Gesellschaft, Königstraße 11
Arbeiten beider Künstlerinnen
Begrüßung Marlies Behm
Grußwort Hiroyuki Yakabe, Konsul für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit,
Japanisches Generalkonsulat Hamburg

Bei den Ausstellungseröffnungen sind Herr Kazuma Saito, Direktor General und Frau Pascale Ghys, The European Representative Office of Hyogo Prefectural Government, Paris, anwesend.

In der Kunstschule der Gemeinnützigen, Ratzeburger Allee 34, 23562 Lübeck finden folgende Workshops statt:

6. Juni 2011, 9.00 bis 14.00 Uhr, Kalligrafie mit Kyoko Tagasago
9. und 18. Juni 2011, 10.00 bis 17.00 Uhr, Shadowboxes mit Kimika Masai
Anmeldungen unter info@kunstschule-luebeck.de oder Tel. 0451-7074140

Die Ausstellungen werden gefördert vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, der GEDOK Schleswig-Holstein, der Possehl Stiftung Lübeck und der Kunstschule der Gemeinnützigen in Lübeck




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