Ein Ball, wie er mal nicht in der Presse steht - Der 57. Lübecker Presseball rockt! Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Viola Evers
Dienstag, 22. März 2011

Das Schauspielerehepaar Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig, bekannt als Kapitän Ehlers aus der Fernsehserie „Küstenwache“, sind seit mehreren Jahren schon Dauergast auf dem Lübecker Presseball. Auch sie freuen sich jedes Jahr darauf, besonders auf das Radisson, da das Rathaus als Austragungsort etwas zu beengt gewesen wäre, wie Frau Wenzel erwähnte und man im Hotel mehrere Örtlichkeiten habe, wo es unterschiedliche Veranstaltungen zu entdecken gebe. Vielen Dank noch für das Autogramm, Herr Joswig!

Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig (Kapitän Ehlers - Küstenwache)

Tatsächlich fanden sich in den Räumen im Zwischengeschoß, die sonst als Konferenzräume im Alltag herhalten, viele kleine separate Events. So war der Umbau auch eine logistische Meisterleistung für die Hotelangestellten. Hut ab! Raum „Brügge“ wurde für den Ball zum Casino umgestylt, mit echten Croupiers am Roulette - und am Black-Jack-Tisch. Weiterhin gab es einen Tombola-Raum, in dem die zahllosen Preise ausgegeben wurden. Gegenüber hatte sich die Parfümerie Schuback eingenistet und bot ein Aufrüschen-To-Go an. Wenn die Haarkunst durchs Tanzen zur Sturmfrisur wurde oder durch Lachtränen die Schminke verlaufen war, konnte frau (Mann auch) sich hier wieder zurechtbiegen lassen. Eine kleine Parfum-Tankstelle für den Dufthunger zwischendurch gab es auch.

Im Raum „Stralsund“ war über die gesamte Fläche ein weiteres Häppchenbuffet aufgestellt mit vielen kleinen leckeren Köstlichkeiten, die für vermehrten Speichelzufluß sorgten. Die Autorinnen von "Unser Lübeck" befanden sich kurzzeitig unbeobachtet allein in dem Raum und überlegten tatsächlich für einen Moment, ob sie die Situation ausnutzen und sich dort einschließen sollten, so ganz allein mit dem Buffet. Einfach lecker! Mit der Unbeobachtung war es vorbei, als der Koch und die Köchin erschienen und auf Nachfrage etwas Hintergrundwissen vermittelten: Für das gesamte grandiose Buffet arbeiteten 26 Köche fünf Tage lang an den Vorbereitungen und das noch über die normalen Arbeitsstunden hinaus - bei so viel detaillierter Feinarbeit eine weitere große Leistung. Im Raum „Stralsund“ stießen wir auch zum ersten Mal auf kleine kuriose Plastikelemente, die sich als Getränkehalter entpuppten, wenn man sie ganz praktisch an den Tellerrand steckte – und den strengen Speise-Knigge schön austrickste. So erübrigte sich auch die zermürbende Frage, welches Glas oder Besteck man zuerst zur Hand nehmen sollte etc.

Raum „Hamburg“ überraschte sichtlich mit einem musikalischen Leckerli: Die Band Valentine & The True Believers aus dem Raum Hamburg spielten folkigen Pop mit souliger Stimme in Wohnzimmeratmosphäre. Hier fand der Rückzug vom Trubel der Feier statt, und man konnte in bequemen Loungesesseln entspannen. Die Band spielte im Wechsel mit Lesungen der Travemünder Künstlerin Anja Es, die süffisant Erzählungen und Gedichte vortrug über Künstlerleben, die Liebe und der Frage, ob denn nun „Muser“ das männliche Pendant zu „Muse“ sei.



Gegen 23 Uhr wurden die Gäste auf die Trave-Terrasse zum Feuerwerk im Vollmondschein gebeten, das von klassischer Musik und später auch von einer riesen Wolke Qualm untermalt war. Eine Stunde später fand um Mitternacht mit großem Trommelwirbel die Verleihung der ersten drei Preise der Tombola statt. Als die Losnummer 1207 für den Gewinner des ersten Preises - eine Kreuzfahrt mit der MS „Astor“ – ausgerufen wurde...passierte erstmal gar nichts. Die Spannung stieg und der Glückspilz wurde eifrig per Mikrofon ausgerufen. Später erzählte die stolze Gewinnerin Dietlind Goldbeck, dass ihr Mann es ihr erst nicht abnahm, als sie meinte, sie habe die 1207. Außerdem hätte er sich gerade so gemütlich hingesetzt und wollte nicht schon wieder aufstehen. Die Freude war dann groß, und so kann das Ehepaar im August einen Luxustörn von Kiel nach Norwegen und zurück genießen.



Die Veranstalter eines Presseballs haben natürlich den direktesten Draht zur Druckerpresse, und schon flatterte kurz nach der Preisverleihung die Sonderausgabe der „Lübecker Nachrichten“ zum Presseball 2011 ganz frisch in die Veranstaltungsräume, flugs verteilt von ehrenamtlichen Helfern des Vereins Lübecker Presse. Sofort kehrte Ruhe ein. Viele hatten die Zeitung unmittelbar am Start, zückten die Lesebrille und hielten versunken die Nase in die Zeitung, wie am Frühstückstisch, auch wenn es erst nur der Ballsaaltisch war.

Je später der Abend, desto hängender die Fliegen und offener die Krawatten. Und desto rockiger wurden die Bands und um so flockiger die befrackten Tänzer und berobten Tänzerinnen in den Hüften. So wurde auch das Schwoofen mit vorgerückter Stunde ausschweifender. Da verschwand selbst der Hexenschuß des Vortages wie im Fluge. Am besten war dies zu beobachten, als „Max & Friends“ „Sexbomb“ von Tom Jones anstimmte. Die Abendgarderobe begann so, sich erheblich mit der lockeren Stimmung der Gäste zu beißen.

Gastgeberin Claudia Winter (links, Geschäftsführerin Verein Lübecker Presse) und Gäste

Die beste Party Lübecks fand allerdings, wie ein Herr von der Security bemerkte, zu später Stunde in der rappeldickevollen „Kogge“ statt. Die Gesangsbücher, die dort auslagen mit Texten von norddeutschen Shanties und Hans-Albers-Schmonzetten wurden endlich benutzt, und die feucht-fröhliche Stimmung glich eher einem Aprés Ski oder einer Szene aus dem „La Paloma“ auf der Reeperbahn. Auch hier waren gestärkte Anzüge plötzlich fehl am Platz. Alles in allem ein lustiger Haufen. Auch wenn Akkordeonist Heiko Quistorf einem etwas leid tun konnte, da er „Einmal noch nach Bombay“ nicht nur einmal, sondern zum gefühlten 80. Mal spielten mußte.

Zwischenzeitlich bauten die helfenden Hände im Hotel im Hintergrund schon mal leise peu á peu einiges ab. Unglaublich, wie schön ein Ball sein kann und wie schnell das Klischee einer vermeintlich konservativen Veranstaltung verblassen kann. Auch Dank der entspannten Gäste, die einfach nur ausgelassen unter netten Menschen jeden Alters feiern möchten. Oder lag es doch am Vollmond, der die Gäste mondzyklustig werden ließ? Ein sehr erlebnisreicher, toll organisierter und gelungener Ballabend der Lübecker Presse. Stöößchen!

Der 58. Lübecker Presseball wird am Samstag, 17. März 2012 im Radisson Blu Senator Hotel stattfinden. Einlass: Ab 19 Uhr Beginn 20 Uhr.

















Fotos: (c) Bettina Sonnenberg

Kommentare von Lesern
Neuer Kommentar

Rappelvoll und ein Erfolg Marlies, 22.03.2011 18:48
Da kann man ja direkt Lust kriegen, auch mal zum Presseball zu gehen. Aber mit einem Ehemann, der nicht tanzt, ist das vielleicht kein so großes Vergnügen. Die Promidichte, so scheint mir, hielt sich doch sehr in Grenzen, sieht man mal von Lübecker Prominenz ab.
meer@karin-buchholz.com Karin Buchholz, 23.03.2011 08:47
Ein schwungvoller und mitreißender Partybericht, aus dem zwischen den Zeilen viel vom Partygemurmel und -gelächter, rockige Beats, raschelnde Roben und jede Menge Freude am Erleb(t)en herausklingen.
Fazit:
Presseball? Da muss man hin!

Vielen Dank für diese sprachliche "Flanierkarte"...
sagt
Karin Buchholz
 
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