Raubkatze Ray Wilson kuschelte im Sounds Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Bettina Sonnenberg
Dienstag, 15. März 2011
Im Sounds, eine kleine Discothek an der Untertrave, zeigte Ray Wilson und Acoustic Band den Lübeckern am Samstagabend was es heißt, ein Schotte zu sein: Er pflegt die alte Highlandertradition (lange Haare), ist absolut gastfreundlich und liebt es gemütlich. Dieser Abend bewies, dass Musik nicht extrem laut sein muss, sondern, dass es auf das Gefühl ankommt. 

Zur Band zählen: Sein Bruder Steve Wilson (Guitar) und Filip Walcerz (Keyboard). Ray Wilson war nach Phil Collins Lead-Sänger der Band Genesis und ist Frontman der Band Stiltskin. Bekanntester Song der Band ist Inside, der als Soundtrack für einen Werbespot für Levis bekannt wurde. Ungefähr 200 Männer und Frauen - Generation 40+ - strömten an diesem Abend ins Sounds. Sie fanden Platz auf der Empore, wo kleine Tischchen mit Stühlen standen und direkt auf der Tanzfläche vor der Bühne. Es war eng, aber zum Mitsingen braucht man auch keinen Platz.

Pünktlich um 20:30 Uhr betrat das Trio die Bühne und eröffnete mit Change und Follow you, Follow me den Abend. Die Begrüßung ans Publikum folgte mit einem charmanten „Good evening“ etwas später. Nach Another Day of Paradise passierte etwas, was wohl jedem Musiker mal passiert: Ray Wilson hatte einen Blackout. Ganz gelassen fragte er Keyboarder Filip Walcerz nach dem Text seines neuen Songs Tales of a small Town. Das Publikum lachte und Ray Wilson machte gleich einen Spaß daraus. Er beklagte sich über sein Alter (42). Wenn er jetzt schon seine Songs vergesse, wie mag das wohl erst mit 60 Jahren werden. Mit dieser lockeren und leichten Art kam er gut beim Publikum an.

Razorlight, Another Cup of Coffee, Carpet Crawles und der Titelsong vom letzten Album Propaganda Man wurde mit so viel Gefühl gesungen, dass das Publikum gebannt zuhörte. Zeitweise standen alle ruhig vor der Bühne - genauso, wie die Band auf der Bühne. Ein weiterer Höhepunkt kam, als Ray Wilson seinem Bruder das Mikrofon überließ, der dann One von U2 gab. Ein Gedanke drängte sich bei diesem Solo förmlich auf: In dieser Familie gibt es wohl mehr als einen begnadete Sänger.

Nach der Pause ging es unter anderem mit Land of Confusion und Sarah weiter. Dann kündigte er seinen Lieblingssong Mama von Genesis an. Diesen sang er mit sehr viel Herzblut, dass das Publikum diesem hämischen "Hahaha" und dem folgendem Knurren eines wildgewordenen Raubtieres regelrecht entgegen fieberte. No Son of Mine, Airport Song oder Flughafenblues, wie er ihn selbst auf Deutsch anmoderierte, und Inside folgten.

Ray Wilson schaffte mit seinen Songs und seiner Interpretation der Genesis-Lieder einen tollen Abend. Die Akustik im Sounds war optimal an den kleinen Raum angepasst. Der Mix aus Sängerqualität, Lichttechnik und Lautstärke machten diesen Konzertabend zu einem Erlebnis der besonderen Art. Da er nur seinen Gesang, in Begleitung von Gitarren und Keyboard, in den Vordergrund stellte, also auf eine Bühnenshow völlig verzichtete, fühlte sich das Publikum in der erzeugten Wohnzimmeratmosphäre sehr wohl. Sie wippten und sangen zu jedem Song mit.

Ray, du darfst jederzeit wiederkommen!







Fotos: © Jan Gerke

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