Kurz nach Besichtigung des
Tatorts begegnet Robicheaux, der zuständige Detective für diesen Fall,
dem Schauspieler Elrod Sykes (Peter Sarsgaard), der in der Nähe einen
Film dreht. Sykes erzählt ihm vom Fund einer verwesten Leiche im Sumpf.
Sofort ist Robicheaux klar, dass es sich bei diesem Haufen Knochen um
das Opfer eines nie erwähnten Mordes handelt, den er vor über 40 Jahren
zufällig beobachtet hat.
Respektvolle Höflichkeit ist Zeitverschwendung, wenn man zum Ziel kommen will. Robicheaux ist der Typ Mann, der nicht aufgibt und eine Geschichte verfolgt, bis sie schließlich geklärt ist. Stur und unzimperlich, mit den Methoden eines genervten Alt-Cops, hakt er bei der Jagd nach dem Mörder der jungen Frau eine Befragung nach der nächsten ab, er macht sich Feinde, die er vorher nicht hatte und kämpft verbissen gegen die Mauern des Schweigens. Dabei stößt er auf Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen damals und heute. Doch die Aufdeckung der Wahrheit ist nicht gerade ungefährlich ...
Es ist fast ein Jammer, dass Bertrand Tavernier, Altmeister des französischen Kinos, nicht schon früher einen amerikanischen Film gedreht hat. Damit wäre ihm ein internationaleres Publikum sicher gewesen. Tavernier versteht etwas vom filmischen Erzählen. Das liegt in diesem Fall vor allem am gekonnten Inszenieren von Stimmung und Charakteren. Tavernier macht einen langatmigen Spannungsaufbau unnötig, indem er gleich zu Beginn die Unnachgiebigkeit seines Detectives klar umzeichnet. Bereits nach einigen Szenen ist klar: Hier ist ein Typ, der nicht aufgeben wird, bis die Geschichte erzählt ist, egal, was die Story ihm so in den Weg stellen wird. Trotzdem ist man von
In The Electric Mist ein wenig überrascht, denn dieser Film ist nicht der typische Tommy-Lee-Jones-Thriller, wie z. B.
Auf der Flucht, obwohl sich beide Filmprotagonisten in Hartnäckigkeit und ungnädiger Resolutheit sehr ähneln.
Jones´ Charakter in diesem Film geht jedoch weit über den des üblichen amerikanischen Film-Cops hinaus: Ein Typ, der sich prinzipiell auf die Seite der Unschuldigen stellt, obwohl ihm die grundsätzliche Unendlichkeit des Kampfes bewusst ist. Illusionslos reflektiert er die Geschehnisse, die ihm die Schwere des Lebens in zunehmendem Maße vor Augen führen. In philosophischen Zwiegesprächen hilft ihm ein längst verstorbener Südstaaten-General, der Robicheaux immer wieder erscheint, die Fakten der Mordfälle zu sondieren und in die Reflektion des Daseins an sich einzubinden. Diese Dialoge sind die wirklichen Highlights des Films. Auch die anderen Dialoge zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne Schnörkel und langes Gerede auskommen, sehr zugunsten der vielsagenden Mimik des Hauptdarstellers.
Insgesamt ist
In The Electric Mist ein konventionell, solide gedrehter Film, der glücklicherweise mal auf eine hektische Schnittfrequenz und Green-Box-Tricks verzichtet. Die Erzählstimme des Protagonisten aus dem Off lässt zwar die Literaturvorlage sehr dominant erscheinen, ist es doch ein Film, und kein Text mit Bildern. Andererseits erlaubt diese Methode eine Raffung der Handlung und zugleich eine Vertiefung des Gezeigten, was Gefühle, Eindrücke und dergleichen angeht. In einzelnen Szenen ist der Film unnötig in die Länge gezogen, vor allem durch die langen Einstellungen, wenn mal wieder jemand mit dem Auto irgendwo hinfährt. Eine Entschleunigung, die allzu offensichtlich und nicht notwendig ist. Kritisch zu betrachten ist auch der Schnitt, der an manchen Stellen Szenen zu abrupt abbricht und Übergänge zu holprig macht. Das macht der Gesamteindruck des Films jedoch allemal wieder wett.
Fazit: Ein hervorragender Tommy Lee Jones in einem wirklich sehenswerten Film.
In The Electric Mist - USA/Frankreich 2009 -
R.: Bertrand Tavernier
D.: Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Mary Steenburgen, Ned Beatty
Verleih: Koch Media
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