Traumfrau verzweifelt gesucht – Was zwischen den Annoncen-Zeilen steht Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Oliver Ballendat
Sonntag, 11. Juli 2010
Ein See, eine kleine Insel und hochsommerliche Temperaturen – beste Voraussetzungen also für einen romantischen Abend. Haralds Problem liegt jedoch nicht in der fehlenden Romantik. Vielmehr ist ihm nach sieben Jahren die Zufriedenheit abhanden gekommen. Auf der Suche nach seiner Traumfrau begleiteten die Zuschauer den Verlassenen am vergangenen Freitag im Naturbad Falkenwiese zum erstem Mal.

Harald, gespielt von Manfred Upnmoor, lebt mit seiner Frau Julia in Lübeck. Die von Zufriedenheit, Bequemlichkeit und finanziellen Vorteilen geprägte Beziehung wird von weiblicher Seite nach sieben Jahren beendet. An dieser Stelle lernen wir die beiden Darsteller des Stückes Traumfrau verzweifelt gesucht kennen. Der unglückliche Harald hat sich seinem Schicksal ergeben – bewegungsunfähig und wehmütig verharrt er in der Situation. Seine beste Freundin Henriette, dargestellt von Friederike Falk, ermutigt ihn, sein Glück im Dschungel von Chiffre und Kennwörtern zu suchen. Und so erlebt der Zuschauer an den Ufern der Wakenitz, wie Harald kein Blind Date auslässt, sich um Kopf und Kragen zu reden oder vor lauter weiblicher Rhetorik kaum zu Wort zu kommen.

Die verschiedenen Traumfrauen, die Friederike Falk verkörpert, lassen kein Klischee aus. Bei der durchgeknallten Amerikanerin kommt Harald kaum zu Wort. Sie schreckt ihn so sehr ab, dass er bei späteren Treffen noch immer in eine antiamerikanische Haltung verfällt. Ein zweifelsfrei auf sexuelles Verlangen ausgerichtetes Date überfordert den Protagonisten, so dass letztendlich das Ziel des körperlichen Kontakts in unerreichbare Ferne rückt. Die Kunstliebhaberin, die literarische Tagträumerin... welche Kontaktanzeige wird Harald noch beantworten, bis er seinem Single-Status ein Ende setzen kann?

Aber sind es wirklich Klischees, die uns Tony Dunhams Komödie unter der Regie von Hannah Wiese vor Augen führt? Schon die ersten Minuten der Premiere ließen die Zuschauer glauben, man hätte ihre persönlichen Erfahrungen in einem Bühnenstück verarbeitet. Wohl jeder im Publikum fand sich mindestens einmal in dem Stück wieder. Beziehungsmuster, Fettnäpfchen und gute Ratschläge – das Spiel von Friederike Falk und Manfred Upnmoor hielt wohl den meisten Premierengästen einen Spiegel vor. Die erfrischende Spielweise der beiden Darsteller, die Nähe zum Publikum und die einzigartige Kulisse ließen den heißen Sommertag kurzweilig ausklingen.

Die Unterhaltsamkeit des Abends resultierte nicht zuletzt auch aus der Sparsamkeit der Kulissen, welche die Konzentration auf die Spielfreude der Darsteller richtete. Das 2008 gegründete theater23 fand mit dem Naturbad Falkenwiese einen der spannendsten Orte, an denen es bisher gastierte. An sechs weiteren Abenden können die Lübecker und Ihre Gäste an der Wakenitz erleben, wie Kontaktanzeigen falsch interpretiert werden, Blind Dates aus dem Ruder laufen und Männer- und Frauenbilder auf komische Weise bestätigt werden.

Alle Informationen zum Stück findet man auf der Homepage des Theaters unter www.theater23.de.


Fotos: Oliver Ballendat



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