Die Band Molly Hatchet, die sich des Namens einer Prostituierten, die angeblich im 17. Jahrhundert lebte und ihre Freier nach dem Sex geköpft haben soll, bedient hat, existiert nun seit 35 Jahren. Gitarrist, Sänger und Mastermind Bobby Ingram hat, zusammen mit Phil McCormack (Gesang), Dave Hlubek (Gitarre), Tim Lindsey (Bass), Shawn Beamer (Drums) und John Galvin (Keyboards), mit
Justice einen Monolith südstaatlicher Rockmusik in eigener Produktion vorgelegt.
Das erste Stück
Been To Heaven Been To Hell beginnt mit, wie soll es bei den Hatchets auch anders sein: Krachenden Gitarrenriff, schönen Slides und groovenden Drums, gefolgt von hämmerndem Boogie-Piano und der initiierende Funke lässt das mitwippende Füßchen von Anfang an nicht still stehen. Beim zweiten Song
Safe In My Skin ist die Guitar-Line durchs Wah-Wah steil gehalten und die beidseitige Fußwippe kommt beim Hörer mächtig in Tritt.
Deep Water kommt mit einem kurzen, schon fast verdächtigen Trance-Keyboard-Intro daher, man erahnt aber, dass die rockige Attitüde nicht lange auf sich warten lässt – das bekommen wir dann auch - und die eher melodiöse Leadgitarre kriegt über die Rhythmusaxt mächtig was an die Seite. Yo! Bis dahin hat sich die CD schon gelohnt.
In
American Pride gibt's Southern Style satt mit zweistimmigen Gitarren-Hooks und Molly Hatchet schaltet vom Takt her einen Gang runter. Schöne Einlage von John Galvin - das Boogie Piano im Mittelteil. Als Up Tempo-Ballade gibt sich
I'm Gonna Live 'Till I Die kommod mit harmonisch-melodischem Outfit der Gitarrenparts und schönen Bendings.
Fly On The Wings Of Angels (Somers Song) ist ein ganz besonderer Song. Leise und zurückhaltend. Man ist berührt, wenn man die Geschichte dazu hört: Es geht um eine wahren Vorfall: Das Schicksal der siebenjährigen Somer Thompson aus Florida, die entführt und auf bestialische Weise ermordet wurde. Tief bewegt auch vom Gesang, den Somers Schwester Abby am Anfang und Ende des Stückes singt. Als Ingram und Kollegen von der Entführung hörten, haben sie den in großer Not hilfesuchenden Eltern Beistand gegeben, organisierten ein Benefizkonzert und gründeten die Somer Thompson Stiftung.
Bei
As Heaven Is Forever mischt sich das Piano prägnant in den Vordergrund, balladesk der Gesang und einfach schön. Mit
Tomorrows And Forevers folgt ein klassischer Rock'n Roll Song, der ein wenig an die Arrangements von Jim Steinman erinnert (dem geneigten Leser bestens bekannt durch
Bat Out Of Hell und Meat Loaf) - prima produziert. Richtig krachen lassen es die Hatchets in
Vengeance. Rollendem Donner und Keyboard-Intro folgen rauhe Riffs, zwischendrin knackige Soli und fertig ist der Ohrenfänger. Schöne Bendings, satte Obertöne, starkes Gitarrensolo:
In The Darkness Of The Night.
Ist der Hörer noch immer nicht gefangen, wird er jetzt endgültig in Haft genommen -
Justice, der Song, der dem Album seinen Namen gibt und mit 8:38 Minuten gleichwohl das längste Stück, spiegelt den Tenor des gesamten Albums wieder, was Molly Hatchet an Botschaft rüberbringen will: Gerechtigkeit, Hilfe für Menschen in Not zu leisten und Verständnis für- und untereinander. Über allem erhebt sich die kräftig prägnante Stimme von Phil McCormack, die in dem Stück
Fly On The Wings Of Angels noch einen Tick intensiver klingt.
Bei
Justice sollten die Freunde guter Rockmusik ein Ohr riskieren oder besser noch beide Hörmuscheln - zum durchpusten der Gehörgänge.
Justice ist ein erdiger Silberling, der das rockige Nervenzentrum aktiviert, um dem Hardrock-Fan glänzende Augen und lustvolle 65 Minuten zu bereiten.
Molly Hatchet: JusticeSteamhammer (SVP) 2010
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