Der Autor hat das Licht der Welt in Worpswede erblickt und stammt damit selbst aus dem Schmelztiegel der bereits mehr als hundert Jahre währenden Künstlergemeinschaft mit der originär normal-ländlichen Dorfbevölkerung. Schon aufgrund dieser eigenen Herkunft gelingt es ihm, sich so überzeugend real und authentisch norddeutsch auszudrücken.
Der Roman erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in sein Heimatdorf Worpswede zurückkehrt, um sein Erbe, das Haus der Großvaters, vor dem Versinken im Moor zu retten. Der Autor lässt ihn dabei auf tragikomische Weise und unter etlichen skurrilen Begebenheiten ein Jahrhundert deutscher Geschichte anhand seiner eigenen Wurzeln nachvollziehen. Einige Worpsweder Künstler hatten sich dem Naziregime angedient, worüber nach dem Krieg jahrzehntelang im Dorf nur geschwiegen wurde. Der Protagonist spürt die Lügen und Geheimnisse auf, weswegen der Autor heute in seiner Heimat nicht nur gelobt wird.
In seiner Lesung stellt der Autor vor allem die amüsanten Dorf-Anekdoten heraus, die er in bühnenreifen Dialogen formuliert und vorträgt. Hier zeigt er sein persönliches schauspielerisches Talent. Ein Thema ist zum Beispiel das zwanghaft regelmäßige Mittagessen der Landbevölkerung, wovon ein Künstlerkind nur träumen konnte. Dahingegen gibt es in der Künstlerfamilie des Protagonisten täglich um Punkt 17 Uhr das obligatorische Butterkuchenblech der Großmutter. Von einem solchen Butterkuchen soll Willy Brandt einmal gegessen haben und der Überlieferung zufolge liegt das von ihm angebissene Stück heute noch in einem Worpsweder Gefrierfach. Thema der Lesung ist als weiteres Lokalkolorit der Don-Camillo-Club in Worpswede. Es handelt sich dabei um den nach wie vor existierenden Dorfpuff am Teufelsmoor, der im Roman gerade von einer zehnköpfigen Parkinson-Gruppe besucht wird.
Worpswede ist berühmt für seine Künstler wie Otto Modersohn, Paula Becker und Heinrich Vogeler, den Moritz Rinke den Gründer des Worpsweder Ikea-Unternehmens nennt. Auch Rainer Maria Rilke lebte und dichtete hier. Da liegt es doch nahe, dass Rilke und Rinke nicht nur aus einem Dorf stammen, sondern direkt miteinander verwandt sind und nur einen Buchstaben im Nachnamen verwechselt haben.


Fotos: Hildegard Przybyla
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