| [Review und Interview] Ray Wilson sorgte für tropische Temperaturen im Werkhof |
|
|
|
|
Sonntag, 21. März 2010
| |
Wie man den Werkhof in Lübeck in Nullkommanix in einen
Backofen verwandeln kann, zeigte am Samstagabend Ray Wilson.
Zusammen mit seiner Acoustic Band spielte er nicht nur Lieder aus seiner Zeit als
Leadsänger
bei
Genesis, sondern mixte eigene Songs aus seiner Solo-Zeit, seiner Stiltskin-Zeit und alte Lieder von Phil Collins, Peter Gabriel und Mike and the Mechanics dazu. Wer jetzt
behauptet, da wurde einfach wüst gecovert, der irrt gewaltig. Denn Ray
Wilson
interpretiert alle Lieder auf seine eigene Art und durch seine raue,
kratzige
Stimme und den rockigen Sound wird etwas ganz Eigenes daraus.
Doch bevor Ray Wilson und Co. loslegten, spielte als Vorprogramm das Akustik-Duo H+M. Mit viel Enthusiasmus coverten sie Songs aus drei Jahrzehnten und spielten neben soliden Pop- und Rocknummern, wie Donna Summers She works hard for the money, auch neuzeitliches wie Mercy von Duffy. Besonders gut kam die Stimme von Sängerin Niki immer dann, wenn sie es so richtig krachen lassen konnte, wie bei Black Velvet von Alannah Myles. Auch Jan an der Gitarre stand dem in nichts nach und bot z.B. mit You don`t know ein gelungenes Milow-Cover. So spielten die beiden fast eine Stunde und heizten dem sich langsam füllenden Werkhof wortwörtlich ordentlich ein. Dann endlich kam der Hauptakt des Abends und zeigte sich äußerst gut gelaunt. Wo denn die Sonne heute gewesen sei, wollte Ray Wilson als erstes wissen. Das Wetter in Lübeck wäre ja genau wie in seiner Heimat Schottland. Da wäre es auch oft so regnerisch und die Luft würde genauso gut riechen. Doch bevor Heimwehstimmung hochkommen konnte, legten die Jungs los mit dem ersten Kracher und spielten Genesis Follow you, follow me. Schlag auf Schlag folgten noch weitere Klassiker wie No son of mine, Jesus knows me oder Land of Confusion. Besonders begeistert wurde Carpet Crawler aufgenommen, das aus der Zeit stammte, als Peter Gabriel noch Leadsänger von Genesis war. Von ihm brachten Ray Wilson und seine Mitstreiter dann auch noch Solsbury Hill und Biko. Aber von allen Genesis-Songs machten Ray Wilson ganz offensichtlich „seine“ Genesis-Lieder vom 1997er Album Calling all Stations am meisten Freude. Mit Shipwrecked und Not about us spielte er dann auch zwei der schönsten Songs der Scheibe. Zwischendurch spielten Ray Wilson und seine vorzügliche Band immer wieder eigene Songs. Begleitet vom Leadgitarristen Alisdair (Ali) Ferguson, Keyboarder Filip Walcerz und Gitarristen Steven Wilson, spielte er Songs von seinen Alben Propaganda Man und Millionairhead und begeisterte das Publikum damit sichtlich. Was die Musiker wirklich drauf hatten, zeigte sich, als Ali Ferguson ein Cover von Pink Floyds Wish you were here sang und Steve Wilson seine Version von U2s One brachte und die sowieso schon hohe Temperatur weiter anstieg. Nach vier Zugaben (inklusive dem bekanntesten Stiltskin-Song Inside) und insgesamt fast 2,5 Stunden, ging ein großartiges Konzert zu Ende und hinterließ ein Publikum, dass selbst, als das Licht schon wieder an war, vereinzelt und vehement nach einer weiteren Zugabe rief. Das wurde ihnen zwar nicht gewährt, aber Ray Wilson stellte sich seinen Fans, schrieb noch fleißig Autogramme und genoss den Kontakt mit den Leuten. Auf seiner Tour kommt Ray Wilson erst im zweiten Halbjahr wieder in den Norden: am 08. August auf Gutshaus Ehmkendorf (Genesis Klassik) am 25. September im Lindenhof in Westerhorn (Acoustic) am 2. Oktober in der Land-Art Scheune in Havetoftloit (Acoustic Band), am 3. Oktober im Ursprung in Rostock (Acoustic Band) und am 21. November in der Laiszhalle in Hamburg (Genesis Klassik). Interview mit Ray Wilson ![]() Unser-Lübeck Redakteurin Stephanie Gerlich hatte die Gelegenheit, Ray Wilson vor dem Auftritt im Werkhof noch einige Fragen zu stellen. Unser Lübeck: Nachdem Sie 2009 fast 10 Monate auf Tour waren und in 2010 ebenfalls fast 10 Monate unterwegs sind, wissen Sie da eigentlich abends noch, in welcher Stadt Sie gerade auf der Bühne stehen? Ray Wilson: Nein. Wirklich – manchmal ist das schwierig. Aber heute weiß ich genau, ich bin in Lübeck. Ich hab Freunde hier, da freue ich mich ganz besonders, hier zu sein. Aber wenn man an drei oder vier Abenden hintereinander spielt, verliert man eben manchmal ein wenig den Überblick. Unser Lübeck: Wie sieht die tägliche Routine aus, wenn Sie den einen Abend in Hamburg auf der Bühne stehen, den nächsten Tag 800 Kilometer entfernt in München? Ray Wilson: Reisen, viel reisen. Morgens nach dem Frühstück geht es los. In der nächsten Stadt wird dann ausgepackt und aufgebaut, Soundcheck, Auftritt, einpacken… Zwischendurch gibt es auch mal Wartezeiten, so zwischen Soundcheck und Auftritt. Dann sehe ich mir gerne Filme an und versuche mich zu entspannen. Gestern bin ich zum Beispiel um 6.30 Uhr aufgestanden und war gegen 2.30 Uhr fertig. Ich bin müde. Sehr müde. Es ist irgendwie verrückt. Wenn man auf Tournee ist, bekommt man nicht viel Schlaf. Ich kann auch gar nicht mehr viel schlafen. Aber ich liebe es trotzdem. Es ist wie Surfen. Als wenn man auf einer Riesenwelle surft – wenn man sie erwischt hat, bleibt man drauf und surft immer weiter und genießt es. Ich genieße, was ich tue. Unser Lübeck: Hat man nach der Menge an Auftritten eigentlich noch Lampenfieber? Ray Wilson: Nein. Ganz ehrlich – ich bin nicht mehr nervös. Ich habe Spaß an dem was ich tue, an meiner Musik und fühle mich wohl dabei. Da gibt es keinen Grund mehr, aufgeregt zu sein. Außerdem mache ich das schon ziemlich lange. Auftritte sind für mich auch Arbeit. Es ist wie zur Arbeit gehen. Manche Leute gehen ins Büro und arbeiten dort – die haben ja auch kein Lampenfieber. Und ich gehe eben auf die Bühne. Aber ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass ich mich auf der Bühne vor den Fans wohl fühle und sicher, da muss man kein Lampenfieber haben. Unser Lübeck: Die Tour 2010 geht ja fast ausschließlich durch Deutschland und Polen. Gibt es einen Unterschied in der Zusammensetzung des Publikums? Ray Wilson: Kaum. Ich bin gerne in Deutschland auf Tournee. Das Land ist in Europa einfach der wichtigste Markt. Hier war auch Genesis am erfolgreichsten – sie haben hier deutlich mehr Platten verkauft als in Großbritannien oder Frankreich. In Großbritannien gibt es viele große Hallen, aber kaum kleinere Clubs. In Deutschland ist das anders, die Club-Szene hier ist toll. In Osteuropa ist es ähnlich. Da gibt es viele, coole Orte und Läden. Unser Lübeck: Nachdem Sie mit Genesis noch große Stadien füllten, singen Sie jetzt vor 100 bis 300 Menschen. Was liegt Ihnen mehr? Stehen Sie auf Tuchfühlung mit den Fans? Ray Wilson: Stimmt, mit Genesis haben wir oft in großen Hallen gespielt. Auch jetzt werden die Räume, in denen ich auftrete wieder größer. Aber ich mag diese kleinen Venues. Ich denke, ich bin besser darin, acoustic zu spielen. Deshalb sind diese Clubs besser. Ich liebe Clubs – es geht nichts über so leidenschaftliche Läden, wie zum Beispiel die Bluesgarage gestern in Hannover. Da macht es Spaß zu spielen, und die Leute merken das sicher auch. Man kann sich auf so kleinen Bühnen mit dem Publikum so dicht dran auch nicht verstecken. Wir sagen dazu „it sorts the men from the boys“. Im Studio kann man einen schlechten Sänger gut klingen lassen mit etwas technischer Hilfe. Das geht auf der Bühne gar nicht. Da muss man schon was können. Unser Lübeck: Mal spielen Sie als Ray Wilson Acoustic Band, mal als Ray Wilson – Genesis classic, mal als Ray Wilson and Stiltskin. Unterscheiden sich die einzelnen Shows? Ray Wilson: Oh ja. Ich hab einen schrägen Lebenslauf als Musiker – ich hab solo gespielt, ich hab mit Stiltskin gespielt und mit Genesis. Und alles hat Spaß gemacht. Aber ich versuche, es ein wenig getrennt zu halten. Ich spiele gerne meine eigenen Songs akustisch und auch Genesis-Songs nur akustisch. Oder aber mehr Genesis-Sachen mit einem Orchester dabei – dann ist es Genesis classic. Das klingt ganz anders. Genauso mit Stiltskin. Ich liebe jede dieser Varianten – es ist immer wieder anders. Die Abwechslung tut mir gut. Ich muss nicht wie andere Bands jeden Abend das gleiche Programm abliefern, weil ich gerade mit meiner neuen Platte auf Tournee bin. So wird es auch bei einer langen Tour wie dieser nicht langweilig. Aber egal, ob acoustic oder classic – wichtig ist mir immer, dass ich danach auch die Leute treffe, wenn ich meine CDs verkaufe und ein bisschen mit den Besuchern reden kann. Darum bin ich lieber unterwegs als im Studio. Ray Wilson Fotos: © Olaf Malzahn |
|
Dieser Text ist mir etwas wert:
[?]




Wie man den Werkhof in Lübeck in Nullkommanix in einen
Backofen verwandeln kann, zeigte am Samstagabend Ray Wilson.
Zusammen mit seiner Acoustic Band spielte er nicht nur Lieder aus seiner Zeit als
Leadsänger
bei
Genesis, sondern mixte eigene Songs aus seiner Solo-Zeit, seiner Stiltskin-Zeit und alte Lieder von Phil Collins, Peter Gabriel und Mike and the Mechanics dazu. Wer jetzt
behauptet, da wurde einfach wüst gecovert, der irrt gewaltig. Denn Ray
Wilson
interpretiert alle Lieder auf seine eigene Art und durch seine raue,
kratzige
Stimme und den rockigen Sound wird etwas ganz Eigenes daraus.







Bürgernachrichten online (BIRL)
Lübeckische Blätter (Archiv)
Künstler aus Lübeck
Adressen in Lübeck
Internet-Adressen
Meldung einsenden
Veranstaltung vorschlagen










Wer ein paar Videos aus dem Backofen sehen möchte, schaut auf www.youtube.com/bobomud
Ein klasse Bericht über ein tolles Konzert! Ich war selbst im 'Backofen' zugegen und freue mich über die Begeisterung, die aus den Worten der beiden Autorinnen sprüht. Und erst die Fotos...DANKE Olaf!
Seite 1 von 1