Volker Pispers in der MuK - ein Abend der deutlichen Worte Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Majka Gerke
Samstag, 13. März 2010
Volker Pispers
Warum bloß hört kein deutscher Politiker auf Volker Pispers? Alles, was er am vergangenen Mittwoch in der ausverkauften MuK in Lübeck über Politik, Kirche oder Investmentbänker, diese von Pispers so verhassten „Dreckssäcke“ sagte, klang so einfach und nachvollziehbar. Mit gewohnt spitzer Zunge vorgetragen, hing ihm das Publikum an den Lippen, auch wenn manchem das Lachen im Hals stecken blieb.

Das Programm, mit dem Volker Pispers gerade durch die Republik tourt, heißt Bis neulich und ist ein Sammelsurium alter und neuer Texte, sozusagen ein „Best of“ der letzten 20 Jahre. Rund 100 Auftritte absolviert Pispers auf der Tour und nach 22 Jahren kam er endlich wieder nach Lübeck.

Pünktlich um 20 Uhr kam der Meister des politischen Kabaretts auf die leere Bühne, auf der nur ein Tisch mit einem Glas Wasser stand, und fing ohne Umschweife zu reden an. Er sprach über den jammernden Deutschen, über die Kirche und Franz Müntefering. Er erklärte uns, was Politiker mit „bildungsferne Schichten“ meinen – ein anderes Wort für Idioten. "Verarschung" bedeutet eigentlich nichts anderes als parlamentarische Demokratie und anstatt "Arschloch" könnte man auch sehr unangenehme Körperöffnung sagen.

Und schon ist er beim Thema FDP, die Steuersenkung und bei der ersten seiner berühmt-berüchtigten Rechenbeispiele. Da ist er so schnell, dass man Mühe hat ihm zu folgen, aber es klingt alles sehr logisch. Und weiter ging es über die Schweiz und die Steuer-CD und wieder zum Thema Kirche: „Wir sind nicht Papst, wir sind Staat. Zum Glück, mit dem Papst ist ja kein Staat zu machen.“

Überhaupt hat Pispers wenig Sympathie mit Managern. Leute wie die ehemaligen Spitzenmanager Josef Ackermann und Klaus Zumwinkel kriegten ihr Fett weg. Und auch Ex-Mercedes-Chef Jürgen Schrempp oder Porsches Wiedeking und deren Abfindungen fanden keine Gnade. HSH Nordbankvorstand Nonnenmacher inspirierte ihn gar zu einem neuen Wortspiel: eine Nonne gemacht – etwas in die Scheiße reiten. So was hörte das Publikum gerne und quittierte dies mit Applaus.

Still wurde es, wenn Anspielungen oder auch deutliche Worte über den Nationalsozialismus aufkamen. Bei Sprüchen wie „Was stand früher über der Parteizentrale der SPD – Arbeit macht frei“, blieb manchem das Lachen im Hals stecken. Doch so richtig böse wird Pispers, wenn er über Politiker oder so genannte Fachleute spricht, die von ihren Elfenbeintürmen aus abwertende Sprüche über Hartz-IV Empfänger und sozial schwache Einkommensgruppen machen. Da hört für ihn jeder Spaß auf. Solche Leute sind für ihn eindeutig sehr unangenehme Körperöffnungen.

Nach der Pause ging es weiter im Programm. Und wieder sprang er wild durch die Themen. Von Arbeitsplätze und Produktivität ging es über die Maueröffnung zum Nokiawerk in Bochum. Nebenbei lernte das Publikum noch, wie man am besten deutsche Subventionsgelder verjubelt. Angela Merkel widmete Pispers fast eine Dreiviertelstunde seines Programms. Hier zeigte er, dass er Vollblutkabarettist ist und dass er nicht nur eine spitze Zunge hat, sondern perfekt den Tonfall und die Gestik unserer Bundeskanzlerin drauf hat. Und erwartungsgemäß ließ er kein gutes Haar an ihr.

Volker Pispers gibt Autogramme

Hinterher zeigte sich Voker Pisper ganz handzahm und verteilte Autogramme an die wartenen Fans. Fazit: Der Mann schafft es, den Zuschauer mit seiner verbindlichen Art einzulullen, bis dann plötzlich das sprichwörtliche Teufelchen auf seiner Schulter erscheint. Dann gibt er plötzlich bitterböse Wahrheiten von sich, dass einem das Lachen im Hals feststeckt und man sich fragt, stimmt das? Warum hat mir das bisher niemand so gesagt? Einfach hervorragend.

Mehr als drei Stunden dauerte Volker Pispers politischer Matheunterricht in der MuK und man kann nur hoffen, dass er nicht wieder 22 Jahre braucht, bis es wieder heißt „Bis neulich.“

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