Unruhe im Werkhof Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Michael Pfirrmann
Montag, 1. März 2010
Kein Lärm - aber Unruhe! Der Reaktor läuft: Fragmente, Farben, Frequenzmodulation. Digitales Metall. Variierte Strukturen, strenge Konturen. Simultankontraste - farbige Schatten... Goethe lässt grüßen! Eindrücke von der Klangkunstausstellung am 27. Februar im Werkhof.

Ein Glas Wein, gespannte Stimmung! 40 Zuschauer nicht mehr, nicht weniger. Dies ist ein Experiment - nicht mehr, nicht weniger. Der Werkhof ist Schauplatz - ein Werk wird präsentiert: "Unruhe" von Eric Nobles mit Projektionen von Martina Bresch. Modulation von Licht und Ton! Teil eins und zwei: ambivalentes Gefühl. Gespaltenes Echo - man diskutiert in der Pause. Janus Schwarz liest aus Goethes Farbenlehre. Dann wieder: Atonale Klangkollagen - keine Songstrukturen. Auf der Leinwand: Muster-Variation in Blau, Grün, Gelb und Rot - Schattenspiele. Teil drei und vier. Im Publikum: steigende Spannung - Angst bei Rot! Dies ist der Höhepunkt – und der Rezipient: wie immer allein. Wohltemperierte Stimmung - nicht relevant! Unruhige Klänge: Low Frequency Oscillation. Stille - dann Applaus.

Braucht Lübeck Unruhe? Die Antwort eindeutig: Ja! Avantgarde – wie buchstabiert man das? Hier steht es geschrieben: Berlin ist nicht alles. Lübeck kann sich bemühen – und sollte es! Das Potential ist da – und wenigstens 40 Menschen wissen das nun. Es ist an der Zeit, aufzuräumen mit der Beschaulichkeit. Echte Kulturförderung durch die Stadt wird nicht erwartet – dort wird versucht, Touristen in die Stadt zu locken. Das ist wichtig – Lübeck lebt vom Tourismus. Die Stadt wagt sich schon weit aus dem Fenster, ein Harley-Treffen nach Lübeck zu holen. Respekt - Harleys sind geile Maschinen! Auch die älteren Semester werden nicken.

Aber was macht das Renommee einer Stadt aus? Das ist neben massenkompatiblen Events der kreative Untergrund! Klar, dies ist nicht Berlin und auch nicht Hamburg – aber auch hier gibt es eine kreative Szene, die ohne Rücksicht auf kommerzielle Interessen und ohne nennenswerte Kulturförderung das Fundament bildet, auf dem sich eine touristische Vermarktung überhaupt erst glaubwürdig vertreten lässt.

Repräsentative Veranstaltungen in der MuK sind gut und schön. Aber ein vitaler Untergrund ist genauso wichtig. Alles andere wäre nur eine hübsche Verpackung ohne Inhalt. Werden sich Touristen jemals auf solch eine Veranstaltung wie die von Eric Nobles verirren? Durchaus möglich – wenn eine kleine aber feine Szene sich einen Rückhalt beim lokalen Publikum erobern kann. Die Veranstaltung im Werkhof war schon mal ein guter Anfang!



Kommentare von Lesern

Glückwunsch Henninger für den gelungenen Abend!

Von Manfred Vandersee, am 02.03.2010 um 21:25
 
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