Lübecker Museen gewinnen an Renommee und Zuspruch Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Marlies Bilz-Leonhardt
Samstag, 20. Februar 2010
Tatjana Gorodkova (Moskau) zu Gast in Lübeck
Ihr attraktives Arbeitsprogramm 2010 sowie eine Übersicht über die vergangenen Jahre stellten die Lübecker Museen auf ihrer Jahrespressekonferenz vor. "Die Lübecker Museen haben in den vergangenen Jahren deutlich an Renommee und Zuspruch gewonnen. Sie sind eine wichtige Größe innerhalb der Lübecker Kulturlandschaft und werden immer stärker auch von den Lübeckern selbst wahrgenommen", hob Frank-Thomas Gaulin, Vorsitzender des Stiftungsrats der Kulturstiftung, hervor.

Dass sich die Lübecker Museen im Aufwind befinden, weist u.a. die steigende Zahl von Besuchern aus. So verzeichnete die Kunsthalle St. Annen 2009 80% mehr Besucher als im Vorjahr, das Museum für Natur und Umwelt 12% und die Geschichtswerkstatt 23%. Der Ausstellungsbetrieb wäre ohne die großzügige Förderung Lübecker Stiftungen nicht möglich, so Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Geschäftsführender Direktor der Kulturstiftung. Die Wirtschaft in Lübeck aber halte sich zurück. Woanders beteiligten sich größere und kleinere Betriebe viel mehr an der Finanzierung. Wißkirchen will versuchen, verstärkt auch Lübecker Betriebe als Sponsoren zu gewinnen.
 
Das Ausstellungsprogramm
Mit einem Highlight eröffnete die Kunsthalle St.-Annen ihr diesjähriges Jahresprogramm. Die Kunsthalle war bis zum letzten Platz gefüllt, als vor kurzem die umfangreiche Retrospektive der großen russischen Anvantgardistin Natalja Gontscharowa eröffnet wurde. Sie läuft noch bis 30. Mai. Eine sehr begrüßenswerte Neuerung ist die Kooperation Lübecker Museen. Mehrere Häuser zeigen parallel Ausstellungen, die thematisch aufeinander bezogen sind. So werden vom 13. Juni bis 5. September das Frühwerk von Karl Schmidt-Rottluff im Behnhaus/Drägerhaus, sein Spätwerk in der Kunsthalle St. Annen gezeigt. Das Thema "Expressionisten in Schleswig Holstein" greift das Landesmuseum Schloss Gottorf mit einer Ausstellung zu Erich Heckel auf. Für den Tourismus in Schleswig Holstein bietet sich an, Exkursionen unter dem Rubrum "Expressionismus in Schleswig Holstein" in sein diesjähriges Programm aufzunehmen. Bildende Kunst und Literatur verbindet das Projekt "Carl Friedrich von Rumohr" im Behnhaus/Drägerhaus vom 18. Septemeber 2010-16. Januar 2011 und "Franziska Gräfin zu Reventlow" im Buddenbrookhaus vom 12. September bis 21. November 2010. Eine opulente Ausstellung der schweizerischen Künstlerin Ann Wolff zeigt das Kulturforum Burgkloster vom 9. Mai bis 1. August. Weitere Ausstellungen sind im Programm. Sie können hier nicht einzeln vorgestellt werden.

Museumspädagogik
Ausstellungen sind nicht die einzigen Aufgaben von Museen. Zu ihnen gehört als nicht unwichtige Säule die Museumspädagogik. Sie führt junge Menschen an das heran, was Museen zu bieten haben. Dass die bereits in der Vergangenheit beachtliche Museumspädagogik Wirkung zeigt, lässt sich an den Besuchern ablesen. Während 2008 5% aller Besucher Kinder und Jugendliche waren, waren es 2009 bereits 9%. Die Lübecker Museen wollen die Arbeit in diesem Bereich weiter ausbauen. "Jugend ins Museum" heißt ein Projekt, das dazu entwickelt wurde. Besonders positiv ist hervorzuheben, dass Kulturstiftung und Museen eng mit Lübecker Schulen zusammenarbeiten. Im Mai ist Lübeck Austragungsort des Wettbewerbs "Jugend musiziert". Dies nahm die Kulturstiftung zum Anlass, Lübecker Schüler dafür zu gewinnen, den Wettbewerbsteilnehmern unsere Stadt und ihre Museen zu zeigen. "Museumsarbeit ist außerschulische Bildung", mit Museumspädagogik sichern wir die Zukunft unserer Museen," betonte Frank-Thomas Gaulin.

Völkerkundesammlung
Die Frage der Wiedereröffnung der Völkerkundesammlung wird derzeit von Politik und Kulturstiftung intensiv diskutiert. Man sei auf einem guten Weg, so Prof. Wißkirchen. Den Verhandlungen ist zu wünschen, dass sie mit der Wiedereröffnung am alten Ort im Zeughaus in nicht allzu ferner Zukunft enden. Aber auch vorher werden die Objekte der Völkerkundesammlung wieder zu sehen sein. Ab 2011 soll es jährlich eine Ausstellung geben. Leider im St.-Annen-Museum und nicht im Zeughaus. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln.

Last but not least
Die neue Dauerausstellung im Museum für Natur und Umwelt kommt bei den Besuchern sehr gut an. Die Räume des St. Annen-Museums werden zur Zeit umgestaltet. Jeder Raum soll einzeln in einer Vernissage vorgestellt werden. Mit einer Publikation zur Sonderausstellung "Mario der Zauberer" wird die Kulturstiftung erstmals als eigener Verlag auftreten. Mehr Beachtung soll finden, dass Museen auch Stätten von Wissenschaft und Forschung sind.
Großartige Ausstellungen, Neugestaltung, Intensivierung  der Museumspädagogik ohne Vernachlässigung von Wissenschaft und Forschung, so lassen sich die Pläne für 2010 zusammenfassen.




Fotos: (c) Marlies Bilz-Leonhardt


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